Absinkende Neubauten. In Teheran sackt der Boden deutlich ab. Foto: Horst Brix/dpa
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Wasserproblem im Iran Potsdamer Geoforscher dokumentieren Absacken von Teheran

Das Wasserproblem im Iran hat gravierende Folgen. Teheran, die iranische Hauptstadt, sinkt ab. Potsdamer Geoforscher dokumentierten dies erstmals umfassend.

Potsdam - Teile der iranischen Hauptstadt Teheran haben sich zwischen 2003 und 2017 mit bis zu über 25 Zentimetern pro Jahr um mehrere Meter abgesenkt. Zu diesem erstaunlichen Befund sind nun die Geoforscher Mahdi Motagh und Mahmud Haghshenas Haghighi vom Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam gekommen. Über ihre Ergebnisse berichten sie in einer Studie in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Remote Sensing of Environment“.

Die Wissenschaftler hatten die Absenkungen der Erdoberfläche in der Region Teheran mit Daten von vier verschiedenen Radarsatelliten-Systemen vermessen. Hintergrund der bedrohlichen Entwicklung ist nach Erkenntnis der Geoforscher die übermäßige Entnahme von Grundwasser in der Millionen-Metropole. Der Boden habe sich über den Grundwasserbecken abgesenkt, so das Ergebnis der Studie. Im Iran sind die Reserven in vielen Grundwasserbecken stark erschöpft. Das Land investiert seit vielen Jahren schon stark in die Entwicklung der Landwirtschaft und will in der Lebensmittelversorgung unabhängig werden – was allerdings den Wasserbedarf stark steigert. „Um den erhöhten Wasserbedarf zu decken, werden in erheblichem Maß und staatlich kaum reguliert Grundwasserbecken ausgebeutet“, heißt es von den Forschern.

Wüstenbildung und ernste Umweltproblemen

Zudem habe die iranische Regierung viele Staudämme gebaut, um Wasser vor allem für die Landwirtschaft zu speichern. Diese würden aber den natürlichen Zufluss in die Grundwasserbecken in den stromabwärts liegenden Gebieten einschränken und damit Wüstenbildung und ernsten Umweltproblemen Vorschub leisten. Hinzu kommt, dass in der Region um die Hauptstadt Teheran mit rund acht Millionen Bewohnern der Wasserbedarf durch den Zuzug vieler Einwohner in den letzten 40 Jahren stark zugenommen habe. Die Zahl der Brunnen sei dort von knapp 4000 im Jahr 1968 auf mehr als 32 000 Wasserentnahmestellen im Jahr 2012 gestiegen. Ausbleibender Regen in Dürreperioden, die es in den letzten Jahren immer häufiger gegeben habe, sei verschärfend hinzugekommen.

Spalten im Boden und Risse in Gebäuden

All diese Faktoren zusammen hätten zu einem starken Rückgang des Grundwasserspiegels geführt. In Teheran beispielsweise stellten die Forscher einen Rückgang um zwölf Meter zwischen 1984 und 2011 fest. Was wiederum ein Absenken des Bodens über den Grundwasserbecken verursacht habe. Mit teilweise gravierenden Folgen: Spalten im Grund und Risse in Gebäudewänden seien zu beobachten, so die Forscher. Auch würden die Grundwasserbecken in bestimmten Bereichen durch die Ausbeutung irreversibel geschädigt. „Sie können in Zukunft nicht mehr so viel Wasser speichern wie früher“, heißt es in der Studie.

Wasserbewirtschaftungspolitik überarbeiten

Die Untersuchung zeichnet laut GFZ erstmals detailliert und mit präzisen Messungen den zeitlichen Verlauf der Absenkungen in der Region über einen längeren Zeitraum nach. Die Wissenschaftler kombinierten dafür Datensätze von vier Satellitenmissionen, um die kurz- und langfristigen Reaktionen der Erdoberfläche auf Veränderungen beim Grundwasserniveau zu untersuchen. Sie raten nun, wissenschaftlich fundierte Pläne für die Wasserwirtschaft einzusetzen, um die Situation zu entschärfen. „Für eine nachhaltige Entwicklung können Wissenschaft und Forschung die iranischen Verwaltungen und Regierungen dabei unterstützen, ihre Wasserbewirtschaftungspolitik zu überarbeiten“, sagte Motagh.

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