Bislang noch ohne Saisonsieg. Fünf Pflichtpartien haben die Wasserballer des OSC Potsdam um Hannes Schulz in diesem Spieljahr bereits bestritten – und allesamt verloren. Nächsten Samstag nehmen die OSC-Männer einen neuen Anlauf und hoffen, dass sie nun auf Touren kommen. Foto: Verein/Sandra Seifert
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OSC Potsdam Noch nicht in Schwung

Zweite Bundesligasaisonpartie, zweites Berlin-Brandenburg-Derby in Schöneberg, zweite Niederlage: Nach der Auftaktpleite gegen Spandau verloren die Wasserballer des OSC Potsdam nun auch gegen Neukölln.

Was Alexander Tchigir kurz vor Beginn des letzten Viertels in der Wasserball-Bundesligapartie zwischen der SG Neukölln und dem OSC Potsdam sah, machte ihn wütend. Die Potsdamer Spieler warteten auf den demnächst ertönenden Wiederanpfiff, hingen dabei aber wie erholungssuchende Thermenbesucher völlig spannungslos an der Leine, die das Feld auf Höhe ihres Tores begrenzte.

„Hey“, grölte OSC-Trainer Tchigir daraufhin vom Beckenrand aus durch die Schwimmhalle Schöneberg. Er ruderte dazu wild mit den Armen herum. Seine Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt beim Stand von 6:7 noch gute Aussichten auf ein Erfolgserlebnis hatte, wollte er so noch einmal antreiben und ihr vermitteln, dass sie bitteschön eine ordentliche Körpersprache, sich also kämpferisch zeigen solle. Doch der Weckruf kam nicht an. Potsdam traf in den abschließenden acht Minuten kein einziges Mal mehr, Neukölln erzielte dafür drei Treffer, weshalb am Ende ein deutliches 6:10 (1:1, 2:3, 2:4, 0:3) auf der Anzeigentafel ausgewiesen wurde.

Die Chancenverwertung machte den Unterschied

Auch am zweiten Spieltag der neuen Bundesligasaison setzte es somit für den A-Gruppen-Aufsteiger eine Niederlage in Schöneberg. Dies war bereits zum Auftakt des Spieljahres der Fall, als die Brandenburger dort dem deutschen Rekordmeister Wasserfreunde Spandau 6:18 unterlagen. „Dass wir gegen Spandau nichts geholt haben, war ja zu erwarten“, sagte OSC-Akteur Hannes Schulz, nachdem er vorgestern enttäuscht aus dem Wasser geklettert war, „aber gegen Neukölln müssen wir wenigstens einen Punkt hier gewinnen.“ Schließlich haben die Berliner wie das Team aus Potsdam in der Vorsaison den Sprung von der B- hinauf in die A-Staffel der deutschen Wasserball-Eliteklasse geschafft und werden dementsprechend als ein Kontrahent auf Augenhöhe gesehen. „Gerade gegen solche Mannschaften müssen wir Zählbares einfahren, wenn wir in eine gute Position im Kampf um den Klassenerhalt kommen möchten“, erklärte er.

Zunächst lag der OSC vor rund 250 Zuschauern, die eine recht trostlose und nicht nach der Brisanz eines Derbys anmutende Atmosphäre erzeugten, auch durchaus auf Kurs Richtung Sieg. Zu Beginn der zweiten Halbzeit führten die Havelstädter mit 5:3. „Bis dahin war das ganz okay. Doch dann lief es einfach nicht mehr“, analysierte Schulz, dessen Truppe reihenweise hochkarätige Chancen vergab und dabei vom starken SG-Torwart Florian Thom zur Verzweiflung gebracht wurde. „Das war der entscheidende Unterschied. Neukölln hat die Dinger reingemacht. Wir nicht. Sie waren abgezockt, kaltschnäuzig und haben uns dadurch fertig gemacht.“

Noch kein Rhythmus wegen des Rahmenterminplans

Ähnlich sah es Alexander Tchigir. Nach Ende des Matches saß der Coach auf einer Bank hinter dem Becken und blickte auf das Spielprotokoll. „Mit nur sechs eigenen Toren“, grummelte er, „kann man kaum ein Spiel gewinnen.“ Zumal wenn dazu auch noch in der Defensive „Kinderfehler“ – so nannte es Tchigir – passieren. Den Einbruch in Hälfte zwei, die mit 2:7 abgegeben wurde, führte er auch auf konditionelle Probleme zurück, die sich wiederum aus personellen Problemen ergaben. Zwei wichtige Leute – Dennis Strelezkij und Thilo Popp – konnten über weite Strecken der Partie nur noch dosiert eingesetzt werden, weil sie frühzeitig zwei Zeitstrafen kassiert hatten und ihnen damit der Spielausschluss drohte. Und zudem fehlten mit dem erkrankten Gabriel Satanovsky und Kapitän Matteo Dufour, der derzeit aus privaten Gründen nicht dabei ist, zwei Leistungsträger komplett. „Trotz einiger guter Momente zu Beginn konnten die anderen das heute nicht kompensieren“, meinte Tchigir. „Die Saison ist aber noch jung. Wir werden uns schon hineinfinden.“

Mit dem „Hineinfinden“ gestaltete es sich in der bisherigen Spielserie aufgrund des Rahmenterminplans nicht einfach für den OSC. Zwar absolvierte er schon fünf Pflichtduelle, konnte dabei aber nicht den so wichtigen, Automatismen verfestigenden und Sicherheit bringenden Rhythmus aufbauen. Dem Auftritt Mitte September beim Euro-Cup-Erstrundenturnier in Neapel, wo dreimal verloren wurde, folgte im Anschluss der Ligaauftakt gegen Spandau und dann wegen anderer Wettbewerbe – wie dem deutschen Pokal, in den Potsdam erst ab der dritten Runde eingreifen wird – gleich wieder eine dreiwöchige Pause bis zum Aufeinandertreffen mit Neukölln. „Das war schwierig. Man ist nicht in Schwung gekommen, weil eben nicht Woche zu Woche gespielt wurde“, erzählte Hannes Schulz.

Im nächsten Spiel rechnet sich der OSC etwas aus

Nun dürfte es aber diesbezüglich besser werden, denn an den kommenden drei Wochenenden stehen Spiele im Kalender. Nächsten Samstag geht der OSC erneut auf Reisen, ins Schwabenland, zum SSV Esslingen. „Das ist auch eines dieser Teams, gegen die wir uns etwas ausrechnen. Aber dafür müssen wir uns steigern“, forderte Vizekapitän Schulz in Anbetracht der dürftigen Leistung am Samstag gegen die SG Neukölln. Jene Mannschaft aus der Bundeshauptstadt haben die Potsdamer übrigens vor Kurzem noch bezwungen. Während der Saisonvorbereitung beim Ehrl-Cup im Brauhausberg-Bad mit 12:11. Andersherum wäre es ihnen jedoch lieber gewesen. Damals verlieren und dafür in der Liga gewinnen. So aber müssen sie vorerst weiter auf den ersten Pflichtspielsieg der Saison warten.

OSC: Knelangen – El Ghannam, Kössler, Popp (1), Miers, Strelezkij (1), Ferdinand Korbel (1), Saggau (1), Florenz Korbel, Schwarze, Schulz (1), Zech (1), Langer

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