Felix Frank aus Potsdam (r.) und der Essener Tobias-Pascal Schultz bewiesen bei den Weltcups internationale Klasse. Foto: Ronald Verch/Verein
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Potsdams Kanu-Neuzugang Felix Frank „Der zweite Platz ist eben der erste Verlierer“

Felix Frank gehört mit seinen Leistungen zu den großen Überraschungen der bisherigen Kanu-Saison Der Neu-Potsdamer spricht im Interview über Erfolge, die auch Niederlagen sind, seine vierjährige Paddelpause und die Kraft kalten Kaffees.

Herr Frank, bis dieses Jahr standen Sie noch nie bei einem Weltcup auf dem Podium. Nun sprangen im Kajak-Zweier über 1000 Meter Platz zwei und drei heraus. Das ist beachtlich – aber fühlt es sich dennoch wie eine Niederlage an?
 

In dem Fall: Ja, weil ich und mein Zweierpartner Tobias-Pascal Schultz aus Essen jeweils nur das zweitbeste deutsche Boot waren. Es war der interne Ausscheid um den Startplatz bei den European Games und den Weltmeisterschaften – da ist der zweite Platz eben der erste Verlierer. Das spiegelt aber unser Luxusproblem bei Deutschlands Kajak-Männern wieder, denn wir haben viele Leute auf Weltklasse-Niveau.

Was nehmen Sie aus der „Niederlage“ mit?

Es war schon ärgerlich, aber unter dem Strich ist es ein super Ergebnis. Wir waren ja selbst überrascht und wissen jetzt zumindest, dass wir an der internationalen Spitze mitfahren können. Auf den WM-Startplatz in dieser olympischen Disziplin hatten wir schon etwas gelinst, nun müssen wir uns dieses Jahr mit einer anderen Strecke abfinden.

Im nächsten Jahr werden für Olympia in Tokio allerdings die Karten neu gemischt.

Dann werden wir wieder angreifen. 2020 gucke ich einfach, was kommt. Mit meinem Jahrgang kann ich ja auch optimistisch auf die Spiele 2024 blicken.

Felix Frank ist eine große Verstärkung für den Potsdamer Kanu-Bundesstützpunkt. Foto: Tobias Gutsche Vergrößern
Felix Frank ist eine große Verstärkung für den Potsdamer Kanu-Bundesstützpunkt. © Tobias Gutsche

Erst vor wenigen Monaten sind Sie aus Ihrer Heimatstadt Kassel nach Potsdam gewechselt. Warum?

In Kassel habe ich nur in einem kleinen Verein trainiert, da sind wir an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen. Mein Trainer meinte dann, dass ich jetzt langsam in einer Liga mitspiele, in der man es wagen könnte, den Sport richtig professionell zu betreiben. Ich hatte schon gute Kontakte zum leitenden Bundestrainer Arndt Hanisch, der in Potsdam arbeitet. Dann habe ich ihn gefragt, ob ich mal ein Probetraining machen kann – und es kam das eine zum anderen. Jetzt bin ich hier, genieße am Bundesstützpunkt und beim KC Potsdam ein hervorragendes Umfeld. Meine starke aktuelle Entwicklung habe ich der professionellen Vorbereitung hier zu verdanken.

Man kann Sie durchaus als Spätzünder einstufen. Allerdings hat sich Ihre Entwicklung auch verzögert, weil Sie rund vier Jahre lang eine Paddelpause eingelegt haben. Was war passiert?

2011 war ich in der Junioren-Nationalmannschaft und wurde WM-Vierter. Bis dahin war der Leistungssport für mich schon sehr auszehrend, weil ich an keinem großen Stützpunkt war. Ich musste viel allein organisieren, die Verbindung aus Schule und Sport managen. Und als ich dann mit meinem dualen Studium für Bau- und Immobilienmanagement in Buxtehude angefangen habe, habe ich mir keinen Spagat mehr zugetraut. Ich dachte: Irgendwann hat alles ein Ende, dann eben bei mir schon mit 18 Jahren. Da war ich in dem Moment konsequent.

Letztlich war es aber dann doch kein richtiges Ende. Wie haben Sie zurück zum Leistungssport gefunden?

Ich hatte dann wirklich drei Jahre lang gar keinen Sport mehr gemacht. In den letzten Zügen meines Studiums habe ich aber gespürt, dass es mir wieder gut tun würde. Also fing ich mit Krafttraining und Laufen an. Mein Fitnesslevel war völlig im Keller, ich habe gut ein Jahr gebraucht, bis ich wieder halbwegs in Form war, ordentlich zehn Kilometer am Stück rennen konnte. Und als ich 2016 zurück in Kassel war, habe ich mich wieder ins Boot gesetzt – es lief klasse. Spontan bin ich dann nach kurzer Zeit gleich die Qualifikation für die U23-Nationalmannschaft mitgefahren.

Und?

Erstaunlicherweise habe ich es geschafft. Ich durfte bei der U23-Europameisterschaft starten, wurde Achter im Einer und Dritter im Vierer. Da hatte ich mir schon gedacht: Wow, wie gut, das kann doch nicht wahr sein.

Sie hatten wieder richtig Blut geleckt?

Absolut. Danach war es aber nicht einfach. Vom Alter her bin ich aus der U23 heraus und habe hauptsächlich trainiert, um den großen Sprung zur Herren-Mannschaft zu schaffen. 2018 durfte ich wenigstens schon bei den Trainingslagern der Nationalteam-Männer mitmachen und habe immerhin Gold im Vierer und Bronze im Einer bei der Studierenden-Weltmeisterschaft gewonnen. Und jetzt durch die Zeit in Potsdam habe ich mein Level nochmal kräftig gesteigert.

Welche Rolle spielt kalter Kaffee für Sie? Ist er ein Erfolgsfaktor?

Oh, gut informiert (lacht)! 2017 habe ich dieses Getränk kennen und schätzen gelernt. Da war ich mit Vierer-Weltmeister Max Lemke zum Trainingslager in Australien. Dort gehört es zur Kultur, kalten Kaffee zu trinken. Aber nicht kalt gewordenen, der abgestanden ist, sondern kalt gebrühten, kalt extrahierten. Dieser Cold Brew schmeckt komplett anders. Er ist ein schön kühles Erfrischungsgetränk.

Sie und Max Lemke haben dann voriges Jahr ein eigenes Unternehmen gegründet: „Cold Bean“ in Mannheim, der Heimatstadt von Max.

Das macht uns großen Spaß. Wir haben in Mannheim eine Produktion eingerichtet, wo eine angestellte Arbeitskraft die Herstellung übernimmt. 14 Stunden dauert das Extrahieren des Geschmacks, dann folgt noch ein bisschen Weiterverarbeitung – und am Ende steht ein rein natürliches Produkt. Wir vertreiben unser Getränk über einen Onlineshop, verkaufen es an Cafés, Restaurants und Hotels.

Das klingt schon nach großem Business.

Wir stehen noch am Anfang. Aber meine Wohnungsmiete kann ich dank „Cold Bean“ bezahlen – für alles weitere helfen mir unterschiedliche Sportförderungen.

Warum ist Cold-Brew-Kaffee aus Ihrer Sicht gerade für Sportler gut?

Es ist ein gesundes Getränk, schonend ohne Hitze und Druck hergestellt. Eventuell nicht so gute Bestandteile bleiben somit in der Bohne. Es ist bekömmlich und kann daher ohne Probleme vor dem Training oder Wettkampf getrunken werden. Und der Koffeingehalt ist dreimal höher als bei einem Espresso.

Das nenne ich mal einen Muntermacher.

Für Kanuten wie uns ist es tatsächlich ein guter Beigeschmack, hellwach an den Start zu fahren.

ZUR PERSON: Felix Frank (26) ist Mitglied der deutschen Kanu-Rennsport-Nationalmannschaft und Jung-Unternehmer. Seit diesem Jahr trainiert der aus Kassel stammende Kajakfahrer in Potsdam und startet für den KC Potsdam im OSC. Bei den beiden Weltcups 2019 überraschte er mit zwei Podestplätzen. Seine bisher größten Erfolge waren Medaillengewinne bei der U23-Europameisterschaft 2016 sowie den Studierenden-Weltmeisterschaften vergangenes Jahr. Das persönliche Motto des Sportlers, der zugleich Jung-Unternehmer ist, lautet: „Schweiß fließt, wenn Muskeln weinen!“


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