Überregionales Nagelkreuz für Garnisonkirche

Wieder aufzubauende Kirche offiziell zum „Internationalen Versöhnungszentrum“ erklärt

Wieder aufzubauende Kirche offiziell zum „Internationalen Versöhnungszentrum“ erklärt Potsdam – Aus der Hand von Paul Oestreicher nahm Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schulz gestern das Nagelkreuz der Versöhnungskathedrale von Coventry entgegen. Damit ist die wieder aufzubauende Garnisonkirche offiziell zum Nagelkreuzzentrum, von denen es weltweit zweihundert gibt, erklärt worden. Die Zeremonie fand im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes am originalen Standort der Garnisonkirche statt. Aus diesem Anlass wurde der erhaltene Altar aus Eichenholz an etwa der Stelle aufgestellt, die er auch in der Garnisonkirche, die 1945 bombardiert und deren gut erhaltene Reste die DDR 1968 sprengte, inne hatte. An dem Gottesdienst im Freien nahmen etwa dreihundert Mitglieder Potsdamer Kirchengemeinden teil, darunter Ministerpräsident Matthias Platzeck. Von den Fraktionen in der Stadtverordentenversammlung waren Vertreter der SPD, der CDU und der Anderen anwesend. Die Vertreter der Anderen entfalteten vor Beginn des Gottesdienstes ein Transparent, auf dem sie gegen den „Mythos 20. Juli 1944“ protestierten. Die Nagelkreuz-Verleihung war Teil der Potsdamer Gedenkwoche „Aufstand des Gewissens“ zum 60. Jahrestag des Attentats auf Hitler. Paul Oestreicher, Alt-Canonicus der Versöhnungskathedrale von Coventry, sagte, dass ihm bewusst sei, dass das Unternehmen Garnisonkirche „nicht unumstritten“ sei. Auch beim Wiederaufbau der Kathedrale von Coventry habe es Gegner gegeben, weil keine neue Gemeindekirche gebraucht wurde. Entscheidend sei das Ja zur Vergebung gewesen, welches die Geburtsstunde der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft gewesen sei. „Was hier in Potsdam entstehen soll, ist eine Kirche, kein Museum der Vergangenheitspflege“, betonte Oesterreicher. Oestreicher schilderte, wie es zum Nagelkreuz kam: Der jüngste Pfarrer im Collegium der Kathedrale von Coventry sammelte nach dem Luftangriff aus den Ruinen dreihundert mittelalterliche handgeschmiedete Nägel aus der ausgebrannten hölzernen Decke, nahm sie nach Hause und fertigte daraus Kreuze – jeweils drei Nägel ein Kreuz. Das erste der etwa einhundert Kreuze sei in die russisch-orthodoxe Kirche am Rande der fast völlig vernichteten Stadt Stalingrad, heute Coventrys Partnerstadt Wolgograd, gegangen. Ministerpräsident Matthias Platzeck dankte Dr. Hans-Peter Rheinheimer, der sich an die Spitze der zu gründenden „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“ gestellt hat. Gemeinsam mit der Stadt Potsdam und der evangelischen Kirche hat diese das Ziel, den Grundstein für den Wiederaufbau am 60. Jahrestag der Zerstörung am 14. April 2005 zu legen und wenigstens den Turm originalgetreu wieder aufzubauen. Die Kosten hierfür belaufen sich nach ersten Schätzungen auf etwa 50 Millionen Euro. Diese Summe soll vor allem aus Spenden zusammenkommen .

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