Endlich eingesetzt. Johanna Elsig (l.) im Länderspiel gegen die Ukraine. Foto: dpa Foto: Bernd Thissen/dpa
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Turbine-Fußballerin in der Nationalmannschaft Lohn für die Geduld von Johanna Elsig

Nach einer WM ohne Einsatz möchte sich Johanna Elsig als Stammspielerin in der Fußball-Nationalmannschaft etablieren. Dafür muss sie im Verein überzeugen. Mit Turbine Potsdam steht sie nun vor einem richtungsweisenden Heimspiel gegen den SC Freiburg.

Sport ist eine Geduldssache. Johanna Elsig weiß das nur allzu gut. Als sie im Sommer 2014 im Rahmen einer Länderspielreise ihr Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gab, schien die Auswahlkarriere für die damals 21-jährige Abwehrspielerin vorgezeichnet. Doch häufig blieb es bei Einladungen für Lehrgänge und Nominierungen, auf dem Platz bei Länderspielen standen andere. Keine einfache Zeit für die Innenverteidigerin vom 1. FFC Turbine Potsdam. Auch für die Weltmeistermeisterschaft im vergangenen Sommer in Frankreich hatte sie sich mehr erhofft, war eine der zwei Feldspielerinnen, die gar nicht zum Einsatz kamen. Sie akzeptierte die Reservistenrolle, zufrieden gegeben hat sie sich damit nicht und kündigte an, das „aktiv zu ändern“.

Gegen Ukraine und Griechenland über die volle Dauer

Folge: Am vergangenen Samstag beim 8:0-Erfolg der Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine stand Johanna Elsig 90 Minuten auf dem Platz. Beim 5:0-Sieg in Griechenland am Dienstag bestritt sie ihr 14. Länderspiel, gehörte erneut zur Startformation und durfte rund eine Stunde lang mitwirken. „Voss-Tecklenburg baut auf Elsig“, titelte das Fachmagazin „Kicker“ vor dem Ukraine-Spiel. Zuvor saßen die Turbine-Spielerin und die Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg in der offiziellen DFB-Pressekonferenz nebeneinander und standen den Journalisten Rede und Antwort. Souverän erklärte Johanna Elsig den fachkundigen Medien, dass sie sich künftig mit der Bank-Rolle nicht mehr zufrieden geben werde, vielmehr den Konkurrenzkampf um ihre Position auf dem Platz befeuern werde. Dafür werde sie an ihre Leistungsgrenze gehen im Training und im Spiel, in der Nationalmannschaft und im Verein. 

Bei Turbine Potsdam ist Elsig seit Jahren unumstrittene Führungspersönlichkeit und Leistungsträgerin. Während sich andere Spielerin wie zuletzt Svenja Huth und Felicitas Rauch entschieden haben, ihre internationale Karriere beim VfL Wolfsburg voranzutreiben, entschloss sich die Abwehrakteurin, in Potsdam zu bleiben. 2012 kam sie von Bayer Leverkusen zu Turbine, wo sie nach wie vor für sich das beste Umfeld und die besten Möglichkeiten sieht, um sich weiter zu entwickeln. Denn in der jungen Potsdamer Mannschaft kann Johanna Elsig ihre Fähigkeiten und Rolle als Leaderin am besten profilieren. Dass Turbine mit seinem gegenwärtigen Status eines Entwicklungsteams nicht die Dominanz in der Bundesliga hat und sich Nationalspielerinnen nicht durch Auftritte in der Champions League in den Fokus spielen können, sieht sie nicht als Nachteil. „Egal, wo ich spiele“, sagt sie, „wenn ich eine hohe Leistungsbereitschaft zeige und meine Leistung auch bringe, wird das belohnt werden“, sagt sie selbstbewusst. 

Kreuzbandriss von Kiwic: Umbau in Turbines Innenverteidigung 

Geduld ist eine der Tugenden, die es auch für den 1. FFC Turbine Potsdam braucht, bei dem Johanna Elsig mit 26 Jahren zu den erfahrenen Spielerinnen gehört. „Wir haben Potenzial“, sagt sie, wohlwissend, dass es Zeit braucht für dessen Entfaltung. Doch ist das Entwicklungstempo der Bundesliga hoch, Klubs wie Wolfsburg und Bayern München, oder auch die SGS Essen geben Gas. „Wir haben jetzt sechs Punkte aus fünf Spielen“, zählt Johanna Elsig die rein numerischen Fakten dieser Saison zusammen, um zu schlussfolgern: „Das nächste Spiel wird schon richtungsweisend.“

Entweder hält Turbine den Anschluss an die führenden Teams, oder aber ankert in der unteren Tabellenhälfte. Der SC Freiburg gastiert am kommenden Sonntag im Karl-Liebknecht-Stadion (Beginn: (14 Uhr). Die Breisgauerinnen liegen mit vier Punkten auf dem drittletzten Tabellenplatz. „Wir müssen definitiv gewinnen“, fordert Elsig und verlangt dafür vor allem einen bessere Zweikampfführung als bei der 0:2-Niederlage gegen Essen vor zwei Wochen. Dass dafür ausgerechnet mit Rahel Kiwic nach ihrem Kreuzbandriss aus dem EM-Qualifikationsspiel der Schweiz gegen Litauen eine der zweikampfstärksten Turbine-Spielerinnen ausfällt, muss Turbine verkraften. Doch bleibt Elsig auch zuversichtlich: „Wir haben genug gute Spielerinnen, die an meiner Seite in der Innenverteidigung spielen können.“ 

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