An weiterführenden Schulen startete am Montag in Brandenburg der Wechselunterricht. Foto: Matthias Balk/dpa
© Matthias Balk/dpa

Update Märkische Schulen wieder offen Testchaos zum Unterrichtsbeginn

Am Montag öffneten viele weiterführende Schulen für den Wechselunterricht. Schnelltests kamen oft nicht zum Einsatz. Der Ärger ist groß - nun will Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) reagieren.

Potsdam - Fehlende Vorbereitung, zu wenig Personal und viele offene Fragen: An den weiterführenden Schulen, die gestern wieder in den Wechselunterricht starteten, wurden am Montag vielerorts noch keine Schnelltests durchgeführt, die das brandenburgische Bildungsministerium zur Verfügung stellt - trotz steigender Corona-Zahlen.

Keine Einweisung, englische Gebrauchsanleitung

Exemplarisch war es in der Landeshauptstadt Potsdam: Im dortigen Einstein-Gymnasium waren die Tests am späten Vormittag eingetroffen, also ein paar Stunden nach Unterrichtsbeginn. „Wir müssen uns jetzt erst einmal anschauen, wie die Tests funktionieren“, sagte Schulleiterin Irene Krogmann-Weber. „Wir haben ja gar keine Einweisung oder Fortbildung dafür erhalten.“ Die beiliegende Gebrauchsanweisung sei nur auf Englisch.

[Was ist los in Potsdam und Brandenburg? Die Potsdamer Neuesten Nachrichten informieren Sie direkt aus der Landeshauptstadt. Mit dem neuen Newsletter Potsdam HEUTE sind Sie besonders nah dran. Hier geht's zur kostenlosen Bestellung.]  

Dazu kommt, dass einige Lehrer:innen nicht bereit sind, die Tests mit dem Nasenabstrich durchzuführen: „Unsere Lehrkräfte sind ja nicht geimpft und müssen sich einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen, wenn alle Schülerinnen und Schüler für den Abstrich die Maske abnehmen“, sagte Krogmann-Weber. Lieber wären ihr Spucktests gewesen, die die Schüler mit nach Hause nehmen könnten. Abgesehen davon sei der Start am Montag aber gut gelaufen: Die Jugendlichen hätten sich gefreut, wieder in die Schule gehen zu können und hätten sich strikt an die Hygiene-Regeln gehalten, so Krogmann-Weber.

Kein Personal zum Testen

Ähnlich war die Situation am Bertha-von-Suttner-Gymnasium Babelsberg: Hier sind die Tests zwar schon am Freitag angekommen, allerdings fehlt auch hier das Personal, das sich neben dem Unterricht mit der Zusammenstellung der aus mehreren Komponenten bestehenden Tests und deren Durchführung beschäftigen soll. „Vielleicht können wir am Dienstag mit dem Testen anfangen“, sagte Schulleiterin Astrid Thorak, die sich von den Behörden sichtlich alleingelassen fühlte. „Es gibt keine Unterstützung vom Schulamt, von der Stadt oder vom Ministerium“, so Thorak. Abgesehen davon könne man auch erst dann mit dem Testen anfangen, wenn man von den Eltern der Schüler:innen die nötigen Einverständniserklärungen eingeholt habe. 

Überforderung herrscht auch am Helmholtz-Gymnasium Potsdam: „Weder Lehrkräfte noch das Sekretariat sind für das Durchführen dieser Tests ausgebildet“, sagte Schulleiterin Grit Steinbuch. „Außerdem ist noch so vieles ungeklärt: Was genau passiert zum Beispiel, wenn eine Schülerin oder ein Schüler positiv getestet wird?“ Sie hoffe, dass vom Seiten des Schulamtes noch klärende Informationen zu diesen offenen Fragen kommen.

"Ein Riesenchaos", sagt eine Schülervertreterin

„Es gab an vielen Schulen ein Riesenchaos“, sagte Katharina Swinka, Vorsitzende des Landesschülerrats und Schülerin der Lenné-Gesamtschule. „An meiner Schule wurde am Montag nicht getestet, das soll im Laufe der Woche für die Klassen 10 und 13 starten.“ Gefreut habe sie sich neben dem Wiedersehen mit ihren Klassenkamerad:innen aber darüber, dass sich die Lehrer erst mal Zeit genommen hätten, nachzufragen, wie es ihnen in den letzten Wochen im Distanzunterricht ergangen sei. 

Hier und da gibt es vereinzelt Potsdamer Schulen, bei denen am Montag noch gar keine Tests angekommen waren, so zum Beispiel in der Grundschule am Priesterweg – kein Einzelfall, wie auch weitere Vertreter aus anderen Schulen in Potsdam und im Umland den PNN sagten. 

Die märkischen Grundschulen sind bereits seit drei Wochen im Wechselunterricht und sollten genau wie die weiterführenden Schulen ab dem 15. März mit Schnelltests versorgt werden. Insgesamt hatte das Land 28,6 Millionen Euro für die Anschaffung von Schnelltests in die Hand genommen, auf diese Weise sollen sich alle Schüler, Lehrer sowie weiteres Schulpersonal einmal pro Woche testen lassen können.

Kritik von vielen Seiten

Scharfe Kritik am Vorgehen des Landes äußerte der Brandenburgische Pädagogenverband (BPV): „Wir lehnen es ab, dass die Selbsttests in Verantwortung der Lehrkräfte durchgeführt werden sollen“, hieß es in einer Mitteilung. „Die Lehrkräfte werden unvorbereitet beauftragt, diese Tests während der Unterrichtszeit zu überwachen und anzuleiten. Schutzmaßnahmen spielen dabei keine Rolle.“ 

Der BPV kritisiert erneut, dass die Test nicht vor dem Schulstart angeschafft wurden und fordert eine Corona-Impfung für alle Lehrer:innen in Brandenburg. Auch auf die Verzögerung durch die Einholung der Einverständniserklärung der Eltern geht der Verband ein und macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: „Unklarheit herrscht außerdem darüber, wie mit Schülern verfahren werden soll, die keine Einwilligung vorlegen.“ Die getroffenen Maßnahmen erzeugen laut BPV bei alle Beteiligten Fragen und Unsicherheiten, vor allem die Grund- und Förderschulen würden vom Land vor unlösbare Aufgaben gestellt.

Viele offene Fragen

Noch deutlicher wurde der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Dario Schramm, der am Montag in einer Erklärung das Versagen von Politik und Behörden kritisierte: „Ich bin zutiefst enttäuscht und wütend, dass die Länder noch immer an den Schnelltests scheitern. Seit Wochen wird versprochen – gehalten wurde mal wieder wenig!“ 

Auf der einen Seite seien die Schulöffnungen zwar ein enorm wichtiges Signal für alle, „die durch die Pandemie ohnehin schon auf der Strecke geblieben sind“, so Schramm. Auf der anderen Seite hätten viele Schüler:innen Risikopatienten zu Hause und bräuchten einen negativen Corona-Test zu ihrer „emotionalen Absicherung“. 

Auch die Frage des Schülerverkehrs hätte vorab geklärt werden müssen: „Wir können besonders mit den aktuell steigenden Zahlen nicht die Busse und Bahnen wieder mit jungen Menschen vollstopfen, in den Schulen dann aber Abstand predigen“, so Schramm.

Ministerin verspricht Änderungen bei der Teststrategie

Im Gespräch mit der "Märkischen Oderzeitung" sagte Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) am Montag: „Mir war wichtig, dass die Tests schnell an die Schulen kommen. Das war auch der Wunsch der Lehrerinnen und Lehrer.“

Jene vom Bund für Schulen empfohlene Test der Firma Roche, die am schnellsten verfügbar waren, hätten sich aber im Praxiseinsatz für Kinder und Jugendliche als zu kompliziert erwiesen. Die erste Bestellung von 300.000 Selbsttests werde nun in Brandenburg in erster Linie für die Lehrkräfte genutzt. Schulen, die in dieser Woche bereits Tests mit Roche für Schüler geplant haben, könnten diese laut Ernst auch fortsetzen. Erste Lieferungen von anderen Anbietern würden noch in dieser Woche in Brandenburg eintreffen. 

Den Test „Beijing Hotgen Biotech“ erwarte man zuerst. „Diese Tests sind leichter handhabbar, und ihre Benutzung ist nicht an den Ort Schule gebunden“, sagte Ernst der MOZ. Auch deshalb werde nun zu Hause getestet. Kinder würden jeweils zum Wochenende einen Test für daheim bekommen, dessen Ergebnis sie zum Präsenzunterricht-Wochenstart in der Schule vorlegen. Alles bleibe freiwillig, betonte die Ministerin. Mit der Verlagerung der Tests von der Schule in die Elternhäuser reagiere man auch auf eine Bitte des Landeselternrats.

Zur Startseite