Allen weggepaddelt. Ronald Rauhe, Felix König, Timo Haseleu und Jonathan Gerber (v.l.) vom KC Potsdam gewannen im K4 den 200-Meter-Sprint. Foto: Ute Freise
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Potsdamer Kanu-Rennsport Meisterliches Auspaddeln auf dem Beetzsee

Yannick Lebherz

Die mit Olympia-Medaillen hochdekorierten deutschen Rennsport-Kanuten sorgen bei der nationalen Meisterschaft in Brandenburg für Glanz. Dabei sammeln die Stars des KC Potsdam gemeinsam mit den Talenten ihres Vereins eifrig Titel.

Die Wertigkeit einer Deutschen Meisterschaft ist immer auch ein wenig davon beeinflusst, ob sich die dabei siegreichen Aktiven für sportliche Großereignisse qualifizieren können: für Europa- und Weltmeisterschaften oder – wie in dieser Saison – die Olympischen Spiele. So gesehen dürften die in Rio erfolgreichen Potsdamer Renn-Kanuten den am gestrigen Sonntag zu Ende gegangenen 95. Deutschen Meisterschaften nicht die allerhöchste Wichtigkeit eingeräumt haben. Die Saison ist fast beendet und die nationalen Titelkämpfe bilden da schon fast traditionell den Abschluss.

Trotzdem überzeugten die gerade erst aus Rio zurückgekehrten Athleten auf dem Brandenburger Beetzsee mit großen Engagement und Siegeswillen bei ihren zahlreichen Einsätzen. Aber auch abseits der Spitzenathleten hatte die größte Leistungsschau im deutschen Kanu-Rennsport speziell aus Sicht des KC Potsdam im OSC Potsdam eine Menge zu bieten. „Was unser Nachwuchs hier ins Wasser gebracht hat, war schon vom Allerfeinsten“, konnte KCP-Cheftrainer Ralph Welke vermelden. Die „Zukunft des Vereins und auch des Verbandes“, so Welke, zeigte sich in bestechender Form und lieferte einen wichtigen Beitrag zum erneuten ersten Platz des Vereins in der Medaillenwertung.

Gefragte Kanu-Stars: Offizieller Empfang, Autogrammstunde, Fotowünsche

Viele Augen richteten sich von der gut besuchten Tribüne auf Sebastian Brendel, Franziska Weber und Co., die in Brandenburg neben der sportlichen Herausforderung auch als Repräsentanten ihres Sports unterwegs waren. Offizieller Empfang, Autogrammstunde, Fotowünsche – man könnte erwarten, dass irgendwann die Kräfte schwinden. Taten sie jedoch nur unmerklich. So gewann Ronald Rauhe, der bei Olympia Bronze bejubeln durfte, im Kajak-Einer, -Zweier und -Vierer über jeweils 200 Meter Gold und blieb damit im Beetzsee unbesiegt. Die in Rio siegreichen Sebastian Brendel und Jan Vandrey gewannen standesgemäß im Canadier-Zweier über 1000 Meter. Im Einer über die gleiche Distanz musste sich Brendel seinem Vereinskollegen Ronald Verch geschlagen geben, der ihn auf den letzten 200 Metern überspurtete – es war für Brendel die erste Niederlage auf seiner Paradestrecke seit drei Jahren. Diese könne er aber verschmerzen, sagte der 28-Jährige.

Für Franziska Weber, bei den Spielen am Zuckerhut doppelt mit Silber dekoriert, gab es Gold im Kajak-Einer über 1000 sowie im -Zweier über 200 und 500 Meter zusammen mit Conny Waßmuth. Beide saßen mit Nachwuchskräften auch noch in Vierer-Vereinsbooten. Genau das mache die Deutschen Meisterschaften aus, berichtete die 33-jährige Sportsoldatin Waßmuth. Früher habe man zu den „Großen“ aufgeschaut und war stolz, mit den Idolen aus dem eigenen Verein im Boot fahren zu dürfen. Diese Erfahrungen könne man jetzt weitergeben und damit „auch dem Sport etwas zurückgeben“.

Auch ohne Edelmetall war Rio für Conny Waßmuth ein grandisoses Erlebnis

Wenige Tage nach der Rückkehr aus Rio gerät Waßmuth vor allem bei den Erinnerungen an den Empfang der Olympioniken in Frankfurt/Main ins Schwärmen. „Es war wirklich ein grandioses Erlebnis, mit vielen Zuschauern, sehr gut organisiert, einfach top“, beschreibt sie die Veranstaltung am vergangenen Dienstag. Aus sportlicher Sicht seien ihre eigenen Ergebnisse zufriedenstellend gewesen. Mit der Qualifikation für den Zwischenlauf auf der für sie eher ungewohnten 200-Meter-Strecke konnte sie ein Etappenziel erreichen. Ihre Rolle als Ersatzfrau für den am Ende silbernen deutschen Frauen-K4 war vom Verband frühzeitig geklärt worden: „Klar, ich wäre lieber mit im Boot gewesen, aber so ist Sport. Es ist alles fair abgelaufen und ich wusste, woran ich bin.“ Insgesamt hätten die Wettkämpfe mit dem erfolgreichen Team aber sehr viel Spaß gemacht. Als spezielle olympische Kanu-Momente bleiben Waßmuth vor allem die emotionalen Medaillengewinne der Routiniers Ronald Rauhe und Max Hoff in Erinnerung. Da habe sie schon mitgefiebert, mitgelitten und sich letztlich mit den anderen über ein Happy End freuen können.

Eine solch emotionale Achterbahnfahrt wie die Rennen in der Lagune Rodrigo de Freitas konnten die Wettkämpfe auf dem Beetzsee zwar nicht bieten. Insgesamt merkte man aber nicht nur Conny Waßmuth die Freude an, gegen Ende der Saison noch mal vor dem heimischen Publikum mit vielen Familienmitgliedern und Freunden anzutreten und sich dann bei den Siegerehrungen entsprechend feiern lassen zu können.

Am kommenden Sonntag steht der Potsdamer Kanalsprint an

Ein ähnliches Erlebnis erwartet die Potsdamer Athleten und vor allem die Fans des Kanu-Rennsports am kommenden Sonntag: Der 12. Kanalsprint des KC Potsdam – das Showrennen im Potsdamer Stadtkanal – steht an. Und die Organisatoren werden sicher alles daran setzen, ihre Stars mindestens genauso würdig wie am Beetzsee zu präsentieren.

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