Für Turbine Potsdam ist es bislang eine Saison der Rekorde. Vergrößern
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Turbine Potsdam Krönung zum Abschluss

Turbine Potsdam hat die Hinrunde in der Frauenfußball-Bundesliga beendet - mit einem krachenden Kantersieg gegen den MSV Duisburg und absoluten Top-Werten. Für den Aufschwung des Potsdamer Teams in dieser Spielzeit gibt es viele Gründe.

Beim letzten Auftritt vor der Winterpause haben es die Bundesliga-Fußballerinnen von Turbine Potsdam noch mal so richtig krachen lassen. 1528 Zuschauer bekamen am gestrigen Sonntag im Karl-Liebknecht-Stadion den bislang höchsten Saisonsieg des Herbstmeisters geboten, ein 8:0 (3:0) gegen Aufsteiger MSV Duisburg. Die Treffer erzielten Tabea Kemme (4., 70.), Svenja Huth (29., 74.), Felicitas Rauch (33., 64.), Anna Gasper (67.) und Sarah Zadrazil (77.) „Es war eine grandiose Hinrunde mit einem grandiosen Abschluss“, sagte Cheftrainer Matthias Rudolph nach dem Torfestival und fügte stilvoll hinzu: „Ich möchte mich ganz herzlich bei meiner Mannschaft bedanken – dafür, wie gut sie in der ersten Halbserie mitgezogen hat.“

Auf diese Weise konnte eine herausragende Bilanz erspielt werden. Zehn Siege wurden in den elf Hinrundenpartien eingefahren, 30 Punkte sind auf dem Konto. Noch nie seit Bestehen der eingleisigen Frauen-Bundesliga, also seit 1997, stand Turbine besser zur Mitte einer Saison dar als diesmal. 30 Zähler ist der Vereinsbestwert, er wurde ebenfalls nur in den Spielzeiten 2003/04, 2004/05 sowie 2011/12 erreicht. „Es hätte wohl keiner vorher gedacht“, meinte Rechtsverteidigerin Bianca Schmidt, „dass wir so erfolgreich sein werden.“ Schließlich sah die Welt beim Potsdamer Traditionsverein in der vergangenen Saison noch ganz anders aus. Da standen am Ende 30 Punkte und mit Platz sieben das schlechteste Bundesliga-Abschneiden der Clubhistorie zu Buche. Wie lässt sich nun die eingetretene Wandlung erklären?

Die Mannschaft funktioniert als eine gefestigte Einheit

Nicht damit, dass einfach kurzerhand der Kader umfangreich erneuert wurde, er hat sich nämlich vergleichsweise gar nicht so stark verändert, das Personal ist fast dasselbe wie zuvor. Es wurde sich nur von einigen Akteurinnen getrennt und im Gegenzug punktuell clever verstärkt, wobei eben lediglich zwei neue Spielerinnen – Eseosa Aigbogun und Sarah Zadrazil – zu Startelfkräften avanciert sind, während der Rest auch schon im Vorjahr das Turbine-Trikot trug.

Doch hat scheinbar die feine Kaderjustierung viel bewegt. Matthias Rudolph, der 2015/16 als Co-Trainer an der Seitenlinie fungierte, ehe er im Sommer den Chefposten von Vereinsikone Bernd Schröder übernommen hatte, schwärmt von der „mannschaftlichen Geschlossenheit“, die sich gebildet habe und enorm wichtig sei. „Jede Spielerin hat sich untergeordnet und ihre Stärken in das Team hineingeworfen.“ Letztlich führte dies zu einer Erfolgsserie, die das Selbstvertrauen stetig steigen ließ. Auch die beiden Negativerlebnisse – das DFB-Pokalaus gegen Werder Bremen und die einzige Liga-Schlappe gegen den SC Freiburg – drehte Turbine nicht den Dampf ab. Stattdessen präsentierten sich die Potsdamerinnen anschließend mental gefestigt und lieferten Siege als Antwort.

Weniger Verletzungen, mehr Stabilität und große Spielfreude

Was bei der Suche nach Gründen für den Aufschwung nicht außer Acht gelassen werden darf: Diese Saison ist das Brandenburger Team deutlich weniger verletzungsgeplagt als vorige. „Wir hoffen, dass das so bleibt“, meinte Tabea Kemme und erinnerte sich: „Letztes Jahr hatten wir teils nur zwölf fitte Spielerinnen, mussten zusehen, dass wir überhaupt am Wochenende elf Leute auf den Platz kriegen.“ Jetzt könne hingegen aus der Breite des Kaders geschöpft werden, was das Trainingsniveau hebe und sich entsprechend in der Konsequenz auch positiv auf die Spielleistungen auswirke.

Und dann wäre da noch der Faktor Matthias Rudolph. Dass seine neuen Impulse der Mannschaft guttun, ist unübersehbar. Impulse, die einerseits im taktischen Bereich liegen. Es erwies sich als lohnend, auf eine 4-4-2-Formation zu setzen – mit Tabea Kemme und Svenja Huth als kongenialer Doppelsturmspitze und einer Vierer- statt wie früher einer Dreierkette in der Abwehr. Durch Letzteres haben die sehr offensiv, auf Ballbesitz und -zirkulation ausgerichteten, spielfreudigen Turbinen an Stabilität gewonnen. Da auch bereits die Angreiferinnen und Mittelfeldspielerinnen mit hohem Laufpensum dem Gegner bei dessen Sturmbemühungen das Leben schwer machen und Keeperin Lisa Schmitz als verlässlicher Rückhalt zwischen den Pfosten wacht, hat Potsdam die Stellung einer Defensivmacht. Nur vier Gegentore wurden in der Hinrunde zugelassen, neuer Turbine-Rekord.

Kemme: Coach Rudolphs Feinfühligkeit kommt sehr gut an

Neben den Taktikideen loben die Akteurinnen obendrein den zwischenmenschlichen Umgang von Matthias Rudolph. Als Lehrer – er ist am Humboldt-Gymnasium tätig – sei der Coach in pädagogischer Hinsicht stark, urteilte Tabea Kemme. „Er ist da sehr feinfühlig. Das kommt bei einem Haufen von 25 Frauen natürlich sehr gut an“, sagte sie und ihre Teamkollegin Bianca Schmidt stimmte mit ein: „Es ist ja immer die Frage, wie man die Spielerinnen packt, damit sie ihr Potenzial abrufen können. Er weiß, wie man das schafft.“

Das soll dann auch in der Rückrunde gelingen, in der die Turbine-Maxime ganz gewiss die gleiche wie bisher bleibe, betonte Goalgetterin Kemme: Man möchte ohne Druck aufspielen, sich nicht den Stempel als gejagter Titelaspirant aufdrücken lassen, sondern von Spieltag zu Spieltag schauen. Was dabei am Ende herumkommt, wird sich nach den elf nächsten dieser kleinen Etappen zeigen.

Turbine: Schmitz – Schmidt, Wesely, Elsig, Meister – Aigbogun (46. Gasper), Zadrazil, Kellond-Knight (73. Chmielinski), Rauch – Huth, Kemme (73. Lindner)

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