Mit Rückenwind. Fabian Liebig reist als frisch gebackener Deutscher Meister zur EM nach Bath. Foto: Monika Skolimowska/dpa,
© Monika Skolimowska/dpa,

Potsdam bei der Fünfkampf-EM Mehrkampf um Tokio

Die Europameisterschaft in Bath bietet eine große Chance, Olympia-Tickets für die eigene Nation zu holen. Die Potsdamer Marvin und Patrick Dogue sowie Fabian Liebig sind Deutschlands heiße Anwärter darauf.

Potsdam - Vollblut-Leistungssportler können nicht anders. Ihr Ehrgeiz ist schlichtweg zu groß, als dass sie sich bei einem Wettkampf zurücknehmen. So schonten sich dann auch die Modernen Fünfkämpfer des OSC Potsdam am Wochenende während der Deutschen Meisterschaft in Berlin nicht, obwohl sie diese Woche die deutlich wichtigere Europameisterschaft im englischen Bath vor sich haben.

„Locker machen? Ach, niemals“, sagt Marvin Dogue nach dem Zieleinlauf von Berlin. Er atmet schwer, das Herz hämmert, der Schweiß rinnt über seine Haut und glänzt im Sonnenschein. „Wenn ich mitmache, gebe ich auch alles. Ansonsten brauche ich hier gar nicht anzutreten“, erklärt der Potsdamer, der sich nach Reitproblemen im abschließenden Laserschießen-Lauf noch von Platz 15 auf vier verbesserte. Das zeige: Er sei fit. „Und wer fit ist, regeneriert auch schnell.“ Die EM könne also kommen.

Weltcupsieger Christian Zillekens pausiert nach Handgelenk-OP

Und damit auch der Kampf um Olympia-Tickets. Bei den Männern und Frauen werden in Bath jeweils acht Startplätze für Tokio vergeben, allerdings nur je maximal einer pro Nation. In der Herren-Konkurrenz kommen Deutschlands heiße Anwärter darauf aus Potsdam, wo der Pentathlon einen rasanten Aufstieg in den vergangenen Jahren erlebt hat. Die aktuelle Saison ist herausragend: Den OSC-Männern gelangen im Weltcup vier Podestplatzierungen und neun Top-10-Resultate. Christian Zillekens schaffte sogar den ersten deutschen Weltcupsieg bei den Herren seit 2007. Dabei erlitt er jedoch eine Handgelenksverletzung, musste operiert werden und befindet sich aktuell noch im Leistungsaufbau. Zur Weltmeisterschaft Anfang September in Budapest möchte Zillekens wieder einsatzbereit sein.#

Weit vorne. Marvin Dogue ist als bester Deutscher derzeit auf Rang fünf der Weltrangliste platziert. Foto: Nuno Goncalves/UIPM Vergrößern
Weit vorne. Marvin Dogue ist als bester Deutscher derzeit auf Rang fünf der Weltrangliste platziert. © Nuno Goncalves/UIPM

Beim kontinentalen Championat sind daher nur drei statt vier Potsdamer Männer am Start. „Alle haben das Zeug für ganz vorne“, meint OSC-Cheftrainerin Claudia Adermann. Marvin Dogue ist derzeit Fünfter der Weltrangliste, sein älterer Bruder Patrick Siebter, Fabian Liebig folgt auf Platz 16. „Organisch“ seien ihre Schützlinge „top drauf“, sagt Adermann. Also in den von Kondition geprägten Disziplinen Schwimmen und Laufen. Wichtig, so Adermann, sei es, „dass sie technisch locker bleiben“ beim Fechten, Reiten und Schießen. „Sind sie da stabil, ist wirklich alles drin.“

Hauchdünn schrammte Marvin Dogue bei der ersten Chance vorbei

Marvin Dogue hatte das bei der ersten Chance auf ein Olympia-Ticket eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Beim Weltcup-Finale im Olympiaort Tokio wurde er Ende Juni nach starker Leistung Zweiter. Im Schlussspurt verlor er um eine Sekunde gegen den Briten Joseph Choong. Nur der Sieger ergatterte einen Startplatz für die Sommerspiele. Anfangs sei er noch total glücklich gewesen über das bisher beste Ergebnis seiner Karriere, erzählt Marvin Dogue. Aber seit gut zwei Wochen, in denen die Anspannung bei allen vor der EM gestiegen ist, Nervosität aufkam, habe er sich gedacht: „Man das hättest du dir sparen können, wenn du beim Weltcup-Finale bereits den Druck weggenommen hättest.“ Doch vielleicht sei das auch gut so gewesen, glaubt der 23-Jährige. „Ich war weiter angetrieben, kein bisschen nachzulassen.“

Vorteil der Erfahrung. Der Olympia-Sechste Patrick Dogue ist mit 27 Jahren der Älteste der OSC-Riege. Filip Komorous/UIPM Vergrößern
Vorteil der Erfahrung. Der Olympia-Sechste Patrick Dogue ist mit 27 Jahren der Älteste der OSC-Riege. © Filip Komorous/UIPM

Patrick Dogue steht ebenfalls voll auf dem Gaspedal. „Ich habe gut trainiert. Da geht was“, versichert der Sechste der Olympischen Spiele von 2016. Allerdings lief es bei der Deutschen Meisterschaft in Berlin für ihn nicht ganz rund. Fußschmerzen plagten ihn, hinzu kamen Probleme mit dem Pferd und am Schießstand. Am Ende stand Platz acht. „Ich konnte einfach nicht das abrufen, was ich drauf habe.“ Nach seiner „schiefgelaufenen Generalprobe“ hofft der 27-Jährige jetzt auf eine gelungene EM.

Wer das Ticket fürs Team sichert, muss sich dann noch intern behaupten

Möglichst nochmal genauso wie in Berlin soll es hingegen für Fabian Liebig laufen. Der 25 Jahre alte Mixed-Staffelweltmeister holte zum ersten Mal in der Eliteklasse DM-Einzelgold. „Das gibt mir richtig Schwung für den Wettkampf in Bath“, sagt er. „Mit einem besseren Gefühl könnte ich nicht dorthin reisen.“

Einer aus dem Dogue-Duo oder Liebig? Oder doch der Berliner Routinier Alexander Nobis als vierter deutscher Starter und Zillekens-Vertreter? „Einer davon sollte den ersten deutschen Olympiaplatz sichern. Wenn nicht, muss viel falsch gelaufen sein“, betont Adermann. Maximal je zwei Männer und Frauen darf Deutschland nächstes Jahr in Tokio an den Start bringen. Weitere Tickets können bei den Weltmeisterschaften 2019 und 2020 sowie über die Weltrangliste erobert werden. Allerdings sind das alles keine personengebundenen Teilnehmerplätze, sondern nur welche für die Nation. „Wer die Fahrkarte für das Team holt, ist erst einmal im Vorteil. Aber wir müssen uns bis zur Nominierungsfrist noch intern behaupten“, berichtet Marvin Dogue. Eine spezielle Situation innerhalb der freundschaftlichen OSC-Riege. Doch am Ende sind sie alle Vollblut-Leistungssportler mit riesigem persönlichen Ehrgeiz.

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