Wie man die Umweltkatastrophe durch die Plastikverschmutzung der Weltmeere in den Griff bekommen kann, überlegen mittlerweile auch künstlerische Forscher der Filmuniversität Babelsberg. Fotos: Christian Thompson/dpa
© Fotos: Christian Thompson/dpa

Kongresspreis Potsdam Wünschenswerte Zukunftsszenarien

Für den Potsdamer Kongresspreis 2019 wurden vor allem Formate nominiert, die sich mit Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit befassen. PNN verlosen Freikarten für die Preisverleihung.

Potsdam - Grün und gendergerecht: Fragen nach einer nachhaltigen Zukunft auf dem Planeten Erde und internationale Geschlechtergerechtigkeit stehen im Mittelpunkt der Tagungen, Konferenzen und Kongresse, die nun für den Kongresspreis Potsdam 2019 nominiert wurden. Nur zwei Kandidaten für den Preis fallen aus der Reihe: ein Kongress zum Einsatz von Spektroskopie in Kunst und Archäologie sowie die Potsdamer Konferenz „Fontanes Medien“.

Die Preise werden in den Kategorien „Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen“, „Einzelveranstaltungen“ und „Innovative und/oder außergewöhnliche Veranstaltungen“ für Kongresse und Tagungen vergeben, die im Jahr 2019 in Potsdam stattfanden. Sie sind jeweils mit 1000 Euro dotiert. Hinzu kommt der Sonderpreis für Nachhaltigkeit (500 Euro), vergeben von der Koordinierungsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam. Die feierliche Preisverleihung findet am 20. Februar im Kongresshotel Potsdam am Templiner See statt, erst dann werden auch die Preisträger aus dem Kreis der Nominierten wie auch der Sonderpreis bekannt gegeben. Insgesamt gab es diesmal elf Bewerber für den Wettbewerb.

Plastikmüll im Ozean 

In der Kategorie „Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen in Potsdam“ (vergeben von der Erfa-Gruppe der Potsdamer Premiumhotels) wurden eine Masterclass der Filmuni zum Thema Plastikmüll in den Ozeanen, die Summer School verschiedener Potsdamer Forschungseinrichtungen zur Nachhaltigkeit und eine Konferenz des Max-Planck-Instituts für Molekulare Pflanzenphysiologie über Nutzpflanzen der Zukunft nominiert. Mit 303 Teilnehmern und 568 Übernachtungen zählt die dreitägige Max-Planck-Veranstaltung zu Nutzpflanzen der Zukunft zu den größten Potsdamer Kongressen im vergangenen Jahr. 40 Prozent der Teilnehmer kamen aus aller Welt, bei dem Treffen standen die Erforschung der Pflanzenzüchtung für die Bioökonomie und innovative Ansätze dazu im Mittelpunkt. Die Konferenz genießt laut MPI einen hohen Stellenwert in der deutschen Forscher-Community der angewandten Pflanzenforschung. Besonderer Wert wurde auf die Förderung des Nachwuchses gelegt, ein spezieller Workshop dazu überzeugte die Jury. Hervorgehoben wurde auch die umfangreiche Begleitausstellung mit 170 Postern und drei Keynote-Präsentationen internationaler Wissenschaftler.

Des Weiteren wurde die Masterclass Artistic Research der Filmuniversität Babelsberg „Transdmediales Erzählen: Camilla Plastic Ocean Plan“ nominiert. Hier steht die Vermeidung der Plastikverschmutzung in den Meeren im Mittelpunkt. Dazu soll das künstlerische Medium Film genutzt werden, Storytelling soll zur Strategie werden. Vorangetrieben wird die Idee von der Szenografie-Professorin Angelica Böhm. Mit den Mitteln der künstlerischen Forschung will sie der Verdrängung dieser großen Umweltkatastrophe aus dem öffentlichen Bewusstsein entgegenwirken. Der Film soll genutzt werden, um „wünschenswerte Zukunftsszenarien“ zu schaffen, wie Böhme den PNN sagte. Die Jury bewertete das Projekt wie folgt: „Innovation und Originalität treffen aufeinander, wenn Filmforschende und Naturwissenschaftler gemeinsam über Fragen der Nachhaltigkeit nachdenken und Konzepte entwickeln.“ Damit würden sowohl künstlerische als auch innovative Impulse gesetzt. Die 19 Teilnehmer der Summer School kamen aus zehn Ländern, darunter auch Südafrika und Indien, 94 Prozent der Teilnehmer waren Frauen.

Die dritte Nominierung ging an die, vom Potsdamer Nachhaltigkeitsinstitut IASS federführend organisierte, „Potsdam Summer School“ zum Thema „Connecting Science and Society – Communicating Research on Sustainability and Global Change“. Die Veranstaltung ist ein, seit Jahren eingeführtes, Kongressformat in Potsdam, das weit über die Landeshauptstadt hinausstrahlt, so die Jury. 43 junge Nachwuchskräfte aus 26 Herkunftsländern diskutierten im August intensiv, wie Wissenschaft effektiver in die Gesellschaft hineingetragen werden kann. Die Jury befand, die Veranstaltung sei ein „Vorreiter“, indem sie beim Cluster Nachhaltigkeit Wissenschaft und Nachwuchs über Fächer- und Ländergrenzen hinweg zusammenbringe. Hervorgehoben wurde auch ein spontaner dreistündiger Gedankenaustausch mit einer Delegation der Fridays-for-Future-Bewegung. An dem jährlichen Treffen sind neben dem IASS auch Potsdamer Polar-, Geo- und Klimaforscher sowie die Uni Potsdam beteiligt.

Eiweißreiche Nahrung der Zukunft: geröstete Insekten. Foto: Andreas Klaer Vergrößern
Eiweißreiche Nahrung der Zukunft: geröstete Insekten. © Andreas Klaer

Fontane, Insekten und Archäologie

Auch beim Preis für „Einzel-Veranstaltungen“, vergeben vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg (Dehoga), wurden drei Konferenzen nominiert. Sie befassten sich mit den Themen Theodor Fontane, Insekten als Nahrungsquelle und dem Einsatz einer speziellen Spektroskopie in der Archäologie und Kunstforschung.

Zum Brandenburger Fontane-Jahr 2019 hatte der Kongress „Fontanes Medien“ der Uni Potsdam die Arbeitsweise und Bedeutung des Literaten in einem neuen Licht gezeigt – und aktuellste Forschungsergebnisse präsentiert. Mit 350 Teilnehmern war es auch einer der größeren Veranstaltungen. „Der Kongress überzeugte nicht nur durch das Programm und die professionelle Organisation“, so die Jury. Vielmehr würden Einsatzbereitschaft und Leidenschaft von Initiator Professor Peer Trilcke und seinem Team bis heute über das Fontane-Jahr hinaus ausstrahlen und weitere Impulse für neuartige Akzente in der Fontane-Forschung“, begründete die Jury die Nominierung.

Theodor Fontane als Medienpionier. Foto: Ottmar Winter Vergrößern
Theodor Fontane als Medienpionier. © Ottmar Winter

Insekten als Nahrungsquelle der Zukunft hatte die internationale Konferenz Insecta 2019 des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) mit Teilnehmern aus 38 Ländern von vier Kontinenten zum Thema. Die Frage wie Insekten einerseits zur Proteinquelle in der Nahrungskette werden können, andererseits als Futtermittel oder auch im Non-Food-Bereich zum Einsatz kommen, stand im Mittelpunkt. „Überzeugt hat die Jury, dass die Insecta als kleines nationales Symposium startete und sich innerhalb von fünf Jahren zu einer international renommierten, jährlich stattfindenden Konferenz mit mehr als 250 Teilnehmern entwickelt hat und weiteres Entwicklungspotenzial sowie eine hohe Dynamik sichtbar wird.

Der 10. Internationale Kongress zur „Raman Spectroscopy in Art and Archeology“ der Universität Potsdam wurde als dritter Kandidat in der Kategorie Einzelveranstaltung nominiert. Das Raman-Verfahren wird zur Untersuchung und Erhaltung von Kunstwerken in Archäologie, Denkmalpflege, Restaurierung und Museologie eingesetzt. Bei dieser Nominierung hob die Jury vor allem auch das umfangreiche Rahmenprogramm hervor, bei dem Potsdam als hoch attraktiver Wissenschaftsstandort vorgestellt worden sei. Und: „Wissenschaftlich gehört die Konferenz zu den international renommierten Veranstaltungen im Spannungsfeld zwischen Kunst und Archäologie.“

Von Afrika lernen

Für die Kategorie „Innovative und außergewöhnliche Veranstaltungen“ (vergeben von der Landeshauptstadt Potsdam) wurde neben der Summer School der Filmuni zum Thema Plastikmüll in den Ozeanen und der Einzelveranstaltung Insecta 2019, die Konferenz „Learning from Africa: Equal opportunities for women in academia“ von der Jury als Preiskandidat bestimmt. Ziel war die Kooperation zwischen dem Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Potsdam und dem Koordinationsbüro für Chancengleichheit. Sie vergleichen die Karrieren von Wissenschaftlerinnen in Ghana, Südafrika, Nigeria und Deutschland miteinander, um Stärken zu erkennen und Hürden zu identifizieren. Auf dem Treffen wurde herausgestellt, dass es strukturelle Defizite im Hochschulbereich in allen Ländern sind, die die Karriere von Wissenschaftlerinnen erschweren. Überzeugt hatte die Jury unter anderem der Ansatz, dass die Teilnehmer sich über die Grenzen der Kontinente hinweg darauf verständigt hatten, voneinander lernen zu können.

Hinzu kommt der Sonderpreis für Nachhaltigkeit, der an den Preisträger geht, der mit einer besonders nachhaltigen Organisation und Umsetzung überzeugen kann. Vergeben wird der Preis von der Koordinierungsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam, die das Preisgeld des Gewinners um 500 Euro aufstockt. Der Gewinner wird mit den anderen Preisträgern am 20. Februar bekannt gegeben.


Der Autor ist verantwortlicher Redakteur für Wissenschaft und Hochschule der PNN und Mitglied der Jury des Kongresspreises 2019



Der Potsdamer Kongresspreis wird seit 2010 jährlich von dem Verein proWissen und der ERFA-Gruppe der Potsdamer Premiumhotels verliehen. Mit dem Preis werden Organisatoren von in Potsdam stattfindenden Tagungen und Kongressen aus den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Kultur geehrt. Die Auszeichnung ist für jede Kategorie mit 1000 Euro dotiert. Vergeben wird der Preis in den Kategorien „Regelmäßig wiederkehrende Veranstaltungen“ (Preis der Erfa-Gruppe), Einzelveranstaltungen“ (Preis des Dehoga Brandenburg) und „Innovative und/oder außergewöhnliche Veranstaltungen“ (Preis der Landeshauptstadt Potsdam). Hinzu kommt ein Sonderpreis für Nachhaltigkeit. Das Preisgeld geht dabei an den Preisträger, der bei der Organisation und Umsetzung des Kongresses am stärksten auf Nachhaltigkeit gesetzt hat. Das Preisgeld wird von der Koordinierungsstelle Klimaschutz der Landeshauptstadt Potsdam um 500 Euro aufgestockt.

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