Übernachtungen von Urlaubern aus Corona-Risikogebieten sind ab sofort untersagt.  Foto: Ottmar Winter PNN
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Neue Corona-Reiseregeln Beherbergungsverbot für Urlauber aus Risikogebieten

Benjamin Lassiwe Sabine Beikler Georg Ismar

Bundesländer beschließen gemeinsame Reiseregeln bei Urlaubern aus kritischen Corona-Regionen. Brandenburg ist aber noch weit von kritischer 50er-Marke entfernt.

Potsdam/Berlin -  Für hunderttausende Bürger droht die innerdeutsche Urlaubsreise in den Herbstferien auszufallen. Nach einem Beschluss der Bundesländer soll für Reisende aus Gebieten, in denen die Corona-Infektionszahlen zu hoch sind, künftig innerhalb Deutschlands ein Beherbergungsverbot gelten. Das ging aus einer Schaltkonferenz der Chefs der Staats- und Senatskanzleien mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Mittwoch hervor.

Berlin steht stadtweit vor der kritischen 50er-Marke

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betonte, dass damit ab diesem Donnerstag auch Reisende aus Berliner Bezirken, in denen es mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gibt, nicht mehr in bayerischen Hotels und Gaststätten übernachten dürfen. Dies soll auch dann gelten, wenn das Land Berlin insgesamt unter der kritischen 50er-Marke bleibt. Nur wer einen aktuellen negativen Corona- Test vorlegt, kann in Hotels oder Gasthöfe einchecken. Damit dürfen aktuell Bürger aus den fünf Berliner Bezirken Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Tempelhof-Schöneberg, Mitte und jetzt auch Charlottenburg-Wilmersdorf nicht in Bayern oder anderswo übernachten; Bürger aus anderen Bezirken schon. Mit 378 Neuinfektionen wurde am Mittwoch in Berlin ein weiterer starker Anstieg gemeldet. Berlinweit stieg der Wert der Neuinfizierten in sieben Tagen je 100.000 Einwohner auf 47,7. 

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Auch Brandenburg richtet sich weiter nach der bundesweiten Regelung. Demnach dürfen Reisende nicht in Hotels oder Ferienwohnungen übernachten, wenn sie aus Gebieten mit mehr als 50 neuen Infektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche kommen. Dieser Beschluss vom Sommer gelte weiter, sagte Brandenburgs Regierungssprecher Florian Engels am Mittwoch. Für Berlin ist ein Verbot der Beherbergung ebenfalls ab dieser Schwelle gültig – aber Brandenburg betrachte die ganze Stadt, nicht einzelne Bezirke. 

Das Helios-Klinikum in Bad Saarow. Foto: Patrick Pleul/dpa Vergrößern
Das Helios-Klinikum in Bad Saarow. © Patrick Pleul/dpa


Die Mark sowie die märkischen Kommunen sind von der kritischen 50er-Marke zurzeit noch weit entfernt. Allerdings wurde die Schwellenmarke von zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den letzten sieben Tagen überschritten, sagte Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Brandenburger Landtags. Anfang September lag dieser Wert noch im Bereich von eins. Am Mittwoch seien 48 neue bestätigte Corona-Fälle hinzugekommen, so Nonnemacher. Das sei „schon eine Hausnummer“. Man sei noch weit von „Berliner Verhältnissen“ entfernt – aber: „Wir haben heute 36 stationär behandelte Covid-19-Patienten – in den letzten Wochen waren wir da noch einstellig unterwegs“, sagte die Ministerin. In den nächsten Wochen müsse man auch wieder mit Todesfällen durch Corona in Brandenburg rechnen, so Nonnemacher. „Das Durchschnittsalter der Patienten steigt.“ 

Corona-Infektionen bei Mitarbeitern mehrere Kliniken

Man erlebe wieder eine stärkere Belegung von Kliniken. "Die Cluster im Land zeigen, dass die vulnerable Gruppe der Älteren gefährdet ist", sagte Nonnemacher. "Wir hatten über Wochen keinen einzigen Patienten in einer Altenpflegeeinrichtung, aber es ist leider damit zu rechnen, dass sich das ändern wird." Sie hoffe, dass Fehler, die noch im März gemacht wurden - etwa die Abverlegung von Patienten aus einem Krankenhaus-Cluster in Pflegeheime - nun nicht mehr wiederholt werden. Neben dem Helios-Klinikum, wo bislang 40 Patienten und Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert sind, gibt es auch in weiteren Kliniken Ausbrüche der Erkrankung. Dazu zählen das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum, wo es einen Ausbruch in der Pflegeschule gab, sowie das Potsdamer Klinikum „Ernst von Bergmann „, wo sich bislang neun Personen infizierten. Der Abgeordnete Ronny Kretschmer (Linke) sprach im Gesundheitsausschuss zudem von einem Corona-Ausbruch in einem Krankenhaus in Guben. In Bad Saarow gibt es deswegen einen kompletten Aufnahmestopp, während in Cottbus lediglich planbare Operationen zurückgestellt und ein Besuchsverbot erlassen wurde. Am heutigen Donnerstag wird zudem ein Team des Robert-Koch-Instituts das Klinikum in Bad Saarow besuchen.

Mittelmärkisches Gesundheitsamt überlastet

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark musste am Mittwoch einräumen, dass das Gesundheitsamt des Kreises wegen der Corona-Pandemie stark überlastet ist. Das führe derzeit zu Problemen vor allem bei der Nachverfolgung der Kontaktpersonen von Corona-Infizierten, die entscheidend für die Unterbrechung von Infektionsketten ist. Im Landkreis Oberhavel wurde Landrat Ludger Weskamp (SPD) positiv auf das Coronavirus getestet. Weskamp habe sich in häusliche Quarantäne begeben, so die Verwaltung.

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Gesundheitsministerin Nonnemacher sagte, bestelle das Land Brandenburg in Vorbereitung der für das kommende Jahr geplanten Impfungen gegenwärtig diverses Impfzubehör, etwa die für Impfungen nötigen Kanülen. Impfstoffe selbst bestelle das Land derzeit noch nicht, weil unklar sei, welche Impfstoffe überhaupt zugelassen werden.„So weit sind wir einfach noch nicht", so die Ministerin. "Impfstoffe können wir noch nicht bestellen, weil sie noch nicht zugelassen sind." Nonnemacher kündigte im Ausschuss ferner an, die Teststrategien des Landes für Beschäftigte an Schulen und in Pflegeheimen evaluieren zu wollen. Dabei soll insbesondere geprüft werden, welche Synergien es zu Teststrategien des Bundes gibt. In einem Flächenland wie Brandenburg, wo es keine Universitätskliniken gibt, müssten für Teststratregien und Testzentren komplexe Verhandlungen etwa mit der Kassenärztlichen Vereinigung geführt werden. "Das ist alles andere als banal."

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