Versenkt und verwaltet. Mit einem starken Start in die zweite Hälfte stellten die VfL-Handballer um Phil-Lukas Winter (r.) gegen den DHK Flensborg die Weichen auf Sieg.  Foto: Julius Frick
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VfL Potsdam gegen DHK Flensborg Zwischenspurt mit Qualität

Zweites Saisonspiel, zweiter Sieg: Die Drittliga-Handballer des VfL Potsdam gewannen daheim gegen den DHK Flensborg. Dabei bewiesen sie als Team Homogenität - das soll in dieser Spielzeit ein Schlüssel zum Erfolg werden.

Nach knapp 28 Minuten legte der Hallen-DJ „Oh wie ist das schön“ auf. Nicht, dass der VfL Potsdam zu diesem Zeitpunkt seinem Heimpublikum in der MBS-Arena einen wunderschönen Handball-Nachmittag bereitet hätte oder gar deutlich in Führung lag. Im Gegenteil: Bis zu diesem Moment hatte es gedauert, um gegen den DHK Flensborg endlich die Führung zu übernehmen, um zwei Minuten später mit einem 14:12 in die Halbzeitpause zu gehen. Nach dieser lieferte der VfL jedoch die spielerische Interpretation zur Hallenmusik, zog binnen sechseinhalb Minuten auf 21:14 davon und legte mit diesem Zwischenspurt den Grundstein für den 31:29-Erfolg und damit den zweiten Sieg im zweiten Spiel der neuen Drittliga-Saison.

Beide Mannschaften hatten ihre Auftaktpartien gewonnen und zunächst entwickelte sich vor 590 Zuschauern auch eine ausgeglichene Partie, in der die Gäste den VfL fast die ganze erste Halbzeit immer um ein, zwei Tore hinterherlaufen ließen. Etliche überhastete Angriffe, mit Tim Wendt ein starker Gästekeeper und zunächst einige Probleme in der Abwehr waren die Gründe für den anhaltenden Potsdamer Rückstand. Flensborg verstand es gut, das Tempo aus dem Spiel zu nehmen, „unsere Abwehr schläfrig zu spielen und dann mit einer guten Aktion zu treffen“, analysierte VfL-Trainer Daniel Deutsch später. Als er Fabian Pellegrini für Angelo Grunz auf der Torhüterposition wechselte, sollte dies zu einem Schlüssel zum Erfolg werden: Der Schweizer im VfL-Kasten avancierte zum starken Rückhalt und parierte ein Dutzend Würfe der Flensborger. 

Erfolgsfaktor.  VfL-Torwart Fabian Pellegrini parierte ein Dutzend Würfe.  Foto: Julius Frick Vergrößern
Erfolgsfaktor.  VfL-Torwart Fabian Pellegrini parierte ein Dutzend Würfe.  © Julius Frick

Zudem ebnete die Leistungssteigerung in der Abwehr den Weg zum zweiten Saisonsieg. Vor allem Christian Schwarz erwies sich mehrere Male als Granitblock für die Gäste aus dem hohen Norden. Und zweimal passte Yannik Münchberger sehr gut auf und trug mit zwei schnellen Treffern zur zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Führung bei. Dass es am Ende kein klarer Erfolg, sondern ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung wurde, ließ Trainer Deutsch hadern. Denn während die Flensborger trotz klaren Rückstandes nie aufgaben und bis zum Schluss gut gespielt haben, „haben wir das nicht gemacht“, ärgerte sich Deutsch. Diese Verwaltungsmentalität werde er in der Spielanalyse kritisch ansprechen. Wir dachten, wir können den Vorsprung verwalten und dann ergeben sich auf einmal keine Chancen mehr, die Konzentration lässt nach und technische Fehler stellen sich ein.“ 

Mannschafliche Klasse "kultivieren"

Doch ist diese Fehleranalyse von ganz anderer Qualität als vor einem Jahr, als der VfL schwer in die Saison fand und bis zum achten Spieltag auf den ersten Sieg warten musste. „Ja“, freute sich Deutsch, „wir sind wesentlich konstanter geworden, sind in der ersten Halbzeit, als es nicht so lief, ruhig und mental stark geblieben“, reflektierte er. Und anders als beim DHK Flensborg, wo das fast gesamte Spiel auf den Schultern des – gestern starken – Sjören Tölle (elf Tore) liegt, entwickelt der VfL mehr und mehr eine starke Homogenität: Christian Schwarz, Yannik Münchberger, Matti Spengler, Vicente Poveda, Marek Kovacech oder Caspar Jacques, der sich als spielender Assistenztrainer gestern fünffach in die Torschützenliste eintrug, demonstrierten am gestrigen Nachmittag mannschaftliche Klasse. „Genau das wollen wir kultivieren“, sagte Deutsch.  Zwar werde die breite Güte des Kaders dazu führen, dass es für jeden Einzelnen weniger Einsatzzeiten geben wird und es zunächst vielleicht schwierig werden könnte, einen durchgängigen Rhythmus zu finden. Aber über den Verlauf der Saison soll genau diese Flexibilität, alle Positionen stark besetzen zu können, zum Erfolg führen. 

Die Ansätze waren gegen Flensborg bereits zu sehen, gleichwohl es vermessen wäre, „Oh wie ist das schön“ als Dauerschleife einzulegen. Bereits das nächste Heimspiel am 16. September wird eine Art Wahrsager: Dann kommt der TSV Altenholz in die MBS-Arena, der amtierende Vizemeister der 3. Liga Nord.  

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