Carmen-Maja Antoni liest nicht zum ersten Mal aus einem Fontane-Buch Robert Rauhs. Foto: Archiv Robert Rauh
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Der Revolver in der Reisedecke Schauspielerin Carmen-Maja Antoni liest aus Fontane-Buch

Susanne Vieth-Entus

Fontane? Kriegsgefangen? Carmen-Maja Antoni liest am Sonntag aus einem Buch, das die abenteuerlichste Episode des bunten Dichterlebens beleuchtet.

Was selbst viele Fontane-Fans nicht wissen: Der Schriftsteller und Journalist war als 50-Jähriger verwegen genug, um am 5.Oktober 1870 für einen Ausflug zu Jeanne d’Arcs Geburtsort Domrémy sein Leben zu riskieren.

Die Umstände dieses irrwitzigen Unterfangens während des Deutsch-Französischen Krieges und seine Gefangennahme im Geburtsort der französischen Nationalheiligen haben die Fontane-Experten Gabriele Radecke und Robert Rauh mittels akribischer Recherche in den Archiven und in Frankreich in ihrem soeben erschienen Buch „Fontanes Kriegsgefangenschaft. Wie der Dichter dem Tod entging“ zusammengetragen.

Vielleicht hätte es dem Reisenden aus Preußen noch irgendwie gelingen können, die auf in aufmerksam gewordenen Honoratioren des nordwest-französischen Dorfes milde zu stimmen und ihm seine rein literarisch-touristischen Ambitionen zu glauben.

Wäre da nicht der unglückselige Revolver gewesen, den der Mann des Wortes zum Selbstschutz dabei hatte: Als das hochmoderne Schießinstrument aus seiner Reisedecke fiel, war es mit der Gutgläubigkeit vorbei.

Stattdessen wurde Fontane wahlweise als Spion oder Offizier verdächtigt und hatte eine kleine Odyssee durch verschiedene Gefängnisse und Festungen anzutreten.

Wenige Meter vom Geburtshaus der Jeanne d'Arc ( 1412-31) in Domrémy wurde Fontane verhaftet. Foto: Archiv Robert Rauh Vergrößern
Wenige Meter vom Geburtshaus der Jeanne d'Arc ( 1412-31) in Domrémy wurde Fontane verhaftet. © Archiv Robert Rauh

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Zwischendurch bangte nicht nur seine Ehefrau im fernen Berlin - in der Herschelstraße 14, heute Stresemannstraße - um sein Leben, vielmehr war auch Otto von Bismarck, damals Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes, derart besorgt, dass er den Franzosen mit Geiselnahmen drohen ließ, sofern sie den honorigen preußischen Bürger nicht alsbald freilassen sollten.

Fontane trug bei seiner Verhaftung das berühmte "Modell 1858" eines Lefaucheux-Revolvers bei sich. Foto: Archiv Robert Rauh Vergrößern
Fontane trug bei seiner Verhaftung das berühmte "Modell 1858" eines Lefaucheux-Revolvers bei sich. © Archiv Robert Rauh

Der mutmaßliche (Mit-)Auslöser des Debakels, jener mitgeführte Lefaucheux-Revolver gilt als verschollen, aber einen seiner Brüder aus der damaligen Produktion gibt es noch und es könnte sein, dass er auftaucht, wenn die Berliner Schauspielerin Carmen-Maja Antoni am Sonntag in Neuruppin aus dem druckfrischen Buch vorliest.

Buchpremiere und Lesung am 18. Oktober um 17 Uhr in der Kulturkirche Neuruppin, Virchowstr. 41. Tickets (15 €) gibt es bis Sonnabend 13 Uhr in der Fontane Buchhandlung Neuruppin, Karl-Marx-Str. 83. Tageskasse (20 €). Infos: 03391/2297.

Gabriele Radecke/Robert Rauh: Fontanes Kriegsgefangenschaft. Wie der Dichter in Frankreich dem Tod entging. Bebra Verlag, 190 Seiten, 40 Abb., 22 €

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