An der Universität Potsdam sorgen die Pläne für den umfassenden Ausbau der Hochschule für Befürchtungen.  Foto: Thomas Hölzel/UP
© Thomas Hölzel/UP

Höhere Stundenzahl geplant Dozenten der Universität Potsdam in Sorge

Der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam befürchtet eine Erhöhung der Unterrichtsstunden für Dozenten. Und die könnte Folgen für die Qualität der Lehre haben.

Potsdam - An der Universität Potsdam gibt es Unruhe unter Dozenten und Studierenden. Hintergrund ist die Sorge davor, dass die Universitätsleitung das sogenannte Stundendeputat für Lehrende mit Dauerstellen (außer Professoren) von derzeit acht auf 18 Semesterwochenstunden (SWS) erhöhen könnte. Das Stundendeputat bezeichnet die Anzahl der von einer Lehrkraft zu gebenden Unterrichtsstunden. Befürchtet wird nun, dass Dozenten in Zukunft mehr Unterricht geben müssen, was die Vorbereitungszeit für die Seminare beeinträchtigen würde. 

Dozenten befürchten unzumutbare Erhöhung

Das sei nicht nur für die betroffenen Kollegen eine unzumutbare Belastung, sondern betreffe auch die Studierenden, heißt es in einer Protestnote auf der Homepage des Institut für Anglistik und Amerikanistik. „Die geplante Deputatserhöhung verstößt gegen die Mindeststandards für akademische Lehre an Universitäten und droht das Studium zu einem ‚Studium light’ zu degradieren“, ist dort zu lesen.

Seminare auf „angemessenem Niveau und aktuellem fachwissenschaftlichen Forschungsstand“ würden eine intensive Recherche in der Planung und eine ausführliche Vor- und Nachbereitung erfordern. Daher würden nahezu alle Bundesländer – einschließlich Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen – die Lehrverpflichtung für unbefristet eingestellte wissenschaftliche Mitarbeiter auf 8 bis 12 Semesterwochenstunden festlegen. „Mit einer Lehrverpflichtung von 18 SWS lassen sich lediglich grob schematische, didaktisch standardisierte und thematisch wie konzeptuell oberflächliche Kurse durchführen, die in möglichst rascher Abfolge wieder und wieder angeboten werden“, so die Kritik.

Philosophische Fakultät will sich Vorgaben widersetzen

Am 23. Januar hat der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät beschlossen, sich den Vorgaben der Universitätsleitung zu widersetzen und keine Stellen mit einer Lehrverpflichtung von 18 Semesterwochenstunden auszuschreiben. Darüber hinaus wehrt sich die Philosophische Fakultät in einem offenen Brief gegen die „drohende De-Akademisierung“ der Universität. Von der Unileitung war am Donnerstag zu erfahren, dass es zum gegenwärtigen Zeitpunkt „keine Erhöhung des Lehrdeputats von 8 auf 18 SWS“ gebe. „Grundsätzlich sollen im Rahmen des Lehramtsausbaus einige zusätzliche Stellen mit dem Aufgabenschwerpunkt in der Lehre eingerichtet werden“, erklärte Uni-Sprecherin Silke Engel den PNN. Diese Stellen seien naturgemäß mit einem höheren Lehrdeputat verbunden. „Für vorhandene akademische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch für neu einzustellende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Qualifikationsphase ändert sich jedoch nichts, sie haben viel geringere Lehrdeputate“, so Engel. Gleichwohl nehme die Universitätsleitung die Bedenken der Mitarbeitenden in der Anglistik ernst und werde sie im weiteren Prozess des Ausbaus der Universität berücksichtigen.

Massiver Ausbau in der Lehrerbildung

Die Uni habe die Proteste zur Kenntnis genommen, erklärte Sprecherin Engel gegenüber den PNN. Die Hochschule stehe aufgrund des „massiven Ausbaus“ in der Lehrerbildung zwar vor großen Herausforderungen. „Doch der Veränderungsprozess hate gerade erst begonnen.“ So würden Gespräche mit allen Fakultäten stattfinden, die vom Ausbau betroffen sind. „Das Präsidium hat das Anliegen der Philosophischen Fakultät aufgenommen und steht im engen Kontakt“, erklärte die Uni-Sprecherin.

Die Potsdamer Universität hatte im vergangenen Jahr die "größte Expansion ihrer Geschichte" angekündigt. Bis 2020 will die Hochschule im Bereich Finanzen und Professuren um etwa ein Drittel wachsen. Die Hochschule rechnet in den kommenden Jahren mit einem Zuwachs von weiteren 60 Professuren, bis zu 400 weiteren Mitarbeitern und rund 3000 neuen Studierenden. Aktuell hat die Universität rund 20 000 Studierende.

Zur Startseite