Auch der Papageien-Saftling wächst auf der Wiese, wie Jan Hafts Dokumentationsfilm "Die Wiese" zeigt.  Foto: nautilusfilm-polyband
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15. Brandenburger Ökofilmtour Sag mir, wo die Blumen sind

Der Dokumentarfilm "Die Wiese" eröffnete die 15. Ökofilmtour im Potsdamer Filmmuseum und mahnt zum umsichtigen Umgang mit der Natur.

Potsdam - Wenn die männliche Feldgrille versucht, ein Weibchen anzulocken, kann das durchaus gefährlich werden. Weil durch das verführerische Zirpen nicht nur weibliche Grillen, sondern auch männliche Nebenbuhler angelockt werden. Solche, die gleich Haus und Frau übernehmen wollen und wenn nötig, bis zum Tod darum kämpfen. In Jan Hafts Dokumentation „Die Wiese“ stirbt keine Grille. Sowohl der Angreifer als auch der Zirpende überleben – letzterer verteidigt sein Revier sogar erfolgreich. Der Film eröffnete am Mittwochabend im Potsdamer Filmmuseum die Brandenburger Ökofilmtour, die in diesem Jahr ihr 15. Jubiläum feiert. 

Bis April werden in ganz Brandenburg 45 Fernseh- und Kinofilme sowie 15 Kurzfilme zum Thema Umwelt und Natur gezeigt. Am 24. April wird dann die Abschlussveranstaltung inklusive Preisverleihung in der Reithalle des Hans Otto Theaters stattfinden. „Es ist das einzige Filmfestival in Deutschland, das über mehrere Monate dauert und zudem mobil ist“, sagte Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) am Mittwochabend bei der Eröffnung. Er sei ein großer Fan davon, durch Begeisterung für den Naturschutz zu werben und die Ökofilmtour habe sehr oft diesen Effekt. So wie eben Jan Hafts Film „Die Wiese“, über den sich Vogel nach der Vorführung begeistert äußerte und der auch vom Publikum positiv aufgenommen wurde.

1000 Stunden im Tarnversteck

Drei Jahre lang haben Haft und sein Team verschiedene Lebensformen beobachtet, die in einer Wildwiese geeigneten Lebensraum für sich finden – 1000 Stunden lagen sie dabei im Tarnversteck. Schreiend bunte Pilze sind darunter, verschiedene Vogel-, Spinnen- und Insektenarten. Besonders beeindruckend: die gefilmte Geburt von zwei Rehkitzen. „Die Wiese“ zeigt in faszinierenden Nahaufnahmen und ästhetisch sehr hochwertig gefilmten Bildern, wie sich das vielfältige Leben in einer Wiese bedingt. 

Da ist zum Beispiel die Hummel-Ragwurz, eine Blume, die mit ihren Blüten die Form und den Duft von Weibchen der Langhornbiene nachahmt und damit entsprechende Bienenmännchen anlockt. Die wollen sich paaren und bestäuben dabei die Blume – praktisch. Um Geräusche wie das Grillenzirpen aufzunehmen, haben die Filmemacher Ansteckmikrofone auf Stöcke gesteckt, wie Jan Haft am Mittwoch erzählte. Die Idee zum Film entstand aus einer Wut heraus. Der Wut über die Unwissenheit ob der Wiesen-Artenvielfalt, darüber, dass der Mensch immer mehr wilde Wiesen zerstört, um das Land für seine Landwirtschaft zu nutzen. 

Auch eine der Wiesen im Film – gedreht wurde in Deutschland und Österreich – wird schließlich gemäht. Der Film verzichtet auf blutige Bilder: Die Rehkitze sind bereits alt genug, um fortzuspringen, und auch am Boden nistende Vögel schaffen es wegzuhüpfen. Wie viele Insekten die Mähmaschinen nicht überlebt haben, bleibt offen. 

Menschengemachte Naturkatastrophen

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Kurzfilm „Lüdersdorf darf nicht sterben“ von Carsten Krüger, der auf YouTube zu sehen ist und ebenfalls am Mittwoch gezeigt wurde. Darin besucht der Biologe und Agrarwissenschaftler Michael Succow sein Heimatdorf Lüdersdorf, das sich seit seiner Kindheit erschreckend verändert hat. Wiesen sind riesigen Maisfeldern gewichen, die zur Herstellung von Biogas genutzt werden, Seen fast ausgetrocknet und von Algen überwuchert. 

Durch die Ausbeutung des Bodens ist der Humusgehalt rapide gesunken, die Nährstoffgrundlage für viele Arten nicht mehr vorhanden. Eine Katastrophe, wie Succow im Filmmuseum betonte. Denn: „Wenn im Boden kein Leben mehr ist, keine Artenvielfalt, kann sie darüber erst recht nicht stattfinden.“ Naturkatastrophen seien längst keine Naturkatastrophen mehr, sondern menschengemacht – und das sollte zu denken geben. 

>>„Die Wiese“ ist noch einmal am 28. Januar um 19 Uhr im Potsdamer Haus der Natur, Lindenstraße 34, zu sehen

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