Herausragend.: Potsdams Angreiferin Brittany Abercrombie wurde am Mittwoch zur wertvollsten Spielerin der Partie gekürt.  Foto: Gerhard Pohl
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Unverändert auf Erfolgskurs SC Potsdam siegt gegen Dresden und übernimmt Platz zwei

Nach knapp vierwöchiger Pause im Bundesligabetrieb heben die Volleyballerinnen des SC Potsdam einen optimalen Rückrundenstart erwischt. Sie gewannen gegen den Dresdner SC und fühlen sich durch Seitenhiebe zusätzlich motiviert.

Potsdam - Besser hätte der Start in die Rückrunde nicht verlaufen können. Mit einem 3:0 (26:24, 25:18, 25:22)-Heimsieg gegen den fünffachen Deutschen Meister Dresdner SC knüpfte Frauenvolleyball-Bundesligist SC Potsdam am Mittwoch nahtlos an die beste erste Saisonhälfte seiner Vereinsgeschichte an. Drei wertvolle Punkte im Kampf um eine gute Ausgangslage für die Playoffs. Und diese wurden in nur drei Sätzen eingefahren. „Das war besonders wichtig“, sagte SCP-Trainer Guillermo Hernandez. „Wir konnten so ein paar Kräfte sparen, die wir am Samstag dringend brauchen werden.“ Dann treten die Potsdamerinnen um 19.30 Uhr bei Nawaro Straubing an – zu einem „sehr harten Spiel“, wie Hernandez einordnet.

Die Reise nach Niederbayern tritt Brandenburgs Team des Jahres 2019 mit neuer Platzierung an. Weil Titelverteidiger MTV Stuttgart überraschend daheim gegen den USC Münster 2:3 verlor, kletterte der SCP auf den zweiten Rang. Hinter Spitzenreiter Schweriner SC (29 Punkte) hat Potsdam nun 27 Zähler – einen mehr als Stuttgart. Damit halten die „Rothemden“ klar Kurs auf einen abermaligen Vereinsbestwert. Denn angesichts von inzwischen acht Punkten Vorsprung auf die Ladies in Black Aachen und Roten Raben Vilsbiburg sowie neun Zähler auf Dresden wird es immer realistischer, dass sie die Hauptrunde unter den besten drei abschließen. Bislang ist der vierte Platz das stärkste Resultat. „Der Erfolg heute war ein großer Schritt in diese Richtung“, sagte Hernandez am Mittwoch.

Vor 1265 Zuschauern in der MBS-Arena überzeugten die Gastgeberinnen durch eine Top-Leistung von Angreiferin Brittany Abercrombie, die besonders im umkämpften ersten Satz entscheidende Akzente setzte, und eine sich stark steigernde Blockabwehr. Von einer frustrierenden Schlappe für sein Team wollte Dresdens Trainer Alexander Waibl allerdings nichts hören. Stattdessen betonte er, seine Mannschaft nicht in Bestbesetzung aufs Feld geschickt zu haben – als Schutzmaßnahme. Drei Tage nach dem Ende der intensiven Länderspielphase mit der Olympiaqualifikation wollte Waibl seine Nationalspielerinnen nicht gleich wieder voll fordern und so ein Verletzungsrisiko eingehen. „Ich bin niemand, der Leute verheizt“, sagte er.

Waibl: „Es war ein Spieltag, der nicht hätte stattfinden dürfen“

Vier Dresdnerinnen waren zuletzt mit ihren Nationalteams im Einsatz – auf SCP-Seite war es nur Lisa Gründing, die nach dem knapp verpassten Tokio-Ticket der deutschen Auswahltruppe sich gleich wieder ordentlich in den Ligabetrieb einfügte. DSC-Coach Waibl haderte indes mit der Ansetzung. „Es war ein Spieltag, der nicht hätte stattfinden dürfen“, meinte er. Mitte Dezember hatte sein Verein offiziell den Antrag beim Ligaverband gestellt, die Partie in Potsdam wegen der kurz zuvor ausgetragenen Olympia-Qualifikationsturniere auf ein anderes Datum zu verschieben. Ohne Erfolg. Eugen Benzel zeigte Verständnis, dass die Termindichte nicht einfach sei. „Aber grundsätzlich hatten die Mannschaften ihre Nationalspielerinnen wieder zur Verfügung“, sagte der SCP-Teammanager. Eine Verlegung wäre aus Sicht seines Clubs auch nachteilig gewesen. „Wir hatten zum Zeitpunkt des Dresdner Antrags schon viele Tickets für diesen Termin verkauft. Und außerdem wäre uns dann die wichtige TV-Präsenz als Live-Spiel bei Sport1 verloren gegangen“, erklärte Benzel.

So sahen die Zuschauer am Luftschiffhafen und vor dem Fernseher ein Match, in dem die Potsdamerinnen zunächst Probleme hatten. Die überraschende Gegneraufstellung mit mehreren Akteurinnen aus der zweiten Reihe brachte das Heimteam um den ursprünglichen Matchplan. Knapp gewann der Hernandez-Sechser den ersten Satz aber noch nach langem Rückstand. „Ab dem zweiten Satz hatten wir uns dann gut auf das veränderte Dresdner System eingestellt“, sagte der SCP-Coach. „Wir sind froh, gleich wieder so erfolgreich begonnen zu haben.“ Zum Saisonstart hatte Potsdam bereits 3:1 in Elbflorenz gewonnen und entschied nun erstmalig beide Hauptrundenduelle mit Dresden in einer Saison für sich.

Dresdens Trainer stichelt gegen SC Potsdam

Zwei Niederlagen, die dazu beitrugen, dass der sächsische Verein in der Liga noch deutlich hinter den eigenen hohen Erwartungen zurückhängt. Trotzdem ließ es sich Waibl am Mittwoch nicht nehmen, ein wenig in Richtung des nunmehrigen Tabellenzweiten zu sticheln. „Wir müssen mit unseren Spielerinnen die Belastungen sehr gut dosieren. Schließlich sind wir noch im Deutschen Pokal und Europapokal dabei – das ist der große Unterschied zu Potsdam“, sagte der DSC-Trainer süffisant. Die Saison sei noch lang, abgerechnet werde ohnehin dann erst in den Playoffs. 

Darüber sind sie sich beim SCP auch bewusst. Wie im Vorjahr, als Dresden schon im Viertelfinale gescheitert war, möchte der märkische Club mindestens erneut das Halbfinale erreichen. Seitenhiebe der Konkurrenz, sagte Benzel, nehme man dabei eher als „zusätzliche Motivationsspritze“ an.

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