Der Sternenhimmel über Potsdam im Winter. Grafik: Urania-Planetarium Potsdam/ TSP Fabian Bartels
© Grafik: Urania-Planetarium Potsdam/ TSP Fabian Bartels

Der nächtliche Winterhimmel Nebel im All

Simon Plate

Orionnebel und ein Dreigestirn: Planetariumschef Simon Plate erklärt, was man in Winternächten sieht.

Potsdam - Der astronomische Winter ist da. Genauer gesagt beginnt er am 21. Dezember um 11.02 Uhr. Die Sonne erreicht zu diesem Zeitpunkt ihren tiefsten südlichen Stand und bewegt sich dann wieder nordwärts. Diese Richtungsumkehr wird auch als Wintersonnenwende bezeichnet. Es ist der kürzeste lichte Tag und die längste Nacht.

Meteorologisch betrachtet begann der Winter bereits am 1. Dezember. Diese Diskrepanz hat vor allem praktische Gründe: Da es so für Wetterkundler einfacher ist Monatsstatistiken zu erstellen, entschied man sich für den 1. Dezember als meteorologischen Winteranfang.

DIE GROSSE KONJUNKTION

Nach Sonnenuntergang ist am 21. Dezember ein besonderes Highlight zu sehen: Alle 20 Jahre wieder kommen sich die beiden Gasplaneten Jupiter und Saturn am irdischen Sternenhimmel besonders nah. Astronomen nennen diese Begegnung „Große Konjunktion“. Dieses Jahr ist es wieder soweit.

Doch die Nähe am irdischen Himmel ist nur scheinbar. Räumlich betrachtet sind die beiden Planeten weit voneinander entfernt. Etwa 600 Millionen Kilometer trennen Saturn vom Jupiter. Das ist die vierfache Distanz zwischen Erde und Sonne. Doch der schnellere Jupiter überholt derzeit auf der Innenbahn den Saturn. Am 21. Dezember stehen Erde, Jupiter und Saturn praktisch auf einer Linie. Während unser menschliches Auge die beiden Himmelskörper an diesem Tag kaum voneinander trennen kann, ist ein Blick durch das Fernglas oder Teleskop zu empfehlen. Direkt nebeneinander scheinen Jupiter und Saturn vor dem Hintergrund der Fixsterne im selben Blickfeld zu schweben.

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Für die Beobachtung ist eine freie Horizontsicht in Richtung Südwest von Nöten. Wer gegen 17 Uhr in der Abenddämmerung in diese Richtung blickt, kann beide Planeten zum hellen Punkt verschmolzen knapp über dem Horizont erspähen. Bereits kurz nach 18 Uhr geht das Planetenpaar wieder unter – das Zeitfenster ist also kurz. Doch auch in den Nächten davor ist die Beobachtung lohnend. Denn im selben Zeitfenster ist dann schön zu sehen, wie sich Jupiter und Saturn Abend für Abend etwas näherkommen. Am heutigen Donnerstag ergibt sich zusammen mit der zunehmenden Mondsichel ein schönes Dreigestirn.

Begegnung von Jupiter und Saturn passt zu Weihnachten

Die diesjährige Große Konjunktion passt wunderbar in die Weihnachtszeit. Laut biblischer Erzählung soll es ein heller Stern gewesen sein, der vor über 2000 Jahren die drei Weisen aus dem Morgenland nach Bethlehem führte. Ob dieser Schilderung eine astronomische Erklärung zugrunde liegen könnte, versuchen manche Sternkundler schon seit langem zu ergründen. Bereits der berühmte Astronom Johannes Kepler bemühte sich vor etwa 400 Jahren diesen himmlischen Wegweiser naturwissenschaftlich zu erklären. Warum? Außergewöhnliche Himmelsphänomene hatten für die Kulturen des Altertums eine große Bedeutung. 

Simon Plate. Foto: PNN / Ottmar Winter Vergrößern
Simon Plate. © PNN / Ottmar Winter

Die „Sternenkunde“ oder damals besser: „Sterndeutung“ nahm eine zentrale Rolle im Staat ein und war ein wesentlicher Faktor in der Erklärung der Welt. Keplers Theorie zum „Weihnachtsstern“ war eine besonders enge Zusammenkunft von Jupiter und Saturn. Beide Planeten befanden sich im Jahre 6 vor Christus in einer engen Konjunktion. Die drei Weisen aus dem Morgenland hätten demnach durchaus Sterndeuter sein können, die den „Stern von Bethlehem“ nicht als überaus hellen Stern sahen, sondern in die damalige enge Begegnung von Jupiter und Saturn eine besondere Symbolik hineindeuteten. Nach wie vor ein charmanter, wenn auch nicht allumfassender Erklärungsversuch.

DIE STERNBILDER DES WINTERS

Hinter den sich bewegenden Planeten – früher Wandelsterne genannt – hat der für uns statische Himmel seine ganz eigenen Wunder zu bieten. Der Glanzpunkt am winterlichen Fixsternhimmel über Potsdam ist das Sternbild Orion. Wer einmal seine drei hellen Gürtelsterne erkannt hat, findet Orion schnell wieder. Der antiken griechischen Mythologie zufolge war Orion ein Jäger aus der Gefolgschaft der Göttin Artemis. Viele weitere Sagengestalten der Antike haben sich am Sternenhimmel versteckt. Beim nächtlichen Blick nach oben offenbart sich uns eine Jahrtausende alte Welt der Sagen.

Mystisch. Der Orionnebel ist unter guten Bedingungen mit bloßem Auge sichtbar. Foto: NASA, ESA, and The Hubble Heritage Team Vergrößern
Mystisch. Der Orionnebel ist unter guten Bedingungen mit bloßem Auge sichtbar. © NASA, ESA, and The Hubble Heritage Team

An astronomischen Objekten ist Orion reich gefüllt. Bei wirklich dunklem Himmel lässt sich unterhalb seiner Gürtelsterne bereits mit bloßem Auge ein schwacher Nebelfleck erkennen. Der große Orionnebel ist eine Region der Sternentstehung. Etliche junge Sterne beleuchten diesen Gasnebel mit ihrer UV-Strahlung – und bringen dabei einen Teil des Nebels selbst zum Leuchten. Rechterhand vom Orion steht gen Westen der rote Stern Aldebaran im Stier. Einen sehr schönen Anblick bieten die Plejaden – das Siebengestirn – knapp hinter Aldebaran. Mit bloßem Auge sind sieben Sterne erkennbar, mit Fernrohr sind es bis zu 300. Die heißen, sehr jungen Sterne bewegen sich geschlossen im Raum und sind knapp 500 Lichtjahre entfernt.

Einen schönen Abschluss der winterlichen Beobachtungsrunde am Abendhimmel bietet ein heller und funkelnder Stern links unterhalb des Orion. Seine drei Gürtelsterne weisen uns den Weg zu ihm. Der Stern heißt Sirius und ist der hellste Fixstern am irdischen Nachthimmel. Gleichzeitig gehört er mit gerade einmal 8,6 Lichtjahren Entfernung zu den erdnächsten Sternen. Er ist damit ein Teil unserer galaktischen Nachbarschaft. Dennoch: Wir sehen den Stern wie er vor 8,6 Jahren aussah, denn so lang benötigt sein Licht bis zu uns auf der Erde. Dieser Blick in die Vergangenheit macht den Nachthimmel so faszinierend. Überlegen Sie doch einmal, womit Sie sich damals beschäftigt haben könnten, als das Licht von Sirius auf seine lange Reise ging … 

Der Autor ist seit 2016 der Leiter des Urania-Planetariums. Der gebürtige Bremer leitete schon als Student in Potsdam den Urania-Astroklub. Für die PNN schreibt er regelmäßig über den aktuellen Sternenhimmel.

Sterne im Netz

Wer mehr über astronomische Themen erfahren möchte, kann das umfangreiche Online-Angebot des URANIA-Planetariums nutzen. Auf der Internetseite www.urania-planetarium.de sind diverse Video-Podcasts und Experimente zu verschiedenen astronomischen Themen zu finden. Außerdem führt das Planetarium seine Bildungsarbeit für Schulen/Homeschooling auf Anfrage per Livestream durch.



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