Menschlich, aber doch oft ratlos: die neuen Schwarzwald-Kommissare Berg und Tobler. Foto: SWR /Alexander Kluge
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Tatort-Kritik Verlust

Oliver Dietrich

Premiere für den Schwarzwald-Tatort: In "Goldbach" stirbt ein Kind, ein zweites verschwindet. Ein erstaunlich ruhiger Auftakt für das neue Ermittlerteam.

Idyllisch ist es im Schwarzwald, friedlich, inmitten der winterlichen Ruhe - bis ein Schuss durch den Wald hallt. Kurz darauf wird die elfjährige Frieda gefunden, tödlich getroffen von einer Kugel. Mit ihren Klassenkameraden Paul (Aaron Kissiov) und Linus war sie im Wald, die beiden Jungs sind verschwunden. Die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) stehen also kurz darauf unbeholfen bei den Eltern in der kleinen Siedlung herum, die auch noch miteinander befreundet sind - noch: Denn während die Eltern von Frieda schon tragische Gewissheit haben, wissen die anderen nichts über den Verbleib ihrer Kinder. Doch dann taucht plötzlich Paul auf: Und behauptet, von nichts zu wissen. Doch niemand will ihm glauben, so sehr er es auch beteuert.

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Es ist ein erstaunlich ruhiger, fast besonnener Auftakt, den der neue Tatort aus dem Schwarzwald da liefert. Und er nimmt gleich zum Auftakt die Idylle ins Visier - und lenkt den Fokus bewusst auf Sinn und Unsinn von Waffen. Da ist der Vater von Linus (Shenja Lacher), ein Biathlonsportler, der die Kids auch mal mit auf den Schießstand nimmt. Oder der Dorfschützenverein, in dem eine Kalaschnikow gehortet wird, um mal in der Gegend herumzuballern. Und eine Kiste mit Kriegswaffen, mitten im Wald, die Seriennummern entfernt - die Tatwaffe, mit der Frieda erschossen wurde, scheint auch darunter zu sein. Der Hersteller dieser Waffen ist ein großer Steuerzahler in der Region; und niemand hat wirklich Lust, ihm auf den Schlips zu treten.

Wenig Trost für die Eltern des getöteten Kindes: "Da zieht man hierher, an den Arsch der Welt, denkt alles ist gut", resümiert der Vater (Godehard Giese). "Und dann liegt dein Kind tot im Wald." In kühlen Bildern erzählt der Tatort (Drehbuch: Bernd Lange) vom Zwiespalt zwischen Gewissheit und Ungewissheit, vom schmalen Grat zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Dass am Ende alles gut wird - von dieser Vorstellung löst sich die Erzählung schon früh. Und genauso früh wird es auch zur Gewissheit, was sich da im Wald abgespielt hat. Und dass die Geschichte vom schwarzen Mann beinahe ein hoffnungsvoller Ansatz ist.

Ein guter Auftakt immerhin, im dritten Tatort aus Baden-Württemberg nach Stuttgart und Ludwigshafen. Mit einem Ermittlerteam, das seine Stärke aus seiner Menschlichkeit zieht. Das tut dem Tatort (Regie: Robert Thalheim), dessen Ermittler-Einstände ja in letzter Zeit immer etwas überpräsent geraten sind, sehr gut. Und dürfte auch die Puristen versöhnen, die sich den klassischen Krimi ins Wohnzimmer zurückwünschen. Nun, da ist er: Willkommen zurück!

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