Die Volleyballerinnen des SC Potsdam holten in der Bundesliga-Hinrunde 24 von 30 möglichen Punkten – Bestwert für den SCP. Foto: Julius Frick
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Zwei Siegesfeiern an einem Abend Starker Jahres- und Hinrundenabschluss des SC Potsdam

Gerhard Pohl

Mit einem 3:0-Heimerfolg gegen den USC Münster beendete der SC Potsdam seine bisher beste Hinrunde in der Frauenvolleyball-Bundesliga – und nimmt so bei der zweiten Saisonhälfte eine neue Rolle ein. Im Rahmen der Partie erhielt das SCP-Team auch noch eine große Auszeichnung.

Der erste Aufschlag war noch nicht einmal erfolgt, da wurden die Volleyballerinnen des SC Potsdam bereits als Siegerinnen gefeiert. Vor dem Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen den USC Münster bekamen sie von Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) den Pokal für die Auszeichnung als Brandenburger Team des Jahres 2019 überreicht. Bei der märkischen Sportgala in der Vorwoche hatte die Mannschaft wegen ihres Auswärtsspiels in Schwerin gefehlt.

SCP-Kapitänin Antonia Stautz nahm stellvertretend den Pokal für die Auszeichnung als Brandenburgs beste Mannschaft 2019 entgegen. Foto: Julius Frick Vergrößern
SCP-Kapitänin Antonia Stautz nahm stellvertretend den Pokal für die Auszeichnung als Brandenburgs beste Mannschaft 2019 entgegen. © Julius Frick

Etwas mehr als 70 Minuten nach der Ehrung stieg gleich die nächste Siegesfeier. Vor 1438 Zuschauern in der gut gefüllten MBS-Arena hatten die Potsdamerinnen im Schnelldurchlauf deutlich mit 3:0 (25:15, 25:20, 25:16) gegen Münster gewonnen. Es war der perfekte Abschluss der bisher besten Erstliga-Hinrunde der SCP-Vereinsgeschichte. „Hut ab vor der Leistung heute nach diesem schweren Spiel in Kazan“, verwies SCP-Sportdirektor Toni Rieger auf die Spiel- und Reisestrapazen unter der Woche. Am Mittwoch hatte das Team trotz guter Leistung das Europapokal-Aus beim russischen Top-Club Dinamo Kazan hinnehmen müssen und war nach mehreren Tausend Flugkilometern erst am Donnerstagabend zurückgekehrt. 

Mannschaft freut sich auf kurze Erholungsphase

Assistenztrainer Riccardo Boieri, der den gesperrten Chefcoach Guillermo Hernandez vertrat, schonte am Samstag aber keine Kräfte. Er schickte zunächst die Stammformation auf das Feld: Valerie Nichol, Brittany Abercrombie, Sofija Medic, Antonia Stautz, Lisa Gründing, die später zur Spielerin der Partie gekürte Ana Escamilla und Libera Aleksandra Jegdic. Die Gastgeberinnen hatten das Geschehen dann auch fest in der Hand, agierten souverän und entschlossen. „Wir wollten sofort mit viel Druck auftreten – das ist uns gelungen“, sagte Potsdams Kapitänin Antonia Stautz.

Lediglich im zweiten Satz hatte der SCP einige Probleme, lag sogar 9:13 zurück. Doch zunächst kämpften sich die „Rothemden“ zum 17:17-Ausgleich heran und anschließend zu einem Fünf-Punkte-Vorsprung davon. Es ist diese Saison eine große Qualität der Truppe, bei Negativsituationen nicht in Hektik zu verfallen, sondern mit Selbstbewusstsein auf die eigene Spielidee zu vertrauen und damit die Kurve zu kriegen. Der dritte Satz war dann wie Durchgang eins eine ganz klare Angelegenheit. „Am Ende waren wir froh, dass es relativ schnell ging“, sagte Stautz mit Blick auf die dann doch nach der ersten Saison-Halbserie aufgebrauchten Energiereserven. Und sie ergänzte zugleich: „Uns allen wird die kurze Pause bis Anfang Januar ganz guttun.“

Der Rückrundenstart in eigener Halle am 15. Januar ist gleich wieder ein Kracher: Der SC Potsdam empfängt den fünffachen Deutschen Meister Dresdner SC, der im Hinspiel 3:1 bezwungen worden war. Für den SCP bietet sich dann die Chance, Tabellenplatz drei weiter zu festigen. Hinter Spitzenreiter Schweriner SC (26) und Titelverteidiger MTV Stuttgart (25) kann das Hernandez-Team auf 24 Zähler verweisen – Potsdams beste Bilanz zu diesem Zeitpunkt in elf Jahren Erstligazugehörigkeit. Auf den Rängen vier, fünf und sechs folgen derzeit die Ladies in Black Aachen (19), Dresden (18) und die Roten Raben Vilsbiburg (16). 

Potsdamer Team soll "jetzt nicht nachlassen"

2019 sei ein Jahr, auf das die SCP-Verantwortlichen stolz zurückblicken können, sagte Rieger. Im April gelang die erstmalige Qualifikation für das Playoff-Halbfinale der Deutschen Meisterschaft, was die Bronzemedaille einbrachte. Und in der seit Oktober laufenden neuen Saison präsentiert sich die personell umfangreich veränderte Mannschaft noch mal stärker als zuvor. Das Team habe inklusive der beiden sehr achtbaren Auftritte gegen Kazan bei der europäischen Premiere im CEV-Cup (2:3, 1:3) eine tolle Hinrunde gespielt, so der Sportdirektor. „Aber mit einem kleinen Wermutstropfen.“ Das Aus im Viertelfinale des Deutschen Pokals gegen Schwerin (1:3) sei bitter gewesen.

Bei diesem Spiel und der 2:3-Liganiederlage in Schwerin, aber auch den Europapokalduellen wurde jedoch ein Manko sichtbar. Gegen solche Top-Teams fehlte dem SCP oft die Cleverness, um gute Zwischenstände in Siege zu veredeln. Die Mannschaft hat aber jedenfalls das Potenzial angedeutet, die Führenden in der Tabelle noch mehr zu ärgern. Rieger fordert daher, „jetzt nicht nachzulassen“. Vielmehr müsse weiter ganz hart gearbeitet werden, „denn wir gehören jetzt selbst zu den Gejagten in der Liga.“ 

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