"Meilensteine Potsdamer Winteroper" mit der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Antonello Manacorda im Schlosstheater. Foto: Beate Wätzel
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20 Jahre Kammerakademie Potsdam im Schlosstheater Oper, bis sich die Balken biegen

Die Kammerakademie Potsdam begeht ihr 20. Jubiläum mit einer Festwoche. Im Schlosstheater war sie lautstark Erinnerungen an 17 Jahre Potsdamer Winteroper auf der Spur.

Potsdam - Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Opern „Titus“ und „Cosi fan tutte“ startete vor 17 Jahren die Potsdamer Winteroper. Zu ihren Initiatoren gehörte neben dem Hans Otto Theater die Kammerakademie Potsdam. Die Winteroper hat, wie Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) in seinem Grußwort zu 20 Jahren Kammerakademie Potsdam am 27. März im Schlosstheater im Neuen Palais sagte, eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte der Landeshauptstadt aufzuweisen. 

Einst hatte das Theater ein eigenes Opernensemble

Das Erinnern an dieses Opernfest und seine Würdigung standen denn auch im Fokus des Konzerts. Die Erinnerung ging zurück bis in die DDR-Zeit. Im festlichen Schlosstheater produzierte das Hans Otto Theater mit eigenem Opernensemble und Orchester seit 1977 unter der Leitung von Operndirektor Peter Brähmig einen viel beachteten Mozart-Zyklus. 

Oft gingen die Inszenierungen damals weit mehr als 50-mal über die Bühne. Die Winteroper dagegen kann unter veränderten finanziellen Spielräumen nur fünf bis sechs Aufführungen im Schloss oder in der Ausweichspielstätte Friedenskirche vorweisen. 

KAP-Chef Antonello Manacorda dirigierte bislang nur zwei Winteropern

Bekannte und unbekannte Werke von Händel, Gluck, Mozart, Schubert, Rossini, Mendelssohn Bartholdy, Britten und Philip Glass wurden inszeniert. Die Liste mit internationalen Gesangssolisten, Dirigenten und Regisseuren ist umfangreich. Da die meisten Opern nicht ohne Chöre auskommen, wurden für die jeweiligen Aufführungen Gast-Ensembles - auch aus Potsdam - eingeladen. 

Obwohl der langjährige Chefdirigent der Kammerakademie, Antonello Manacorda, intensive Beziehungen zur Oper in europäischen Theatern pflegt, hat er während der Winteropern-Geschichte erstaunlicherweise nur zwei Opern vom Pult aus geleitet: Glucks „Orfeo ed Euridice“ sowie Mozarts „La Betulia liberata“. 

Temperament und Energie im Erinnerungsprogramm

Am Sonntag dirigierte nun Manacorda das Erinnerungs-Nummern-Programm, in dem Joachim Berger, Schauspieler am Hans Otto Theater, die Geschichte der Winteroper aufblätterte. Ouvertüren zu „La clemenza di Tito“ und „Cosi fan tutte“ von Mozart sowie „Die seidene Leiter“ von Gioacchino Rossini standen auf dem Programm. 

Manacorda und die Kammerakademie gingen sie temperament- und energievoll an. Als streitbar mag man gelegentlich des Dirigenten Wahl der Tempi empfinden, die wieder etwas uneinheitlich erschien. Undifferenziert leider auch die Lautstärke. Beim Reigen seliger Geister aus Glucks „Orfeo ed Euridice“ ließ sich die feinsinnige Kammermusik jedoch nicht vertreiben. Das Stück wurde zur Erholungspause für die Ohren.

Sängerisch exquisit, musikalisch wenig elegant

Das Finale zum zweiten Akt der Mozart-Oper „Cosi fan tutte“ war dann Höhepunkt des Abends. Sechs Sängerinnen und Sänger mussten für die fast bösartige Geschichte über Partnertausch und Gefühlsverwirrung aufgeboten werden. Lenneke Ruiten als Fiordiligi, Corinna Scheurle als Dorabella, Caterina Di Tonno als Despina, Tuomas Katajala und Günter Papendell als Ferrando und Guglielmo sowie der für seinen kurzfristig erkrankten Kollegen Georg Nigl eingesprungene Weltstar Lucio Gallo als Don Alfonso konnten auf dem kleinen Podium das Szenische nur andeuten - das Sängerische aber war einfach exquisit.

Antonello Manacorda ging bei der Wiedergabe wieder so richtig in die Vollen. Etwas mehr musikalische Eleganz wäre hier nicht schlecht gewesen. Doch wenn das Ensemble der Solisten im Sextett mit dem Orchester musizierte, wurde es im intimen Raum so laut, dass sich fast die Balken bogen. Das Publikum frohlockte und spendete lautstarken Beifall. 

Bis zum 3. April begeht die Kammerakademie Potsdam ihr 20. Jubiläum in einer Festwoche an verschiedenen Orten in Potsdam. Programm und Karten finden Sie hier.

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