Rein oder raus? Ballauf und Schenk an der Haustür zur Hölle. Foto: WDR/Martin Menke
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Tatort-Kritik Leichen im Keller

Oliver Dietrich

Von wegen gute Nachbarschaft: Im Kölner Tatort "Nachbarn" (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) droht der Tod am Gartenzaun. Keine neue Idee, aber gut gemacht.

Irgendwas ist ja immer! Und wenn das mal angefangen hat, hört das nicht mehr auf. Davon kann Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) auch ein Lied singen: Der zofft sich mit seinem Nachbarn, weil dessen Papagei immer so laut ist. Reden nützt da schon lange nichts mehr: "Das klären wir vor Gericht!", wettert er gegen seinen Widersacher. Woanders in Köln ging das gerade schief: Denn bevor Werner Holtkamp erschlagen und vor einen LKW geworfen wurde, gab es auch die eine oder andere Verhandlung - über die Grundstücksgröße seines Nachbarn Leo Voigt (Werner Wölbern). Überhaupt schien Holtkamp nur Feinde in der Nachbarschaft gehabt zu haben: Frau weg, Kind weg, Job blöd. Da kann man schon mal aggressiv werden. Oder: "Irgendwie war der ja auch eine arme Sau", so der Tenor der Nachbarn. Dennoch: Irgendeiner muss ihn umgebracht haben. Und das müssen Schenk und Ballauf (Klaus J. Behrendt) herausbekommen. 

Worum geht's?

Es geht natürlich darum, herauszubekommen, wer die meisten Leichen im Keller hat. Ist ja auch eine merkwürdige Konstellation: Alle sind irgendwie miteinander verwandt oder verschwägert, einer deckt den anderen, und überall dräuen Geheimnisse. Etwa bei Voigt und seiner Stieftochter Sandra (Claudia Eisinger), deren Nachbar Jens Scholten (Florian Panzner) der Vater ihres Kindes ist, aber mit Frau und noch einem Kind nebenan wohnt - und von Voigt bezahlt wird. Und der einzige Kontakt zu Holtkamp war wohl mit der Nachbarin Anne Möbius (Birge Schade) - offenbar eine heimliche Affäre. Das muss erst mal alles ermittelt und ins Licht geholt werden. 

Worum es wirklich geht

Na um die Tiefen der zwischenenschlichen Beziehungen, das kennen wir ja schon vom Frankfurter Tatort "Wendehammer". Dessen Duktus bleibt Drehbuchautor Christoph Wortberg auch weitestgehend treu: Denn nirgendwo tun sich solche Abgründe auf wie in Vorstädten. Keine Neuerfindung aus Köln also, aber immerhin sehr souverän umgesetzt: Der Tatort (Regie: Torsten C. Fischer) ist stringent erzählt und gut besetzt, kein Vergleich zum gescheiterten Karnevalstatort, der ja erst wenige Wochen her ist. Köln ist produktiv. 

Sollte man den Tatort gucken?

Was für eine Frage, na klar! Allein schon der Soundtrack ist es wert: Pharell Williams "Happy" als zynische Begleitung des Scheiterns. Spannend ist der Film allemal: Da geht es gar nicht so sehr darum, wer es eigentlich war, sondern wie die Fäden letztlich zusammenlaufen. Da gibt es nichts zu meckern. Kein Highlight der Serie, aber äußerst souveräne Unterhaltung. Gucken Sie den am besten mit Ihren Nachbarn! 

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