Holz spielt bei der angepeilten Bauwende eine wichtige Rolle. Foto: Andreas Klaer
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Mehr Klimaschutz beim Bauen Initiative „Bauhaus der Erde“ kommt nach Potsdam

Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber will mit der Initiative von Potsdam aus die globale Bauwende forcieren. Vorbild ist die historische Bauhaus-Bewegung.

Potsdam - Weimar, Dessau – und nun Potsdam. Es ist die Initiative für ein neues „Bauhaus“: Brandenburgs Hauptstadt wird Sitz einer Denkfabrik mit dem „Klimapapst“ Hans-Joachim Schellnhuber, die in der Welt eine sozial-ökologische Bauwende vorantreiben will – nach Vorbild der historischen Bauhaus-Bewegung. Brandenburg und der Bund gehen dafür mit der von Schellnhuber geführten gemeinnützigen „Bauhaus der Erde GmbH“ eine Partnerschaft ein. 

Ziel sei eine „grüne Bauhaus-Bewegung des 21. Jahrhunderts“, für die es nun den Urknall gebe, sagte Schellnhuber, Co-Geschäftsführer und Gründer von Bauhaus der Erde, am Freitag auf der Pressekonferenz im Potsdamer Einstein-Forum. „Ohne radikale Bauwende auf Basis einer biobasierten Kreislaufwirtschaft wird das Pariser Klimaabkommen scheitern.“ Holz, so die vereinfachte Formel, soll das klimaschädliche Beton ablösen. 

Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Foto: dpa Vergrößern
Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). © dpa

„Wir reden viel von Flugscham, aber nie von Bauscham“ 

Denn allein die Betonproduktion verursacht elf Prozent der globalen Treibhausgase, der Bausektor 40 Prozent. Das sei ein Mehrfaches des Luftverkehrs, sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD). „Wir reden viel von Flugscham, aber nie von Bauscham.“ Schellnhuber wies darauf hin, dass mit einer globalen Bauwende, mit Holz, mit nachwachsenden Rohstoffen als Baumaterialien, Kohlendioxid sogar gespeichert würde. Es bestehe damit sogar die Chance, den Klimawandel nicht nur zu stoppen, sondern sogar wieder zurückzudrängen, sagte der Klimaexperte.  

Die Bauhaus-Initiative ist mehr als eine Vision, über das Ideenstadium hinaus. Für die Gründungsphase hat das Projekt, 2019 mit einer Caputher Erklärung renommierter Persönlichkeiten gestartet, bereits 2,5 Millionen Euro von der internationalen „Laudes Foundation“ aus der Schweiz erhalten. Die beteiligt sich laut Schellnhuber mit einer Million Euro jährlich. Brandenburg will ab 2022 jährlich 500.000 Euro beitragen. Der Bund hat eine jährliche Fünf-Millionen-Förderung in Aussicht gestellt. Von der EU, wo Schellnhuber Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim Klimaschutz berät, erhofft man sich weiteres Geld. Und, sagt Schellnhuber, auch die Wirtschaft soll mit ins Boot geholt werden.  

Potsdam laut Schüle der perfekte Standort

Zusammen mit dem Ko-Geschäftsführer Philipp Misselwitz, vormaliger Direktor des Architekturinstitutes der Technischen Universität Berlin, will Schellnhuber das Bauhaus der Erde rasch zu einem weltweiten Faktor entwickeln: „Wir haben genug Geld, um sichtbar zu werden.“ Man wolle mit 50 bis 70 Wissenschaftler:innen, Bauexperten und Kreativen starten, hole internationale Köpfe nach Potsdam. Er sei sicher, dass man „auf 200, 300, 400 Leute“ wachsen werde.  

„Potsdam ist mit seiner Klimaforschungs-Kompetenz dafür der perfekte Standort“, erklärte Ministerin Schüle. Man werde bei der Suche nach passfähigen Räumen unterstützen. Und nach ihren Worten ist gerade Schellnhuber, der schon ab 1992 das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung aufgebaut und zu Weltruhm geführt habe, dafür „der perfekte Gründer.“ Der Ansatz sei bestechend, wie damals das Bauhaus nun für die Bauwende verschiedene Perspektiven zusammenzubringen.  

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Ein neuer Stadtteil aus Holz?

Von Potsdam aus sollen, mit den drei Säulen Denkfabrik, Virtuelles Lab und einem Netzwerk, interdisziplinär und ganzheitlich Konzepte für die globale Bauwende erarbeitet werden. Ähnlich wie damals beim Bauhaus vor über einhundert Jahren, als es nach der weltweiten Disruption des Krieges auch um sozialen Wohnungsbau der Moderne für eine breite Bevölkerung ging, habe man auch die soziale, gesellschaftliche und kulturelle Dimension im Fokus, sagt Schellnhuber: „Es geht um ein Gesamtkunstwerk.“ Und um einen anderen Umgang mit Stadtraum. 

Als er das Klimainstitut in Potsdam aufbaute, sei man von der Stadt zum Bau vieler unnötiger Parkplätze verpflichtet worden, die seien leer, „die Fahrradstellplätze immer voll“. Schellnhuber, selbst Potsdamer, regte an, gleich hier mit der Bauwende anzufangen, da im Norden ja ein neuer Stadtteil entstehe: „Das neue Quartier draußen in Krampnitz könnte auch aus Holz gebaut werden.“ 

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