Neue Besen kehren gut. Ralf Loose (48) wurde unter anderem 1981 in Australien mit der deutschen U-20-Nationalmannschaft Junioren-Weltmeister. Er war Nationaltrainer Liechtensteins, der Sportfreunde Siegen und des FC Augsburg. Seit dem 12. April ist er Trainer der SG Dynamo Dresden. Foto: Imago
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Sport „Pfeifen auf dem allerletzten Loch“

Vor dem heutigen Spiel gegen den SV Babelsberg 03 plagen Dresdens Trainer Ralf Loose Personalprobleme

Herr Loose, Sie übernahmen die Trainertätigkeit bei der SG Dynamo Dresden erst in diesem Monat und traten die Nachfolge von Matthias Mauksch an, der, wie auf der Homepage des Vereins zu lesen war, die Mannschaft nicht mehr „in notwendigem Maße erreichte“. Unter Ihrer Führung hat das Team nun dreimal in Folge gewonnen – was ist Ihr Erfolgsrezept?

Zzuerst habe ich in Einzelgesprächen versucht herauszufinden, was schief läuft. Das Team ist kaum noch als Team aufgetreten und hat nicht alles gegeben. Und dann war es auch wichtig, die Spieler auf die für sie richtige Position zu stellen und die gesamte Mannschaft auf Offensivspiel einzustellen. Das erste Spiel haben wir in einem Kraftakt gewonnen und in den beiden folgenden nachgelegt. So ist es uns gelungen, den Abstand zu den anderen obenstehenden Mannschaften zu verbessern.

Ihr Ziel ist nach wie vor der Aufstieg in die Zweite Liga. Bei einer Niederlage in Babelsberg wäre dieser Traum geplatzt. Der SVB 03 hat als Aufsteiger hingegen sein Saisonziel erreicht und kann locker aufspielen. Wie groß ist der Druck, der auf der Mannschaft lastet und wie stellen Sie Ihr Team auf diese Aufgabe ein?

Was heißt Druck? Wir hatten vier Punkte Rückstand auf einen Relegationsplatz und stehen jetzt auf Augenhöhe. Wir wissen ja auch nicht, wie die Paarungen der unmittelbaren Konkurrenz ausgehen. Ich sehe uns deshalb auch nicht in der Favoritenrolle, sondern eher Erfurt, die mit Jahn Regensburg einen eher leichten Gegner haben. Ich setze mich da selber unter Druck, denn ich will jedes Spiel gewinnen.

Dynamo Dresden konnte sich am Dienstag mit einem klaren 5:0-Sieg gegen den Bezirksligisten VfB Zwenkau für das Halbfinale im sächsischen Landespokal qualifizieren. Vier Tore schoss Paul-Max Walther. Ist er womöglich eine Alternative für den angeschlagenen Alexander Esswein?

Da habe ich mich noch gar nicht entschieden, wir pfeifen personell allerdings auf dem allerletzten Loch. Das Pokalspiel und anschließend gleich das wichtige Spiel in Babelsberg – das verlangt der Mannschaft schon einiges ab. Aber wir wollen mal nicht jammern. Und ich will auf gar keinen Fall Walthers Tore kleinreden, aber sie fielen eben doch gegen einen Bezirksligisten. Ob er spielt, wird am Tag selbst entschieden, auf alle Fälle sitzt er aber auf der Bank.

Nicht zuletzt beim 4:0-Sieg gegen Unterhaching bot Esswein mit zwei Treffern ja wieder einmal eine super Leistung. Wird er in Babelsberg zu erleben sein?

Nein, definitiv nicht. Gegen Unterhaching zog er sich eine Oberschenkelzerrung zu und muss noch geschont werden.

Der SVB hat nach einer Durststrecke zuletzt sieben Spiele ohne Niederlage hingelegt. Wie schätzen Sie das Team um Trainer Dietmar Demuth ein?

Ich bin ja erst sehr kurze Zeit in Dresden und habe den SVB noch nicht live erleben können. Wir haben aber natürlich viele Informationen. Ich weiß, dass das eine sehr disziplinierte Mannschaft ist, sodass ein Sieg dort sehr schwer wird. Babelsberg hat einen guten Lauf, aber wir haben jetzt ja auch schon drei Siege nacheinander eingefahren.

Das Hinspiel in der Glücksgas-Arena konnte der SV Babelsberg 03 im November mit 1:0 für sich entscheiden. Anton Makarenko machte schließlich aus dem Nichts das Tor.

Ja, Anton kenne ich noch aus meiner Trainerzeit in Augsburg. Ich habe ihn ja mit in die zweite Liga hochgeholt. Das wird bestimmt ein nettes Wiedersehen.

Die Nulldreier standen damals tief, wie wollen Sie diesmal der Babelsberger Abwehr begegnen?

Wir haben uns in der Defensive in den vergangenen Wochen sehr verbessert und – das Pokalspiel eingeschlossen – viermal zu null gespielt. Wir wollen das Ding auf alle Fälle gewinnen, die Mannschaft ist hochmotiviert. Und natürlich werden uns auch die mitgereisten Fans wieder voll unterstützen.

Haben Sie am Freitag einen schlagkräftigen Kader zur Verfügung?

Auf Esswein werde ich wie gesagt verzichten müssen. In der Abwehr fehlt zudem Jonas Strifler und im Mittelfeld Maik Kegel. Rosig sieht es also nicht unbedingt aus.

Vielleicht noch ein Tipp – wie wird das Spiel in Babelsberg enden?

Ich hoffe ganz stark auf einen Sieg meiner Mannschaft. Dann wären wir weiter im Aufstiegsrennen dabei und könnten wieder Druck auf die Konkurrenz ausüben.

Das Gespräch führte Henner Mallwitz.

 

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