VfL Potsdam Die Philosophie vom eigenen Potenzial

Beim Handballverein VfL Potsdam wird konsequent auf die Nachwuchsarbeit gesetzt. Für seine vorbildliche Talentförderung, die unter anderem in sieben Potsdamer Grundschulen stattfindet, wurde der Club nun erstmalig mit dem "Grünen Band" ausgezeichnet.

Der Rahmen hätte besser nicht passen können. Eingebettet in eine Trainingseinheit seines Handball-Kindercamps wurde der VfL Potsdam am gestrigen Dienstag mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet – einem Preis, der vom Deutschen Olympischen Sportbund und der Commerzbank als Anerkennung für vorbildliche Talentförderung an Vereine verliehen wird. In der nunmehr 30-jährigen Geschichte ist es das erste Mal, dass der VfL zu den Prämierten gehört. Unter den 50 dieses Jahr geehrten Clubs befinden sich außerdem der UJKC Potsdam und die Bob-Abteilung des SC Potsdam.

Nachdem die rund 50 Kinder des Feriencamps gestern ihr Vormittagstraining beendet hatten, stand Norbert Ahrend, Vorsitzender des über 300 Mitglieder starken VfL, in der Ballspielhalle am Luftschiffhafen und sagte: „Die Nachwuchsförderung steht bei uns an erster Stelle. Und dieser Preis ist eine Bestätigung für unsere bisherige Arbeit.“ Potsdam, das seit Ende 2014 gemeinsam mit Berlin einen offiziellen Stützpunkt des Deutschen Handballbundes bildet, genießt seit vielen Jahren einen guten Ruf im Jugendbereich. Beim VfL wurden mehrere Top-Akteure geformt, die auf große Erfolge verweisen können – wie etwa Fabian Wiede, der nach seiner Zeit in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu den Füchsen Berlin wechselte und inzwischen Europameister sowie Olympia-Dritter ist. Aber auch aktuelle VfL-er können als Beleg für die hervorragende Nachwuchsentwicklung betrachtet werden. So zum Beispiel der U20-Vize-Europameister Paul Twarz und Yannik Münchberger. Beide haben es in die Junioren-Nationalauswahl geschafft und sind fester Bestandteil der Potsdamer Drittliga-Männermannschaft.

Der Ertrag des Handball-Grundschulprojekts ist vielfältig

Der 2009 aus Rangsdorf zum VfL gekommene Münchberger ist seit wenigen Wochen sogar selbst in die Talentförderung des Vereins involviert. Er führt bei den Adlern seinen Freiwilligendienst durch und übernimmt dabei unter anderem das Training in Grundschul-AGs. „Für den Club sind diese Gruppen sehr, sehr wichtig“, sagte der 19-Jährige. Ahrend pflichtete ihm bei: „Der Handball ist medial nicht so präsent wie Fußball, deshalb müssen wir aktiv sein, um die Leute zu erreichen und für unseren Sport zu begeistern. Der optimale Weg führt über die Schulen.“ Von anfänglich zwei kooperierenden Einrichtungen hat der VfL sein Engagement auf aktuell sieben Grundschulen ausgebaut. Das „Grüne-Band“-Preisgeld in Höhe von 5000 Euro sei laut Ahrend eine gute Hilfe, um den Plan – bis 2020 an mindestens zehn Schulen präsent zu sein – realisieren zu können.

Der Ertrag dieser AG-Initiative sei vielfältig, erklärte der Vereinsvorsitzende. „Das ist quasi ein ganzes Netz, das sich spinnt. Wir können dadurch gute Spieler sichten, gewinnen mehr Mitglieder und potenzielle Zuschauer bei unseren Partien.“ Der erste Punkt steht für die VfL-Grundphilosophie, wenn es darum geht, wie man im Männerbereich zu nachhaltigem Erfolg kommen möchte. „Wir wollen möglichst keine Spieler von woanders verpflichten, sondern auf unser eigenes von unten heranwachsendes Potenzial bauen“, sagte Ahrend, der mit diesem Konzept auch eine Hoffnung verbindet: „Darüber wollen wir künftig unser großes Ziel erreichen.“ Und das ist die Rückkehr in die 2. Bundesliga. 

Die Männer des VfL Potsdam sind am Freitag wieder in der 3. Liga Nord aktiv: Sie gastieren beim SC Magdeburg II (Beginn: 19.30 Uhr). Drittliga-Aufsteiger Grün-Weiß Werder empfängt derweil am Samstag den SV Anhalt Bernburg (Beginn: 19 Uhr).

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