Sie wollen mehr. Coach Michael Vogt (l.) und Präsident Stephan Goericke holten 2018 den ersten Europacup-Titel mit den Royals. Foto: Gerhard Pohl
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Potsdam Royals spielen um den Eurobowl Klangvolles Spiel im Luftschiffhafen

Potsdams Footballer bestreiten am 8. Juni den Eurobowl gegen Amsterdam. Streitigkeiten zwischen Verbänden kratzen aber am Renommee des Wettbewerbs. Die Royals freuen sich dennoch auf das Event - und wollen nicht nur dabei erfolgreich sein.

Potsdam - Wer im American Football einen großen Titel gewonnen hat, ist an seinen Händen zu erkennen. Traditionell legen sich Champions gerne für jeden besonders bedeutsamen Pokaltriumph einen alles andere als unscheinbar wirkenden Ring zu. Michael Vogt und Stephan Goericke tragen inzwischen auch einen beachtlichen Silberklunker – in Erinnerung an den Gewinn der European Football League (EFL) 2018. Voriges Jahr holten die Potsdam Royals diesen Europacup beim denkwürdig dramatischen Finale in Mailand. Daraufhin organisierte der Club die Meisterringe für das Team, Cheftrainer Vogt und Präsident Goericke bekamen natürlich auch einen angesteckt.

"Das wird ein absolutes Highlight in unserer Vereinsgeschichte"

Am 8. Juni könnten sich die „Königlichen“ nun die Berechtigung für das nächste Fingerschmuckstück verdienen. Dann richtet der Potsdamer Verein im heimischen Stadion Luftschiffhafen den sogenannten Eurobowl gegen die Amsterdam Crusaders aus. „Das wird ein absolutes Highlight in unserer Vereinsgeschichte“, sagte Goericke am Dienstag bei einem Pressetermin. Und Vogt ergänzte mit Blick auf die Partie am Pfingstwochenende: „Toll, dass wir dieses Event dank vieler Sponsoren und Unterstützer hierherholen können. Das wird eine schicke Sache.“

Triumphzug. Die Royals gewannen 2018 die EFL, damals als zweithöchster Wettbewerb Europas gelistet.  Foto: Ronny Budweth Vergrößern
Triumphzug. Die Royals gewannen 2018 die EFL, damals als zweithöchster Wettbewerb Europas gelistet.  © Ronny Budweth

Manch einer bezeichnet es aber ganz anders. Auf einer österreichischen Football-Internetplattform ist die Rede von einer „Farce“, zu der der Eurobowl verkomme. Historisch gesehen ist er der wichtigste Titel dieser Sportart auf dem europäischen Kontinent. Doch Streitigkeiten zwischen dem Weltverband IFAF und dem deutschen Verband AFVD kratzen an seinem Renommee. Beide Parteien liegen im Clinch bezüglich Fragen zur Organisation, Struktur und zu Finanzen. Das führte dazu, dass die IFAF Deutschland von sich isoliert, zum Beispiel die anfangs zugesprochene Ausrichtung der Europameisterschaft 2018 und auch die Teilnahme daran verwehrte. Zudem existieren bei europaweiten Vereinswettbewerben zwei Konstrukte nebeneinander: der European Club Team Competition (ECTC) der IFAF, bei dem unter anderem Potsdams vorjähriger EFL-Finalgegner Milano Seamen teilnimmt, sowie das Championship-Format, das im Eurobowl mündet.

Clinch und Kosten lassen den Europacup schrumpfen

Der deutsche Verband hält auch die Rechte an der bekannten Marke Eurobowl und bewahrt sich dieses Label. 2014 wurde das Turnier auf den Big-6-Modus mit sechs ausgewählten Top-Mannschaften umgestellt. 2018, als der Rekordsieger New Yorker Lions Braunschweig zum sechsten Mal triumphierte, waren schon nur noch vier Teams am Start. Und jetzt sei aus „Big 6 Small 2“ geworden, heißt es auf dem österreichischen Portal. Mehr ließ sich offenbar nicht realisieren. Die Amsterdam Crusaders, die niederländischer Rekordmeister sind und Anfang der 1990er-Jahre zweimal den Eurobowl gewannen, treffen auf die Potsdam Royals, die sich vergangenes Jahr den damals unterhalb des Eurobowl angesiedelten EFL-Bowl nach insgesamt drei Wettbewerbspartien sicherten.

Action. Die aufstrebenden Potsdam Royals wollen auch 2019 für Furore sorgen.  Foto: Ronny Budweth Vergrößern
Action. Die aufstrebenden Potsdam Royals wollen auch 2019 für Furore sorgen.  © Ronny Budweth

Trotz der Umstände möchten Stephan Goericke und Michael Vogt das direkte Finalspiel am 8. Juni nicht herabwürdigen. „Wir wurden als EFL-Champion gefragt, ob wir ausrichten – das machen wir gerne für die Fans. Sicherlich wäre eine große einheitliche Euro-League reizvoll, aber dazu fehlt den meisten Vereinen schlichtweg das Geld. Uns würde es auch schwerfallen“, erklärte Royals-Präsident Goericke. Den anderen Europacup ECTC hält Coach Vogt allein wegen der Abwesenheit Deutschlands, der besten Football-Nation von Europa, für wenig aussagekräftig. Obendrein verwies er darauf, dass früher schon der Eurobowl-Sieger nur über ein Spiel ermittelt worden war. Dies komme den Mannschaften in ihrer Kollisionssportart, die enorme Belastungen für die Körper bedeutet, durchaus entgegen. „Wir sind hier im semiprofessionellen Bereich. Da dürfen es in einer Saison nicht zu viel Spiele werden“, meinte Vogt. 2018 seien die Royals mit 17 Pflichtmatches an die Grenze des Zumutbaren gelangt – da verpasste der Aufsteiger als Tabellenfünfter der Nordstaffel noch die Playoff-Runde der German Football League 1 (GFL).

Trainingsstättenproblem: Teilweise mit bis zu 80 Leuten auf halbem Feld

Das soll sich in der Anfang Mai beginnenden diesjährigen Saison ändern. „Wir haben einen Kader, der uns erlaubt, höhere Sphären in der GFL anzugreifen“, urteilte Vogt. Die erstmalige Playoff-Qualifikation zu verpassen, „wäre eine kleinere Enttäuschung“. Unter anderem vier Akteure, die schon im Dunstkreis der US-Profiliga NFL aktiv waren, wurden verpflichtet. 15 Nationalspieler unterschiedlicher Länder werden dabei sein. Der Cheftrainer betonte jedoch, dass der aufstrebende Potsdamer Verein nicht hauptsächlich auf internationale Importe setze. „Da entsteht oft ein falscher Eindruck.“ Einen großen Teil des rund 50-köpfigen GFL-Aufgebots würden Spieler bilden, die aus der zweiten Herrenmannschaft oder der Jugend kommen. „So wollen wir uns auch perspektivisch aufbauen – mit eigenen Leuten.“

Das Club-Wachstum gibt eine solche Ausrichtung her. Laut Goericke haben die Royals, die sich auch mit den Projekten „Potsdam Power Kids“ beziehungsweise „Free Kick“ in Schulen sowie dem Bornimer Flüchtlingsheim engagieren, ihre Mitgliederzahl im Verglich zum Vorjahr um 30 Prozent auf fast 300 gesteigert. Acht Mannschaften existieren mittlerweile schon. „Dadurch stoßen wir aber an unsere Grenzen bei den Trainingsstätten“, so der Vorsitzende. „Unsere Lage hat sich durch Hilfe der Stadt zwar verbessert, aber unser Bedarf ist immer noch größer.“ Die Einheiten werden vor allem im Kirchsteigfeld durchgeführt, teilweise wird sich auch auf der Kleinmachnower BBIS-Sportanlage für Geld eingemietet. „Im Kirchsteigfeld haben wir einen halben Fußballplatz zur Verfügung und sind teilweise mit bis zu 80 Leuten darauf. Das ist eigentlich völlig sinnlos“, berichtete Vogt.

Trainer aus der NFL unterstützt die Royals dieses Jahr

Sinnstiftend soll derweil eine besondere Verstärkung seines Trainerstabs sein. Paul Alexander unterstützt fortan die Royals beim Training, bei Spielen, der Nachwuchs- und Projektarbeit. Der 59-jährige US-Amerikaner war jahrelang im Coaching-Bereich der NFL-Teams New York Jets, Cincinnati Bengals und Dallas Cowboys tätig. Nach Potsdam lotste ihn David Saul. Der Brite hatte 2018 seine aktive Karriere beendet und machte daraufhin bei den Royals als Manager weiter. Dank seiner Verbindung zu Alexander kommt der Top-Trainer hierher – unentgeltlich, wie Vogt anmerkte. An solchen Verpflichtungen merke man, dass sich sein Football-Club zu einer interessanten Adresse gemausert habe.

Weitere Erfolge in der besten Liga außerhalb Nordamerikas würden den Ruf noch mehr stärken. Oder auch ein Triumph im Eurobowl, der für Michael Vogt nach wie vor einen hohen Stellenwert hat: „Das findet jetzt zum 33. Mal statt, eine Tradition. Und wir wollen da in diese Siegerliste rein – das wäre eine große Ehre.“ Die Royals sind heiß auf Titel – also auch auf neue Ringe. Stephan Goericke stellte unmissverständlich klar: „Wir haben einen langen Atem und eine Menge Finger.“

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