Vor dem Urteil. Silvio S. (l.) musste such vor dem Potsdamer Landgericht verantworten. Vergrößern
Galerie

Startseite Lebenslange Haft für Silvio S.

2 Fotos

Prozess um Tod von Elias und Mohamed Lebenslange Haft für Silvio S.

Alexander Fröhlich

Höchststrafe für Silvio S.: Für den Mord an den Jungen Elias und Mohamed wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Mutter von Mohamed beschimpfte Silvio S. mehrfach.

Im Prozess um den Mord an den Jungen Elias (6) Potsdam und Mohamed (6) aus Berlinist der Angeklagte Silvio S. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die erste Schwurgerichtskammer des Landgerichts Potsdam befand den 33-Jährigen für schuldig, die beiden Kinder entführte, sexuell missbraucht und ermordet zu haben. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Entlassung nach 15 Jahren in Haft ausgeschlossen. Der Wachmann aus Brandenburg hat laut Gericht im vergangenen Jahr die beiden Jungen Elias und Mohamed entführt und umgebracht.

Damit folgte das Gericht weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Sie hatte eine Verurteilung wegen zweifaches Mordes zu lebenslanger Haft gefordert, ebenso die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Nur in einem Punkt folgte das Gericht nicht dem Antrag der Anklage: Eine Sicherheitsverwahrung nach verbüßter Haft, mit der die Allgemeinheit vor besonders gefährlichen Tätern geschützt werden soll, ordnete das Gericht nicht an.

Die Verteidiger hatten sich auf kein genaues Strafmaß festgelegt, hielten allerdings nur eine Verurteilung zu einer lebenslangen Haftstrafe für angemessen. Sie erkannten zwar den Mord an Mohamed an, hier ist die Beweislage erdrückend. Das Mordmerkmal - Verdeckung des schweren sexuellen Missbrauchs der Kindes - sehen auch die Verteidiger als erfüllt an. Im Fall von Elias hatten sie Zweifel an dem Mordvorwurf geäußert. Dazu erklärte Richter Horstkötter: Silvio S. habe am 8. Juli 2015 den Entschluss gefasst, nach Potsdam zu fahren, um dort gezielt ein Kind in seine Gewalt zu bringen und es sexuell zu missbrauchen. "Wir gehen auch davon aus, dass Sie schon da in Betracht gezogen haben, das Kind töten zu müssen, um nicht Gefahr zu laufen, dass die Straftat entdeckt wird", sagte Horstkötter.

Richter: Zwei unbegreifliche Taten

Der Vorsitzende Richter Theodor Horstkötter sprach von zwei unbegreiflichen Taten. Die Mutter von Mohamed konnte die Schilderungen des Richters zu der Tat nicht mehr aushalten und wollte den Verhandlungssaal verlassen. Dabei schrie sie laut durch die Saal: "Was hast Du mit meinem Kind gemacht". Zudem beschimpfte sie Silvio S. mehrfach deutlich. Beamte und ihr Anwalt könnten sie schnell stoppen, als sie auf den Angeklagten zugehen wollten. Sie wurde dann weinend in einen Nebenraum begleitet. Der Vorsitzende Richter blieb äußerst ruhig. Nachdem Mohameds Mutter den Saal verlassen hatte, sagte Horstkötter einen langen Moment nichts - und setzte dann mit seiner Urteilsbegründung fort.

Die Mutter von Elias verließ gleich nach dem Urteilsspruch wieder den Gerichtssaal, noch bevor Horstkötter zur Urteilsbegründung kam. Dieser führte weiter aus: "Sie haben die Kinder den Eltern entzogen, entführt, der Freiheit beraubt, sexuell missbraucht und ermordet. Sie haben es vorsätzlich in der Absicht getan, um die vorausgehenden Straftaten zu verdecken, weil sie befürchten mussten, das die Kinder sie verraten."

Während das Gericht davon ausgeht, dass sich Silvio S. beim Potsdamer Jungen Elias des schweren sexuelle Missbrauchs und der Vergewaltigung schuldig gemacht hat, konnte bei Mohamed strafrechtlich lediglich sexueller Missbrauch nachgewiesen werden. In beiden Fällen kommen neben Mord aus Verdeckungsabsicht noch die Straftatbestände Entziehung von minderjährigen Kindern und Freiheitsberaubung mit Todesfolge.

Der 33 Jahre alte Angeklagte hatte im Verfahren zu den Vorwürfen geschwiegen und sich erst ganz am Ende mit einer kurzen Erklärung an die Hinterbliebenden gewandt. „Es gibt kein Wort auf der Welt, das beschreiben könnte, wie leid es mir tut.“ Konkrete Angaben zu den Vorwürfen machte er nicht. Die Urteilsverkündung verfolgte Silvio S. anfangs aufrecht und ohne Rührung, blickte den Richter lange Zeit stets direkt an. Das änderte sich erst im weiteren Verlauf der Urteilsbegründung. Als es um die Entführung von Elias ging, wischte sich S. mehrfach die Tränen aus den Augen. Er vergrub sein Gesicht in die Hände und schüttelte mehrfach den Kopf, als der Vorsitzende Richter die brutalen und fürchterlichen Details des sexuellen Missbrauchs schilderte.

Der Wachmann ist nach Angaben eines psychiatrischen Gutachters voll schuldfähig. Obwohl ein Handyvideo aus dem Telefon des 33-Jährigen den Missbrauch des vierjährigen Mohamed zeigt, ist der Mann nach Einschätzung des Psychiaters nicht pädophil.

Silvio S. hat Elias im Juli 2015 in sein Auto gelockt, als der Sechsjährige vor dem Wohnhaus seiner Familie spielte. Elias starb nach Ansicht eines Gerichtsmediziners durch „gewaltsames Ersticken“. Spuren an dem Leichnam deuten laut dem Experten auf schweren Missbrauch hin. Den vierjährigen Mohamed hat Silvio S. im Oktober am Landesamt für Gesundheit und Soziales mitgenommen, zu seiner Wohnung gefahren und missbraucht. Als das Kind danach gequengelt habe, hat der 33-Jährige den Jungen stranguliert. Nach dem Urteil will die Staatsanwaltschaft prüfen, ob S. noch weitere Kinder getötet haben könnte.

Zur Startseite