Lange gewartet. Nach sechsmaligen Viertelfinalscheitern steht Toni Rieger mit dem SCP nun im Halbfinale.  Foto: Gerhard Pohl
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SC Potsdam vor dem Playoff-Halbfinale „Europapokal in Potsdam wäre geil“

Zum ersten Mal steht der SC Potsdam im Playoff-Halbfinale der 1. Frauenvolleyball-Bundesliga. Vorab spricht Sportdirektor Toni Rieger über internationale Ambitionen, die dafür nötigen Finanzen, Potsdams schwieriges Sportpublikum und den Gegner Schweriner SC.

Potsdam - In seiner zehnten Saison als Club der 1. Frauenvolleyball-Bundesliga ist der SC Potsdam erstmalig beim Playoff-Halbfinale vertreten. Am Donnerstag um 19.30 Uhr beginnt auswärts die Serie gegen den Deutschen Meister der vergangenen beiden Jahre, den Schweriner SC. Weiter geht es am Samstag in der Potsdamer MBS-Arena um 16.10 Uhr (Fernseh-Liveübertragung auf Sport1). Welche Mannschaft zuerst drei Siege in der Serie zusammen hat, qualifiziert sich für das Finale.

Herr Rieger, die Wettervorhersage für Potsdam am Samstag lautet: bewölkt bei nur acht Grad Celsisus.

Perfekt. Von uns aus darf es gerne regnen oder auch schneien, den ganzen Tag finster sein. Es soll einfach Wetter sein, das zum Hallenbesuch einlädt.

Aber das ist doch eigentlich traurig, dass das Wetter dann doch so ein Faktor ist. Beim Viertelfinalheimspiel gegen Vilsbiburg war es warm und sonnig – und es kamen nur knapp 850 Zuschauer. Normalerweise müsste doch, egal bei welchen Bedingungen, die Bude vor allem in den Playoffs rappelvoll sein.

Das wäre jedenfalls wünschenswert und wir arbeiten daran, dass Potsdam so volleyballbegeistert wird, dass die Halle am besten immer voll ist. Aber Potsdam ist, was das Sportpublikum betrifft, schwierig. Das merken Vereine in anderen Sportarten ja auch.

Warum ist das so? Warum bekommt Potsdam trotz vieler hochklassiger Mannschaften die Hallen und Stadien nur eher mittelmäßig gefüllt?

Das liegt sicherlich auch daran, dass wir hier so viele Mannschaften haben. Da kann man oft Freitag, Samstag und Sonntag zu einem Spiel gehen. Aber das ist eben eine Frage der Zeit und vor allem des Geldes. Nur wenige könnten sich immer und überall den Eintritt leisten. Also treffen die Leute Entscheidungen, gehen zu der einen Sache und nicht zu den anderen Veranstaltungen.

Wie beim Viertelfinalheimspiel wird nun auch der Heimauftritt im Halbfinale gegen Schwerin bereits um 16.10 Uhr beginnen. Grund ist die TV-Übertragung durch Sport1. Manch einer meint, dass ein Spielbeginn am Nachmittag und die Möglichkeit, die Partie im Fernsehen zu verfolgen, Zuschauer in der Halle kostet.

Wir sehen das nicht kritisch, sondern sind froh, dass Sport1 uns wieder in der MBS-Arena zeigt. Zum achten Mal in dieser Saison haben wir ein bundesweites TV-Livespiel. Diese mediale Präsenz kann kein anderer Verein aus unserer Stadt vorweisen. Wir erkennen darin einen riesigen Mehrwert. Das ist Werbung für die Stadt, die MBS-Arena und natürlich für uns als Verein. Wir erhoffen uns, über diese Präsenz überregionale Sponsoren zu gewinnen.

Denn aufgrund der vielen Vereine hier ist der regionale Markt leer gesaugt.

Völlig richtig. Darum müssen wir woanders suchen. Und für große Unternehmen ist es schlichtweg lukrativ, wenn sie eine große Bühne bekommen – wie Sponsorenflächen bei einer Spielübertragung im deutschen Free-TV.

Welche Bedeutung hat der erstmalige Bundesliga-Halbfinaleinzug für die Weiterentwicklung des SC Potsdam?

Zunächst einmal ist die Anerkennung gestiegen – in der Stadt, in der Umgebung, in ganz Deutschland. Durch kontinuierliche Arbeit haben wir uns zu einer guten deutschen Volleyballadresse gemausert. Das ist eine Basis, von der aus sich weitere Schritte planen lassen.

Zum Beispiel die Europapokalteilnahme?

Absolut. Volleyball-Europapokal in Potsdam wäre geil.

Vor zwei Jahren, als Ihr Verein auch schon einmal Vierter der Bundesliga-Hauptrunde geworden war, gab es bereits die Möglichkeit, international zu spielen. Aus finanziellen Gründen wurde damals verzichtet. Wie sieht es jetzt aus?

Das Finanzielle ist weiterhin der Knackpunkt. Wir benötigen die Hilfe der Stadt, des Landes, unserer treuen Sponsoren und von neuen Unterstützern, um das stemmen zu können. Der Etat muss deutlich aufgestockt werden, damit wir sicheren Sport bieten können und nicht ständig jeden Cent umdrehen müssen.

In welcher Größenordnung müsste der Saisonetat für die Herausforderung erhöht werden?

Gut und gern um 100.000 Euro. Also von 600.000 auf 700.000 Euro.

Drei europäische Vereinswettbewerbe stehen im Angebot: Champions League, CEV Cup und Challenge Cup. Die Teilnahmeberechtigten aus Deutschland können quasi selbst entscheiden, in welchem Wettbewerb sie antreten. Was wäre Ihre Ambition?

Champions League kommt definitiv nicht infrage. Das ist eine Nummer zu groß. Die anderen beiden Wettbewerbe trauen wir uns zu. Aber letztlich müssen wir abwarten, für welche Teilnahme sich der Deutsche Meister und Vizemeister entscheiden – danach sehen wir, welche Optionen übrigbleiben.

Moment mal. Das klingt ja, als würden Sie nicht an die Überraschung glauben, dass der SC Potsdam jetzt im Playoff-Halbfinale den Titelverteidiger Schweriner SC ausschaltet.

Doch, ich glaube an unsere Chance. Aber unser Weiterkommen wäre, wie erwähnt, eine Überraschung, denn Schwerin ist der Favorit. Wir werden keine Angst haben und mit dem Selbstvertrauen, das wir in den vergangenen Wochen gesammelt haben, alles raushauen. 

Mut dürfte doch auch das Wissen geben, gegen Schwerin oft gut gespielt zu haben.

Auf jeden Fall. Diese Saison hatten wir sie im Halbfinale des Deutschen Pokals ganz nah an der Niederlage. Und bei unserer ersten Playoff-Viertelfinalteilnahme 2013 hatten wir in Schwerin gewonnen, dann zuhause nur ganz knapp verloren. Da lag eine Riesenüberraschung in der Luft. Schwerin ist gerade so weitergekommen – und am Ende Meister geworden.

Für eine Überraschung im diesjährigen Viertelfinale sorgten die Ladies in Black Aachen. Als Hauptrundensechster bezwangen sie den drittplatzierten Dresdner SC. Noch nie zuvor schaffte es ein Team, das nicht unter den Top 5 der Hauptrunde war, ins Halbfinale.

Das ist eine super Sache und bestärkt uns, dass wir uns als SC Potsdam für etwas Richtiges in der Vergangenheit eingesetzt haben. Die Verantwortlichen der Volleyball-Bundesliga hatten überlegt, das Viertelfinale abzuschaffen, weil sie meinten, das liefe eh immer wie zu erwarten ab. Damit wäre jedoch überhaupt schon die Möglichkeit für das Unerwartete geraubt.

Weil Aachen weitergekommen ist, trifft der SC Potsdam nun auf den Hauptrundenzweiten Schwerin und nicht den Allianz MTV Stuttgart, der Erster geworden war. Für Sie die bessere Konstellation?

Potsdam gegen Schwerin ist ein Spiel, das allein durch den Faktor als Ost-Duell noch mehr Reiz hat. Damit sind auch die Reisekosten geringer, was aus wirtschaftlicher Sicht nicht unwichtig ist.

Aber gegen Stuttgart gelang Ihrem Club diese Saison ein Sieg und immerhin ein knappes 2:3. Kein anderes Team punktete in beiden Hauptrundenpartien gegen den großen Titelaspiranten.

Von daher haben wir gehört, dass sie in Stuttgart durchaus glücklich sind, jetzt auf Aachen und nicht auf uns im Halbfinale zu treffen. (lacht)

ZUR PERSON: Toni Rieger (42) ist Sportdirektor des Frauenvolleyball-Bundesligisten SC Potsdam. Der gebürtige Potsdamer arbeitet seit 1994 bei Brandenburgs größtem Sportverein, der laut aktuellster Statistik einen Rekordwert von 5080 Mitgliedern vorweist. Toni Rieger ist Geschäftsführer der Sport Consulting Potsdam GmbH, unter deren Dach die Vermarktung der Volleyball-Bundesligamannschaft und anderer SCP-Spitzensportler sowie von Veranstaltungen erfolgt. Sein Vater Peter Rieger ist wiederum Geschäftsführer des eingetragenen Vereins SC Potsdam.

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