Mit Wasser durch die Wüste. Für Christopher Linke und Kollegen war der Wettkampf eine Tortur.  Foto: Michael Kappeler/dpa
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Potsdamer Christopher Linke Vierter bei der Leichtathletik-WM Stark in einem "abartigen" Rennen

Der Potsdam Geher Christopher Linke gelang mit WM-Platz vier in der Hitze von Doha das beste internationale Ergebnis seiner Karriere. Vereinskollege Hagen Pohle stellte die Sinnfrage für Wettkämpfe bei Extrembedingungen. Ihnen zum Opfer fiel Nils Brembach - er kollabierte.

Zwischendurch und nach dem Rennen war Christopher Linke völlig vom Radar verschwunden. Im Ziel des 20-Kilometer-Wettbewerbs jubelte der Potsdamer Geher aber über den vierten Platz. Nach einer größeren Verwirrung um seinen verlorenen Zeitnahme-Chip am Schuh hat der 30-Jährige bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha sein bisher bestes internationales Ergebnis geliefert. „Vierter Platz ist sehr gut. Aber natürlich mache ich den Sport, um eine Medaille zu gewinnen“, sagte Linke nach dem Hitzerennen in der Nacht zum Samstag.

Linke kam nach 1:27:19 Stunde an der Strandpromenade Corniche ins Ziel. Bei Temperaturen von deutlich über 30 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von über 75 Prozent zahlte sich für Linke die intensive Vorbereitung aus. „Abartig“, bezeichnete er dennoch das Klima am Golf. „Im Vergleich zu allen anderen Wettkämpfen, die ich habe, waren es natürlich die härtesten Bedingungen überhaupt. Zum Glück haben wir unter noch härteren Bedingungen trainiert.“ 

Stolz im Ziel. Christopher Linke wurde Vierter - ohne Missgeschick wäre vielleicht noch mehr drin gewesen.  Foto: Michael Kappeler/dpa Vergrößern
Stolz im Ziel. Christopher Linke wurde Vierter - ohne Missgeschick wäre vielleicht noch mehr drin gewesen.  © Michael Kappeler/dpa

Nach 15 Kilometern brach Brembach zusammen

Während ihrer Vorbereitung auf den Wettkampf am Rande der Wüste hatten die Geher des SC Potsdam in Räumen trainiert, in denen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit ähnlich der Bedingungen in Doha simuliert wurden. Bereits SCP-Frau Saskia Feige hatte nach ihrem elften Platz vor wenigen Tagen gemeint, dass dies durchaus geholfen habe. Ihr Vereinskollege Nils Brembach hingegen wurde – wie zahlreiche andere Geher und Marathonläufer bei dieser WM – Opfer der Hitze: Nach 15 Kilometern kollabierte der Kreislauf des 26-Jährigen, er wurde sofort mit einer großen Menge an Eis überschüttet und intensiv am Streckenrand behandelt. Inzwischen geht es dem Fünftplatzierten der Europameisterschaft 2018 wieder besser. 

Die Sinnfrage für Wettbewerbe unter solchen Extrembedingungen stellt aber auch der dritte Potsdamer Geher: „Das war ein Wettkampf, der so nicht stattfinden dürfte“, kritisierte Hagen Pohle. Er hatte sich das Rennen klug eingeteilt und konnte auf der zweiten Hälfte der Strecke noch einige Konkurrenten einsammeln. So kämpfte er sich als 17. in 1:32:20 Stunden ins Ziel. Auch für ihn ist es die beste Platzierung seiner Karriere bei Weltmeisterschaften. Der Potsdamer, der anders als seine Trainingsgefährten die letzten Wochen der Vorbereitung nicht in Südafrika, sondern in St. Moritz und Deutschland absolviert hatte, verbrachte dabei täglich Zeit in der Dampfsauna. „Da wusste ich schon, dass das Atmen schwer wird“, sagte er. Dennoch war beim WM-Rennen „das größte Problem, überhaupt Luft zu bekommen“, so Pohle. 

Vor nur wenigen Zuschauern am Ein-Kilometer-Kurs holte der Japaner Toshikazu Yamanishi Gold. Der Jahresschnellste und Favorit siegte in 1:26:34 Stunde vor dem unter neutraler Flagge startenden Russen Wassili Mizinow (1:26:49) und dem Schweden Perseus Karlström (1:27:00).

"Dann hole ich eben bei Olympia eine Medaille!“

Die Bronzemedaille war für Christopher Linke nicht weit entfernt – und hätte vielleicht sogar noch näher rücken können, wenn ihm nicht ein Missgeschick passiert wäre. Er hatte schon nach 19 Runden dem Zieleinlauf entgegengefiebert, dann sah er, dass die vor ihm Platzierten nach der Ziellinie weitergingen. Die Uhr zeigte schon zu diesem Zeitpunkt eine Zeit an, die deutlich über den Siegerzeiten der vergangenen Jahre lag. „Ich hatte mich ein bisschen an der Zeit orientiert, bei 1:23 Stunden bin ich normalerweise schon lange im Ziel“, erzählte Linke später. Doch eine Runde musste noch absolviert werden. Ein Zeichen dafür, wie hart der Wettbewerb bei extremer Hitze und sehr hoher Luftfeuchtigkeit für alle Athleten war. Christopher Linke quälte sich eine weitere Runde um den Kurs, für einen Endspurt in Richtung Bronze reichte da die Kraft aber nicht mehr, auch wenn der Rückstand zu Karlström immer kleiner wurde.

Mit Platz vier steigerte sich der Sportsoldat im Vergleich zu den Olympischen Spielen 2016 und den Weltmeisterschaften 2017 um einen Platz. Und er sorgte für das beste deutsche Resultat in diesem WM-Wettbewerb seit 2005: Zuletzt war André Höhne vor 14 Jahren in Helsinki (Finnland) ebenfalls Vierter im 20 Kilometer Gehen geworden.

Nun richtet Linke den Blick nach Tokio, wo im kommenden Jahr die Olympischen Spiele stattfinden – bei wohl noch extremeren Bedingungen als in Doha. „Da möchte ich kein Japaner sein, der Druck wird extrem sein“, sagte Linke. Bei den Europameisterschaften in Berlin im vergangenen Jahr sei er an den hohen Erwartungen zerbrochen, „da konnte ich meine Leistung überhaupt nicht abrufen“. Darauf spekuliere er ein bisschen in Tokio und meint: „Im Grunde ist es egal, wann ich meine erste internationale Medaille hole. Dann ist es eben Olympia!“ Es wäre seit 2003 die erste eines Potsdamer Leichtathleten bei Welttitelkämpfen oder Olympischen Spielen. Zuletzt gelang es Geher Andreas Erm mit Bronze über 50 Kilometer bei der WM in Paris. (mit dpa)

+++ Diskuswerferin Kristin Pudenz im WM-Finale von der Rolle +++

Nachdem Annika Marie Fuchs in der Speer-Qualifikation gescheitert war, verlief auch für die zweite Potsdamer Werferin in Doha das WM-Debüt ernüchternd. Die Deutsche Diskus-Meisterin Kristin Pudenz hatte zunächst mit guter Leistung das Ticket fürs Finale gelöst, dort dann aber nur Rang elf mit 57,69 Metern belegt – rund sechs Meter weniger als in der Quali, sieben Meter unter persönlichem Bestwert.

Enttäuscht. Kristin Pudenz blieb im Finale weit unter ihren Möglichkeiten.  Foto: Michael Kappeler/dpa Vergrößern
Enttäuscht. Kristin Pudenz blieb im Finale weit unter ihren Möglichkeiten.  © Michael Kappeler/dpa

„Ich weiß auch nicht, was da los war“, sagte die 26-Jährige anschließend. Natürlich sei die Anspannung in einem WM-Finale anders gewesen, doch habe es noch beim Einwerfen mit einem Versuch jenseits der 60-Meter-Marke ordentlich geklappt. „Da jetzt insgesamt auf meine Saison stolz zu sein, fällt mir schwer“, sagte Pudenz. „Es ist scheiße, wenn man sie so abschließt.“


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