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Turbine und Bernd Schröder „Bernd Schröders hartes Training hat uns als Team besonders zusammengeschweißt“

Über einen Zeitraum von 17 Jahren spielte Jennifer Zietz für Turbine Potsdam. Stets ihr Trainer: Bernd Schröder. Im PNN-Interview spricht sie über seine Charakterfestigkeit, was sie an ihm verfluchte und was für eine Art Vater dieser "Papa Schröder" war.

Frau Zietz, 17 Jahre lang haben Sie für Turbine Potsdam gespielt, stets war Bernd Schröder Ihr Trainer. Was haben Sie in all den Jahren an ihm schätzen gelernt?

Dass er sich immer treu geblieben ist, sich nie in seiner Art verbogen hat. Diese Charakterfestigkeit hat ihn ausgemacht. Ob man dann immer konform mit seiner Meinung war, ist eine andere Sache. Zu diskutieren brauchte man da aber nicht.

Wofür haben Sie ihn auch manchmal schlichtweg verflucht?

Natürlich vor allem für das harte Training. Hitzewarnung? Er hat uns ackern lassen! Eiskälte und Schnee? Er hat uns ackern lassen! Aber durch diese Willensschulung hat er jeden Einzelnen von uns gestärkt. Und der gemeinsame Kampf, bei dem man zum Teil auch einfach vom Coach genervt war, hat uns als Team besonders zusammengeschweißt.

Inwiefern hat sich der Trainer Schröder in Ihrer Turbine-Zeit weiterentwickelt?

Er war durchaus offen für Neuerungen, hat vieles ausprobiert und seinen Erfahrungsschatz erweitert. Doch sobald etwas nicht gleich so wie gewünscht funktionierte, hat er den neuen Reiz schnell wieder beiseitegeschoben und auf das Altbewährte zurückgegriffen. Auf das, mit dem er schon mal Erfolg hatte.

Wie darf man sich eigentlich die Schröder-Kabinenansprache vor einem Spiel vorstellen?

Das eine oder andere Mal ist sie etwas zu lang ausgefallen. Er hat dann gerne gepredigt, wofür der Verein steht, und von uns gefordert, dass wir mit großem Herzen und viel Leidenschaft auftreten. Diese Einstellung hat er uns selbst vorgelebt. „Für die Zuschauer, den Verein, die Stadt und den ganzen Osten“, hieß es oft. Aber die Ansprache unmittelbar vor der Partie war immer gar nicht so entscheidend, weil man die Spielerinnen da eh kaum noch erreicht. Unter der Woche waren seine Ansagen wichtiger. Und da hat er dann auch gerne sehr deutliche Worte gefunden, wenn ihm was nicht gepasst hat.

Er bekam ja auch irgendwann den Spitznamen „Papa Schröder“. Was für eine Art Vater war er denn?

Ein strenger Vater, der vehement sehr viel eingefordert hat. Da war es auch wichtig, sich ein dickes Fell wachsen zu lassen, weil es – vor allem für junge Spielerinnen – nicht immer leicht war, damit klarzukommen. Aber Bernd Schröder ist auch ein sensibler Mensch, der diese weiche Seite jedoch nur ungern nach außen zeigt. Bei uns hat er das aber auch mal als Erzieherfigur getan.

Was glauben Sie, wie schwer fällt es Bernd Schröder, die Geschicke bei Turbine aus der Hand zu geben? Sie haben in der Saison 2014/15 – Ihrer letzten – ja bereits den Beginn des Übergangs mitbekommen, als Schröder mit Achim Feifel einen potenziellen Nachfolger austestete und ihm viel Verantwortung übergab.

Man merkte schon, dass ihm das schwerfällt, auch wenn er diesen Eindruck öffentlich nicht erwecken möchte. Es ist ja auch verständlich: Turbine ist schließlich sein Werk. Dennoch denke ich, dass alle Personen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben, es ihm nun gönnen, dass er das Leben außerhalb der Fußballblase genießen kann.

Ganz ohne Fußball wird es aber sicherlich nicht gehen. Er hat ja auch schon angekündigt, ein Buch über seine 45 Jahre bei Turbine schreiben zu wollen. Was wird den Leser da wohl erwarten?

Er wird bestimmt den Leuten von außen einen Einblick in das Turbine-Innenleben gewähren, den es so bisher nicht gab. Einige spannende Anekdoten werden sicher dabei sein. Und ich hoffe natürlich, dass ich gut dabei wegkomme (lacht).

ZUR PERSON: Jennifer Zietz (32) spielte von 1998 bis 2015 für Turbine. Sie gewann in dieser Zeit sechsmal die deutsche Meisterschaft, dreimal den DFB-Pokal und zweimal den Europapokal.

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