Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup geht weiterhin davon aus, dass der BER im Oktober 2020 eröffnen wird. Foto: Tobias Schwarz/AFP
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Trotz neuer Mängel Lütke Daldrup: BER soll dennoch 2020 eröffnen

BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup hält an der geplanten Eröffnung des Flughafens 2020 fest – obwohl es neue Probleme gibt.

Schönefeld - Trotz störanfälliger Brandmelder und falsch verbauter Dübel: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup rückt nicht von der anvisierten Eröffnung des Hauptstadt-Airports BER im Oktober 2020 ab. Er hält diesen Termin weiter für realistisch, was er dem Vernehmen nach am Freitag auch vor Aufsichtsräten auf der BER-Baustelle bekräftigte. Der für die Bauprobleme zuständige Projektausschuss des Kontrollgremiums, das nächste Woche wieder tagt, informierte sich vor Ort über die Lage. Der BER eröffne im Oktober 2020, versicherte Lütke Daldrup auch im Inforadio.

An einer kritischen Flanke gibt es dafür eine Fristverlängerung von Brandenburgs Baubehörden: Nach PNN-Informationen muss die Flughafengesellschaft Tausende Mängel an Sicherheitskabeln nicht vor Beginn der Wirk- und Prinzip-Prüfungen, kurz WPP, aller Brandschutzsysteme abgebaut haben, die nach dem bisherigen Terminplan spätestens Ende Juni beginnen müssten.

Start der Prüfungen wird sich wohl verzögern

Doch der Start dieser Prüfungen, bei denen der TÜV Rheinland die ordnungsgemäße Errichtung und die Betriebssicherheit untersucht, droht sich zu verzögern. Unter anderem wegen der Brandmeldeanlage. Drei der fünf Brandmeldezentralen sind dem Vernehmen nach immer noch störanfällig. Die Anlagenfreigabe der Brandmeldeanlage werde nun „bis Ende Juni“ angestrebt, heißt es in Unterlagen der Flughafengesellschaft FBB. Schon vor Monaten hatte der TÜV intern gewarnt: „Die Wirksamkeit und Betriebssicherheit der Brandmeldeanlagen ist eine unabdingbare Voraussetzung, um mit der WPP beginnen zu können.“ Brandmeldeanlage und Sicherheitskabel – inklusive des Dübelproblems – sind nach wie vor große Hürden. Nach einem Bericht des TÜV Rheinland im März hatte es über elftausend Mängel gegeben, davon 9357 wesentliche Mängel, womit sich die Zahl seit Anfang 2019 verdreifachte.

Die Firma ROM arbeitet auf Hochtouren, dem Vernehmen nach sind es noch rund 6000 Mängel, von denen nach einer mit den Baubehörden abgestimmten sogenannten Clusterung, eine Prioritätenliste nach Relevanz, ein Viertel bis zum Beginn der WPP abgearbeitet sein muss. Nach einer FBB-Erklärung vom Freitag wird es von Brandenburgs Baubehörden abhängen, ob 2020 klappt. „Sollte sich der Abschluss dieser Arbeiten und damit die Wirk-Prinzip-Prüfung verspäten, wird es für die Inbetriebnahme des BER wichtig sein, die sogenannte ORAT-Phase (Probebetrieb mit Komparsen, Anm. d. Red.) bereits vor der endgültigen Nutzungsfreigabe zu beginnen“, hieß es. „Auch damit wäre die Inbetriebnahme im Oktober 2020 gewährleistet, würde aber von allen an diesem Prozess Beteiligten die volle Konzentration der Kräfte erfordern.“

Probebetrieb soll trotz Mängelbeseitigung starten

Die FBB hofft also, dass sie wie 2012 vor der geplatzten Eröffnung die Erlaubnis bekommt, den Probebetrieb mit Tausenden Komparsen starten zu dürfen, selbst wenn parallel noch Mängel beseitigt werden. Allerdings hat Stefan Loge, Landrat des Kreises Dahme-Spreewald und damit Chef der für den BER zuständigen Baubehörde, bereits klargestellt, dass er auf Kosten der Sicherheit kein Auge zudrücken werde. Auf die Frage, ob der Flughafen mit einer solchen Freigabe rechnen kann, sagte Loge am Freitag den PNN: „Nein. Das könnte nur erlaubt werden, wenn die Bedingungen erfüllt sind und die Sicherheit gewährleistet ist.“ Es sei kein Unterschied, ob Komparsen oder Fluggäste im Terminal seien. Dem ARD-Magazin „Kontraste“ sagte der SPD-Politiker, dass ihn die aktuellen Entwicklungen an frühere geplatzte Eröffnungstermine erinnern würden: „Ich habe Magengrummeln. Wir haben da so ein bisschen Déjà-vus.“ Und: „Auch an einem Plastikdübel oder mehreren Tausend Plastikdübeln, wie mutmaßlich in diesem Fall, kann die Inbetriebnahme scheitern.“

Kann der BER gar nicht mehr eröffnen?

In der Politik wächst auf allen Ebenen der drei staatlichen Eigner – ob im Bundestag, im Landtag oder im Berliner Abgeordnetenhaus – die Ungeduld, und inzwischen sogar die Sorge, dass der BER gar nicht mehr eröffnen kann. Christian Gräff, CDU-Obmann im Berliner BER- Untersuchungsausschuss, sagte den PNN: „Sollten die Probleme am BER so groß sein, dass teilweise entkernt werden muss, dann stehen das Gesamtprojekt und der Standort infrage.“ Brandenburgs Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sagte: „Mein Eindruck ist, dass die seit Jahren im Krisenmodus befindliche FBB verzweifelt versucht, den durch Fehlplanung und Missmanagement entstandenen Milliardenschaden auf irgendeine Weise zu begrenzen.“ 

Was not tue, sei der Grundsatz jeglicher Krisen-PR: „Aufrichtigkeit gegenüber den kontrollierenden Abgeordneten, den Medien und damit zugleich den Bürgerinnen und Bürgern.“ Und der CDU-Abgeordnete Rainer Genilke sagte, die CDU habe den BER auf die Tagesordnung der Landtagssitzung nächste Woche gesetzt: „Der Mummenschanz muss ein Ende haben.“

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