Ab 2016 werden mehrere Braunkohlekraftwerke schrittweise vom Netz genommen. dpa
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Poker um Braunkohle in der Lausitz Viele Bieter für Kohlesparte von Vattenfall

Alexander Fröhlich

Der Verkaufspoker um die Lausitzer Braunkohle-Sparte des schwedischen Energiekonzerns geht in die heiße Phase über. Auch Finanzinvestoren zeigen Interesse

Berlin - Für den Kauf der Lausitzer Braunkohle-Sparte des Energiekonzerns Vattenfall bringen sich mehrere Investoren in Stellung. Nach Tagesspiegel-Informationen ist das Interesse an der bisherigen Tochter des schwedischen Staatskonzerns groß. Neben Energiekonzernen, die sich mit dem Kauf strategisch neu aufstellen wollen, sollen Finanzinvestoren an der Kohle-Sparte Interesse haben. Es sollen es mehr als fünf Bieter sein.

Bis Ende Januar werden die Angebot geprüft

 

Vattenfall hatte potenzielle Käufer gebeten, bis Weihnachten ein unverbindliches Angebot vorzulegen. Ansonsten hält sich das Unternehmen bedeckt, der Verkaufsprozess soll störungsfrei verlaufen. Bis Ende Januar sollen die Angebote geprüft, dann entschieden werden, welche Bieter in die vertiefte Unternehmensprüfung kommen. Im Sommer soll das Geschäft abgewickelt werden. Der Wert der Kohle-Sparte wird auf zwei bis vier Milliarden Euro geschätzt. Als Risiken gelten niedrige Strompreise und die Klimaschutz-Vorgaben der Politik.

Großes Interesse aus Tschechien - das hat einen Grund

 

Offiziell haben die beiden tschechischen Energieunternehmen CEZ und EPH, das schon die Mibrag in Sachsen-Anhalt besitzt, und der Essener Konzern Steag Interesse signalisiert. Am Montag erklärte der teilstaatliche Konzern CEZ, Vattenfall ein Angebot für die Kohle-Sparte mit 8000 Mitarbeitern sowie für Wasserkraftwerke in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gemacht zu haben. Steag bietet Medienberichten zufolge einen „niedrige dreistellige Millionensumme“, stößt aber bei den kommunalen Eignern im Ruhrgebiet wegen der Risiken auf Widerstand. Die tschechische Holding EPH hat mit der Investmentgruppe PPF des reichsten Tschechen, Petr Kellner, eine finanzkräftige Partner und gab ein unverbindliches Angebot ab. Als Bieter war auch die Czech- Coal-Gruppe im Gespräch. Das Interesse aus Tschechien hat einen Grund: Wie eine CEZ-Sprecherin sagte, sei in einer neuen Energiestrategie festgelegt worden, dass es in Tschechien keine neuen Tagebaue und Kraftwerke geben soll. In der Lausitz sind es ab Dienstag neben den drei Kraftwerken nur noch vier statt fünf Tagebaue. Dann verlässt der letzte Kohlezug die Grube Cottbus-Nord.

CEZ betreibt Lobbyarbeit in Brandenburgs Landtag

 

CEZ hat immerhin das Bedürfnis, in Brandenburg um Unterstützung zu werben. Bei einem parlamentarischen Frühstück für die Landtagsabgeordneten erklärten Unternehmensvertreter nach PNN-Recherchen, dass CEZ zugesagt habe, keine Braunkohle aus Lausitzer Tagebauen nach Tschechien zu exportieren, um sie dort in Kraftwerken zu verfeuern. Unklar ist auch, ob das Unternehmen Vattenfalls Pläne für die neuen Tagebaue Welzow-Süd II und Jänschwalde Nord vorantreiben wird. Das hänge von den politischen Rahmenbedingungen ab, sagte eine Sprecherin den PNN. Zudem habe Vattenfall noch nicht alle genauen Unternehmensdaten an die Interessenten herausgegeben. Für Zukunft der Lausitz-Sparte gebe es mehrere Szenarien, die reichten vom Aus älterer Kraftwerke bis zum Betreiben der neuesten Blöcke etwa im sächsischen Boxberg über das Jahr 2050 hinaus. Generell wolle sich CEZ um den Erhalt der Arbeitsplätze in der Kohle kümmern, hieß es.

Braunkohlestrom ist bei steigender Bruttostromerzeugung auf dem Rückzug. 2015 sank der Anteil nach Berechnung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) von 24,8 auf 24 Prozent, der von Steinkohle von 18,9 auf 18,2 Prozent. Der Anteil des Ökostroms stieg wegen neuer Anlagen und guter Witterung von 25,9 auf 30 Prozent. Der Anteil von Kernenergie liegt bei 14,1 (2014: 15,5), der von Erdgas bei 8,8 (9,7) Prozent. Alexander Fröhlich

 

 

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