Die Unglücksstelle des abgestürzten Germanwings A320 Flugzeug in Le Vernet. Foto: Daniel Naupold/dpa
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Co-Pilot von Flug 4U9525 Was weiß man bisher über Andreas L.?

Co-Pilot Andreas L. hat den Absturz des Germanwings-Airbus offenbar absichtlich herbeigeführt. Was weiß man über den jungen Mann bisher?

Was für ein Mensch war Andreas L.? Dies fragen sich viele, seit bekannt ist, dass der aus Montabaur stammende Co-Pilot den Germanwings-Airbus offensichtlich absichtlich den Tod von 149 andere Menschen herbeiführte.

Der Copilot hat nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erkrankung verheimlicht. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf fand in der Wohnung des 27-Jährigen eine zerrissene Krankschreibung für den Absturztag. Das teilte die Behörde am Freitag in einer Pressemitteilung mit. Weder sei ein Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben gefunden worden.

Co-Pilot hat seine Krankheit verheimlicht

Die Staatsanwaltschaft erklärte, in der Wohnung von Andreas Lubitz seien "Dokumente medizinischen Inhalts sichergestellt" worden, die auf eine bestehende Erkrankung und entsprechende ärztliche Behandlungen hinwiesen. "Der Umstand, dass dabei u.a. zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen gefunden wurden, stützt nach vorläufiger Bewertung die Annahme, dass der Verstorbene seine Erkrankung gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht hat", hieß es in der Presseerklärung weiter.

Die Ermittlungsbehörden hatten die Wohnungen des Copiloten in Düsseldorf und in Rheinland-Pfalz durchsucht. Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund des Geschehens seien nicht gefunden worden.

Auch das Elternhaus untersucht

Die Düsseldorfer Wohnung war am Donnerstag etwa vier Stunden lang durchsucht worden. Danach verließen Beamte mit Umzugkartons das Haus am Düsseldorfer Stadtrand. Grundlage der Durchsuchung war ein Ersuchen der französischen Justiz. Auch im Elternhaus des Piloten im rheinland-pfälzischen Montabaur im Westerwald wurden Polizisten vorstellig.

Hinweise auf die bevorstehende Wahnsinnstat scheinen weder sein Arbeitgeber Germanwings noch sein Fliegerverein LSC Westerwald bei dem 1987 geborenen Piloten wahrgenommen zu haben.

Einschätzung: Sehr kompetent, mitten im Leben

Klaus Radke, Vorsitzender des Fliegervereins LSC Westerwald, beschreibt L. als "ganz normalen jungen Menschen", als "mitten im Leben stehend". L. sei weder auffällig in die eine, noch in die andere Richtung gewesen. "Sehr kompetent auch, so habe ich ihn kennengelernt." Am Tag nach dem Absturz hatte der Verein eine Traueranzeige für L. veröffentlicht und dort das Entsetzen über dessen Tod bekannt gegeben. Darin schwang auch Bewunderung für den Weg des jungen Mannes vom Segelflugschüler zum Airbus-Piloten mit: "Er wollte seinen Traum, das Fliegen, verwirklicht sehen. Er begann als Segelflugschüler und schaffte es bis zum Piloten auf einem Airbus A320", heißt es in der Anzeige.

Bis zuletzt hielt L. Kontakt zu seinem Heimatverein. So machte er im vergangenen Jahr seine sogenannten Schein-Erhaltungsflüge, um weiter seinen Segelflugschein behalten zu würden. Etwa 20 Starts habe er dafür in Montabaur gemacht, sagte Radke, der L. nach eigenen Worten als Teenager kennenlernte. Und der außer in Montabaur auch in Düsseldorf lebende Pilot flog nicht nur für den Verein, er trat auch mehrfach bei Langstreckenläufen für ihn an.

Keine Anfälligkeiten bei Andreas L.

Der Traum vom Fliegen führte L. wie viele andere der in Montabaur aktiven Segelpiloten zur Lufthansa. Laut deren Chef Carsten Spohr begann L. 2008 mit Anfang 20 bei dem Konzern die Pilotenausbildung. Die habe er an der Flugschule Bremen und in Phoenix in US-Bundesstaat Arizona absolviert. Allerdings verlief der Weg von L. nicht geradeaus, wie Spohr schilderte. Vor sechs Jahren habe der junge Mann seine Ausbildung für mehrere Monate unterbrochen.

Zu den Gründen dazu machte Spohr keine Angaben. Aber: "Nachdem die Eignung dann nochmals festgestellt wurde, hat er die Ausbildung wieder aufgenommen." Bevor L. dann als Pilot ins Cockpit wechseln konnte, musste er zunächst als Flugbegleiter die Passagiere versorgen. Elf Monate dauerte diese Wartezeit, die Spohr jedoch als "nicht unüblich" bezeichnete. 2013 sei L. dann aber Co-Pilot geworden und habe bei der Konzerntochter Germanwings seitdem über 600 Flugstunden Erfahrung gesammelt.

Der Lufthansa-Chef betonte mehrmals, dass es keine Auffälligkeiten bei L. gegeben habe. Er habe alle medizinischen Checks und die hohen Standards des Konzerns bei der Einstellung von Piloten erfüllt. "Er war 100 Prozent flugtauglich ohne Einschränkung." Und seine fliegerischen Leistungen seien "einwandfrei" gewesen. Allerdings musste Spohr auch einräumen, dass der psychische Zustand der Piloten nicht gesondert getestet werde.

"Man hat nicht das Gefühl, dass er Panik hatte"

Beim Arbeitgeber scheint bis zuletzt niemand etwas von den Plänen L.'s mitbekommen zu haben. Vollkommen normal unterhielten sich nach Auswertung des Stimmenrekorders Pilot und Co-Pilot, sogar "heiter" soll die Atmosphäre im Cockpit gewesen sein. Doch nachdem der Pilot das Cockpit offensichtlich zum Toilettengang verlassen hatte, scheint Andreas L. mit maximaler Entschlossenheit vorgegangen zu sein.

Er hinderte den Piloten an der Rückkehr ins Cockpit und reagierte nicht auf Kontaktversuche der Flugüberwachung. In völliger Ruhe scheint er dies gemacht zu haben, sagte der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin, nachdem er sich auf dem Stimmrekorder die Atmung von L. angehört hat. "Man hat nicht das Gefühl, dass er Panik hatte." (dpa/AFP)


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Der Beitrag wurde mit einerr ausführlicheren Meldung am 27. März um 13.15 Uhr aktualisiert.

Update:

12.23 Uhr: Vizechef des Fliegerärzteverbands gegen psychologische Piloten-Tests
Überlegungen zu regelmäßige psychologische Zusatztests bei Piloten sind bei dem Vizepräsident des Deutschen Fliegerarzt-Verbandes, Uwe Beiderwellen, auf Skepsis gestoßen.

  

Das aus einem Einzelfall wie dem tragischen Unglück des Germanwings-Airbusses abzuleiten sei zum einen "überzogen", zum anderen gebe es auch gar keine Verfahren, mögliche psychische Ausnahmesituationen vorherzusagen, sagte Beiderwellen am Freitag dem Sender SWR. Ein Pilot, der rundum gesund zum Check-up erscheine, könne vier Wochen später von der Ehefrau verlassen werden oder seine Eltern verlieren und daraufhin zu Kurzschlusshandlungen neigen, ohne dass das bei den Tests vier Wochen vorher eine Rolle habe spielen können, betonte Beiderwellen. Die Luftfahrtunternehmen sollten aber grundsätzlich dazu beitragen, "vermeidbaren Stress" für ihre Piloten
abzubauen, etwa durch eine Verkürzung der generellen Flugdienst- und Bereitschaftszeiten. (Tsp)

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