Wie im vergangenen Jahr stellt das GFZ bei der Nacht der Wissenschaften seine Drohne vor, die für Forschungszwecke genutzt wird. Foto (Archiv): Andreas Klaer
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Klimawandel auf dem Teller Was Potsdam zur Langen Nacht der Wissenschaft zu bieten hat

Zur Langen Nacht der Wissenschaften am 15. Juni präsentieren sich in Potsdam zahlreiche Forschungseinrichtungen. Auch für Kinder ist einiges dabei. Ein Überblick.

Potsdam - Einen Einblick in die verschiedenen Forschungsinstitute auf dem Potsdamer Telegrafenberg erhalten die Besucher der 19. Langen Nacht der Wissenschaften Berlin-Potsdam am 15. Juni. Von 17 bis 24 Uhr öffnen die Institute ihre Türen, um aktuelle Forschungsfelder in der Astrophysik, der Polar- und Meeresforschung sowie der Klimaforschung zu zeigen. 

Die Hälfte der Programmpunkte sei auch für Kinder geeignet, sagt Philipp Hummel, Sprecher des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ), bei einer Pressekonferenz am Donnerstag auf dem Telegrafenberg. „Wir freuen uns, wenn der Forschergeist schon früh geweckt wird“, so Hummel. Insgesamt 57 Programmpunkte soll es geben. Die PNN geben einen Überblick.

Die bislang größte Arktisexpedition

Mit Eisbrechern, Flugzeugen und Hubschraubern machen sich im Rahmen einer internationalen Expedition Forscher des Potsdamer Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) im September auf in die Arktis. Es handele sich dabei um die bislang größte Arktisexpedition, erklärt Expeditions-Leiter Markus Rex. „Die Arktis ist das Epizentrum der Klimaerwärmung“, so der Wissenschaftler. Heute finde man dort bereits „eine andere Welt“ vor. Wo es in den 1990er Jahren noch eine Landschaft aus Schnee und Eis gegeben habe, plätschere heute flüssiges Wasser, berichtet Rex. In der zentralen Arktis wollen die Wissenschaftler die Klimaprozesse beobachten, um die Folgen des Klimawandels besser verstehen und vorhersagen zu können. In der Arktis soll auf dem Eis ein großes Camp mit Polarstation aufgebaut werden. Bei der Langen Nacht der Wissenschaften wollen die AWI-Wissenschaftler die geplante Expedition vorstellen und einen Teil der Polarstation aufbauen. Außerdem werden Experimente zum Klimawandel in der Arktis durchgeführt. Auf dem Programm stehen auch Live-Messungen der Wechselwirkung zwischen Erdboden und Atmosphäre.

Essen als Kohlendioxiderzeuger

Wie jeder Einzelne mit seiner Nahrung einen Einfluss auf den Klimawandel hat, ist Thema beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Wir vergessen oft, dass die Landwirtschaft fast ein Viertel der globalen Treibhausgase ausmacht“, sagt PIK-Forscher Benjamin Bodirsky. Dafür verantwortlich sei vor allem die Tierhaltung. Außerdem litten weltweit 700 bis 800 Millionen Menschen unter Hunger, gleichzeitig seien über eine Milliarde Menschen übergewichtig. „Wir brauchen eine Umstellung der Ernährung“, resümiert der Wissenschaftler. Bei der Langen Nacht der Wissenschaften möchte er mit den Besuchern bei einem Workshop Brotaufstriche selbst herstellen und dabei mit ihnen über gesunde und nachhaltige Ernährung sowie die Herstellung von Nahrungsmitteln sprechen. Das PIK hat außerdem Vorträge zum Klimawandel, Kindervorlesungen und Experimente zur Meereszirkulation auf dem Programm.

Die Welt aus der Vogelperspektive

Das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) stellt bei der Wissenschaftsnacht wie bereits im vergangenen Jahr eine Drohne vor, die für die Klimaforschung genutzt wird. Seit dem vergangenen Jahr hätten die GFZ-Wissenschaftler die Sensorik der Drohne aufgebaut, so GFZ-Forscher Mathias Zöllner. Diese könne nun Treibhausgase und Wasserdampfkonzentration messen. „Es geht um Wechselwirkungen kurzzeitiger Umweltereignisse und langfristiger Umwelttrends“, erklärt Zöllner. Das GFZ erforscht außerdem Einsatzfelder der Drohne, zum Beispiel, um Daten über den Einfluss von Hitzewellen auf Pflanzen, Böden und den Wasserhaushalt zu sammeln. Bei der Wissenschaftsnacht können die Besucher erstmalig Computermodelle kennenlernen, die Prozesse simulieren, die für die Entwicklung der Erdoberfläche verantwortlich sind – zum Beispiel für die Entstehung von Gebirgen.

Einstein und das Sonnenlicht

Vor 100 Jahren wurde erstmals die Lichtablenkung durch die Gravitation der Sonne beobachtet und somit Albert Einsteins Relativitätstheorie bestätigt. Mit dem Beginn moderner Sonnenforschung entstand auf dem Potsdamer Telegrafenberg der Einsteinturm, der von 1919 bis 1924 als Sonnenobservatorium erbaut wurde. Zur Langen Nacht der Wissenschaften können die beiden Teleskope, der Einsteinturm sowie der Große Refraktor wieder besichtigt werden. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP) halten zudem Vorträge zur modernen Sonnenforschung.

Autos mit verschiedenen Antrieben

Über einen Bus-Shuttle, der ab 18 Uhr vom Telegrafenberg losfährt, können Besucher zum Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) am Campus Wannsee weiterfahren. Schwerpunkt des Instituts ist die Erforschung von nachhaltiger Energieversorgung. Besucher haben dort die Gelegenheit, noch einmal den Forschungsreaktor zu besichtigen, der bald abgeschaltet wird. Außerdem werden Autos mit verschiedenen Antrieben, darunter auch erneuerbare Energien, vorgestellt und auf Schnelligkeit getestet. Auf dem Programm stehen auch mehrere Führungen, eine Wissenschaftsshow sowie ein Schülerlabor.

Mehr Informationen zum Programm der diesjährigen Langen Nacht der Wissenschaften in Potsdam und Berlin gibt es im Internet unter www.langenachtderwissenschaften.de

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