Integrierende Persönlichkeit. Im Zentralinstitut für Astrophysik habe Hans Oleak so manche Aktivitäten von Kollegen gedeckt, erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter des Physikers. Foto: Sebastian Gabsch
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Potsdamer Wissenschaftler verstorben Der Wissenschaftskommunikator

Am 7. September ist der Potsdamer Astrophysiker Hans Oleak verstorben. Ein Leben voller Erkenntnis und Engagement.

Er war jemand, der komplizierte Vorgänge auf einfache Weise erklären konnte. Einer, der seine Begeisterung für die Astronomie gern mit anderen teilte. Und der es in seinen zahlreichen Vorträgen verstand, die komplexe Welt der Galaxien aus den Weiten des Universums direkt an den Horizont seiner Zuhörer zu projizieren. Bis ins hohe Alter hinein gab der Potsdamer Astrophysiker Hans Oleak in vielen Veranstaltungen, vor allem in der Urania, sein Wissen einem interessierten Publikum weiter. Am 7. September ist Professor Hans Oleak im Alter von 88 Jahren verstorben. Ein langes Wissenschaftlerleben hat sich damit vollendet.

Als Schüler bereits die Sterne im Blick

Schon früh beschäftigte sich Hans Oleak mit der Astronomie, als Schüler besaß er ein kleines Fernrohr des Kosmos-Verlages, mit dem er die Sterne in den Blick nahm. Oleak wurde am 2. August 1930 im oberschlesischen Bielitz (heute ein Stadtteil des polnischen Bielsko-Biala) geboren. Die Wirren des Krieges und der Vertreibung verschlugen die schlesische Familie von Oleak in das thüringische Meiningen, wo er ab 1945 die Schule besuchte und später sein Abitur ablegte. In die Tiefen des Universums tauchte Oleak endgültig ein, als er von 1950 bis 1956 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena Astrophysik studierte. Danach ging er nach Potsdam, forschte hier an der Babelsberger Sternwarte. Sein Arbeitsschwerpunkt war zunächst die Meteorphysik. Auf diesem Forschungsgebiet promovierte Oleak 1963 an seiner einstigen Alma Mater in Jena. Der Titel dieser Dissertation lautete: „Gasdynamische Vorgänge im Feuerkugelstadium der Meteore“.

Später, ab 1969, schaute Oleak in die ganz großen Tiefen des Universums. Dem extragalaktischen Raum – also jenen Weiten, die außerhalb unserer eigenen Galaxie, der Milchstraße, liegen – galt fortan sein berufliches Interesse. In den 1960er Jahren sei dies noch ziemliches Neuland für die Forscher gewesen, erinnert sich der Physiker Volker Müller, der von 1973 an bis zum Ende der DDR unter Oleak an der Sternwarte in Babelsberg arbeitete. „Er war ein ausgesprochen freundlicher und extrem bescheidener Mensch“, sagt Müller über seinen einstigen Chef. Oleak sei ein sehr verträglicher Vorgesetzter: „So richtig zusammenstauchen konnte er eigentlich niemanden. Da war er viel zu lieb.“

Oleak beschäftigte sich in seiner wissenschaftlichen Laufbahn unter anderem mit der Identifikation von Quasaren, also aktiven Kernen von Galaxien. Er untersuchte Galaxienhaufen und forschte zur Dunklen Materie.

Mitbegründer der Europäischen Astronomischen Gesellschaft

Mit einer Arbeit zur Kosmologie promovierte Oleak 1973 ein weiteres Mal. Wenige Jahre später jedoch misslang der erhoffte Wechsel an den Lehrstuhl für Astronomie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Der Job ging an einen anderen Bewerber. Doch 1981 wurde Oleak schließlich durch die Akademie der Wissenschaften zum Professor ernannt. Er forschte fortan weiter an der Babelsberger Sternwarte.

Über Jahrzehnte hinweg war Oleak Mitglied der National-Demokratischen Partei Deutschland, eine jener Blockparteien, die mit der SED in der sogenannten „Nationalen Front“ institutionell verbunden waren. In den 1980er Jahren wurde Oleak zum Vorsitzenden des Bezirksausschusses Potsdam der Nationalen Front der DDR gewählt. Im Zentralinstitut für Astrophysik, zu dem die Babelsberger Sternwarte gehörte, habe Oleak jedoch so manche Aktivitäten gedeckt, die in den Augen des Staates politisch bedenklich gewesen seien, erinnert sich Volker Müller. „Er war eine sehr integrierende Person“, sagt Müller über den verstorbenen Astrophysiker.

Im Jahre 1991 schied Oleak aus dem Institut aus und lehrte bis zum Eintritt in den Ruhestand 1995 an verschiedenen Universitäten der Region: der Humboldt- und der Technischen Universität in Berlin sowie an der Potsdamer Alma Mater. 1990 war Oleak Mitbegründer der Europäischen Astronomischen Gesellschaft. 

Den Potsdamer Urania-Verein aus der Taufe gehoben

Ein Jahr später hob er gleich noch eine weitere Institution mit aus der Taufe: Den Potsdamer Urania-Verein „Wilhelm Foerster“. Hier in der Wissenschaftsvermittlung für interessierte Laien konnte Oleak sein ganzes Unterhaltungstalent nutzen. „Ein fantastischer Wissenschaftskommunikator“ sei er gewesen, erinnert sich der heutige Potsdamer Urania-Vorsitzende Dieter Rauchfuß an diverse Vorträge des nun Verstorbenen. Oleak, der von 1993 bis 1996 auch Chefredakteur der Zeitschrift „Die Sterne“ war, prägte die Urania nicht nur mit seinen Vorträgen, sondern über 14 Jahre auch als deren Vorsitzender. 2011 zog er sich von diesem Amt zurück. Die Vorstandsarbeit war ihm auch danach noch wichtig. Bis vor einem Monat habe Oleak an den Sitzungen des Vorstandes teilgenommen, berichtet Rauchfuß. Im März dieses Jahres wurde Oleak von der Potsdamer Urania mit dem Wilhelm-Foerster-Preis geehrt.

Hans Oleak, der mittlerweile Urgroßvater war, hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Holger Catenhusen


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