Gute Gäste? Im April 2017 kam es in Babelsberg zum Skandalspiel - inklusive Platzsturm. Foto: Jan Kuppert/dpa
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Landespokal Babelsberg gegen Cottbus Pokalfinale und Polizeischutz

Im Fußball-Landespokal kommt es am Montag um 17 Uhr zum Endspiel zwischen dem SV Babelsberg 03 und FC Energie Cottbus im Karl-Liebknecht-Stadion. Auch die Polizei bereitet sich vor.

Potsdam - Straßensperrungen, Umleitungen und ein großer Polizeieinsatz: Das brisante Landespokalfinale zwischen dem SV Babelsberg 03 und dem FC Energie Cottbus dürfte sich auch außerhalb des Stadions auswirken. Die Polizei macht aus taktischen Gründen vorab keine genauen Angaben zu ihren Vorbereitungen. Man habe sich mit beiden Vereinen und dem Verband abgesprochen, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Es gebe keine weiteren, über die aus den rivalisierenden Fanlagern hinausgehenden, abstrakten Anhaltspunkte für eine Auseinandersetzung, hieß es auf Nachfrage. „Die Polizei ist, ihrer umfangreichen Lagebewertung folgend, sehr gut aufgestellt.“ Man sichere die Umgebung des Stadions, für Sicherheit im Innenraum sei in erster Linie der Heimverein verantwortlich.

Das Spiel beginnt um 17 Uhr. Die späte Anstoßzeit macht der Polizei Sorgen. Sie wirke sich in der Risikobewertung leicht negativ aus, hieß es. Dadurch hätten gegnerische Fangruppen grundsätzlich mehr Zeit im Stadtgebiet aufeinanderzutreffen. Außerdem ermögliche die längere Zeitspanne bis zum Anstoß einen höheren Alkoholisierungsrad der Fans. „Bei Spielverzögerung, Verlängerung, Elfmeterschießen könnte die Abreisephase bis in die Dämmerung oder die Dunkelheit anhalten, was das Verhindern des Aufeinandertreffens verfeindeter Fangruppen aus polizeilicher Sicht erschwert“, so der Sprecher.

Skandalspiel mit Hitlergrüßen

Wegen der An- und Abreise der Fußballfans wird es zu Beeinträchtigungen des Verkehrs kommen. So werden am Montag von 10 bis 21 Uhr die Karl-Liebknecht-Straße und die Allee nach Glienicke voll gesperrt. Die Buslinie 616 wird zwischen 14 und 21 Uhr unterbrochen. Die Polizei bittet darum, den Bereich weiträumig zu umfahren. Stadionbesucher werden gebeten zur Anreise öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Hintergrund ist die als Skandalspiel bekanntgewordene Ligapartie der beiden Vereine im Frühjahr vergangenen Jahres. Dabei kam es zu antisemitischen und volksverhetzenden Rufen aus dem Cottbusser Zuschauerblock. Hitlergrüße wurden gezeigt. Babelsberger Fans erwiderten daraufhin den Ruf „Nazischweine raus!“. Die Vorkommnisse beschäftigen die Sportgerichtsbarkeit über Monate. Erst im März gab es eine Einigung. Der Streit sorgte international für Aufmerksamkeit, weil der Eindruck entstand, der verantwortliche Nordostdeutsche Fußballverband sei auf dem rechten Auge blind.

SVB-Trainer sieht Cottbus als Favorit

„Ich hoffe, dass die die hierherkommen, als Fußballfans da sind und nicht, um Krawall zu machen“, sagte Almedin Civa auf einer Pressekonferenz am gestrigen Freitag. Der Trainer des SV Babelsberg 03 und seine Mannschaft freuen sich auf ein emotionales Fußballspiel vor toller Kulisse – den Erwartungen zufolge wird das Karl-Liebknecht-Stadion mit 9000 Zuschauern, darunter 1650 aus Cottbus, ausverkauft sein. „Wir spielen zuhause, haben zum Saisonfinale der Regionalliga einen Aufschwung mit sieben ungeschlagenen Spielen geschafft und haben keine Angst vor Cottbus“, nennt Civa Gründe, weshalb der SVB den Pokal gewinnen kann. Gleichwohl: „Cottbus ist Favorit“, sagt Civa und zollt der Leistung des Regionalliga-Meisters Respekt. Mit 89 Punkte dominierten die Lausitzer die Liga. „So eine Leistung wird es auf lange Sicht nicht mehr geben“, vermutet der Nulldrei-Coach.

„Diese Paarung ist etwas Besonderes“, sagte Civa. Denn zum einen habe es ein Pokalfinale zwischen dem SVB und Energie Cottbus noch nie gegeben. Und zum anderen „ergibt sich diese Gelegenheit vielleicht so schnell nicht wieder“, sinniert der 46-jährige Trainer. Drei bzw. sechs Tage nach dem Endspiel bestreitet Cottbus seine beiden Relegationsspiele gegen Weiche Flensburg um den Aufstieg in die dritte Liga. Schaffen die Lausitzer den Sprung, gebe es zumindest kein brisantes Liga-Derby mehr.

Für Civa ist das Pokalfinale das erste Highlight seiner Trainerlaufbahn, die im vergangenen Sommer begann, als er die Verantwortung für die Regionalliga-Mannschaft des SVB übernahm. Das Engagement war zunächst – in Doppelfunktion als sportliche Leiter – für ein Jahr bestimmt. Dass er Gefallen an dem Job habe, ist kein Geheimnis, die Spieler loben Civas Training und seinen Umgang mit ihnen. Der Verein dränge ihn inzwischen jeden Tag, als Trainer weiterzumachen. „Natürlich mache ich mir meine Gedanken“, sagt Civa und erklärt zumindest, dass es eine kurzzeitige Lösung nicht geben werde. „Ich wollte nie Trainer sein“, sagt er, „aber wenn ich es jetzt mache, dann die nächsten sechs, sieben Jahre.“ Und das völlig unabhängig vom Ausgang des Pokalfinales.

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