Applaus von einem Großen. Der olympische Silbermedaillengewinner im Zehnkampf, Frank Busemann, unterstützte die Sportabzeichen-Tour in Kleinmachnow mit wertvollen Tipps und Ratschlägen an der Weitsprungrube, aber auch an einem Ernährungsparcours. Foto: Meike Engels
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Sportabzeichen-Tour in Kleinmachnow Schokolade im Ziel

Beim Stopp der Sportabzeichen-Tour in Kleinmachnow war Ex-Zehnkämpfer Frank Busemann, Olympia-Silbermedaillengewinner von Atlanta 1996, mit dabei. Er erklärte, warum die Belohnung für sportliche Aktivität auch süß sein kann.

Es ist eine süße Anekdote, die Frank Busemann erzählt. Irgendwann hat der einstige Weltklasse-Zehnkämpfer und Olympiazweite von Atlanta 1996 mal erzählt, dass er sich „die Sünde immer für den Erfolg“ aufgehoben habe. Im Training und vor Wettkämpfen habe er immer streng darauf geachtet, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Als er nach einem erfolgreichen Wettkampf in der Interview-Zone vor den TV-Kameras stand, schenkte ihm ein Reporter, der von der verdienten Sünde gehört hatte, Busemann eine Tafel Schokolade. „Schöne Sache“, erinnert sich der 41-Jährige.

Heute ist Busemann unter anderem als Botschafter für „Kinder + Sport“ bei der Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unterwegs. Von Juni bis September macht die Tour Station in neun deutschen Städten – vor wenigen Tagen stoppte sie in Kleinmachnow. 1 100 Schul- und 100 Kita-Kinder aus der Region wetteiferten auf dem Sportgelände der Internationalen Schule auf dem Seeberg, um am Ende eines der populärsten Abzeichen der Bundesrepublik zu erhalten. Dafür musste gesprintet, geworfen und gesprungen werden.

Eine Stunde Fußball spielen, um eine Schokoladentafel zu verbrennen

Als besondere Idee hatten der Landes- und der mittelmärkische Kreissportbund in der Bewerbung zur Teilnahme an der Sportabzeichen-Tour einen Ernährungsparcours dargestellt. An verschiedenen Stationen konnten die Schüler ihr sportliches Geschick und den Grad der Anstrengung ausprobieren. Bei Sackhüpfen, Seilspringen, Hampelmann, Hula Hoop, Schlängellauf, Standweitsprung und auf dem Activity Board konnten reichlich Kalorien verbrannt werden. Am Ende des Parcours stand ein Büfett mit verschiedenen Lebensmitteln und Getränken. „Je mehr Punkte an den Stationen gesammelt wurden, desto höherwertig die Belohnung am Büfett“, erklärt Sportwissenschaftler Wolfgang Gruber, der früher unter anderem mit adipösen Jugendlichen in einer Rehaklinik gearbeitet und maßgeblich an der Konzeption des Ernährungsparcours mitgewirkt hat. „Wir wollen den Kindern zeigen, dass gesundes Essen nicht schlecht schmeckt“, so Gruber.

„Genau“, sekundiert Ex-Zehnkämpfer Busemann. „Man muss ein offenes Auge für die große Vielfalt an gesunden Lebensmitteln haben und ausprobieren, was schmeckt“, rät er. Und wer sich ausreichend bewegt, dürfe auch sündigen, wie er aus eigener Erfahrung weiß. Die Tafel Schokolade, die er seinerzeit nach einem kräftezehrenden Zehnkampf bekam, hatte keine schwerwiegenden Folgen, denn die verbrauchte Energie nach zwei Tagen Hochleistungssport war auch mit einer solch süßen Belohnung nicht auszugleichen. „Doch kaum ein Kind weiß, wie viel es sich bewegen muss, um eine ganze Tafel Schokolade zu verbrennen“, sagt Sportwissenschaftler Gruber. Eine Stunde Fußballspielen brauche es dafür.

Sportabzeichen-Ranking im Jahr 2014: Brandenburg auf vorletztem Platz

Weiteres Problem: Viele Kinder würden nach dem Sport ihren Durst mit Süßgetränken löschen, die viel zu viel Zucker enthalten. Wie es anders geht, zeigte Koch Alex Sommerfeldt mit fruchtigen Smoothies. Mit seiner mobilen Kinderkochschule „Kochabenteuer“ ist er seit mehr als zehn Jahren in Berlin und Brandenburg unterwegs, um mit Schülern zu kochen und ihnen gleichzeitig beizubringen, wie einfach gesunde Ernährung sein kann.

Das Land Brandenburg war bereits zum elften Mal Gastgeber für die Sportabzeichen-Tour. Doch trotz des engagierten Bemühens des Landessportbundes, einen attraktiven Rahmen für die Prüfungen zu schaffen, gilt die Mark im bundesweiten Vergleich als eher träge. 6150 Brandenburger legten im Jahr 2014 laut DOSB-Statistik das Sportabzeichen ab – davon 1184 Erwachsene sowie 4966 Kinder und Jugendliche. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 0,29 Prozent. Weniger Interesse am Sportabzeichen haben nur noch die Hamburger mit 0,21 Prozent. Im Bundesdurchschnitt legte im Jahr 2014 einer von hundert Deutschen das Sportabzeichen ab, das in seiner 100-jährigen Geschichte mehr als 34 Millionen Mal vergeben wurde.

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