Gefühl- statt kraftvoll - das war ein wichtiges Mittel des SCP-Teams um Sofia Medic beim Duell mit Dinamo Kazan.  Foto: Gerhard Pohl
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Nach der Europapokalpremiere SC Potsdam muss schnell die Akkus aufladen

Die Volleyballerinnen des SC Potsdam boten dem russischen Spitzenclub Dinamo Kazan einen großen Kampf, verloren ihr erstes Europapokalspiel am Ende aber knapp. Nun geht es in der Bundesliga gleich wieder mit einer schweren Partie weiter. 

Für das Interview nach dem Spiel hatte Antonia Stautz einen Wunsch: „Darf ich bitte sitzen bleiben?“ Die Erschöpfung war der Volleyballerin am späten Mittwochabend deutlich anzusehen. Knapp zwei Stunden lang hatte sie mit ihrem Team des SC Potsdam in der MBS-Arena herausragend gekämpft, eine beachtliche Leistung bei der SCP-Europapokalpremiere gezeigt. Doch letztlich verloren die Potsdamerinnen gegen Dinamo Kazan mit 2:3 (17:25, 25:18, 25:20, 20:25, 12:15). 

Das kostete viel Kraft. Und Nerven. Nun besteht die Herausforderung darin, physisch und psychisch die Akkus schnell wieder aufzuladen, denn bereits am morgigen Samstag geht es für die Mannschaft von Cheftrainer Guillermo Hernandez mit einer anspruchsvollen Bundesliga-Heimpartie weiter: Der Tabellendritte spielt um 19 Uhr gegen die fünftplatzierten Roten Raben Vilsbiburg. „Vollgas für die nächsten drei Punkte“, skizzierte Kapitänin Stautz den Kurs. 

"Wir haben das Potenzial, jeden zu schlagen"

Bei aller Enttäuschung über die bittere Niederlage am Mittwoch im Erstrundenhinspiel des CEV-Cups, dem zweithöchsten europäischen Volleyball-Vereinswettbewerb, glaubt die 25-Jährige an eine positive Wirkung durch dieses Match. „Mit ein bisschen Abstand werden wir auch stolz sein können“, betonte die Außen-Annahme-Spielerin. „Der Auftritt sollte uns Selbstvertrauen geben, uns deutlich bewusst machen, dass wir das Potenzial haben, jeden zu schlagen.“

Beinahe wäre der sensationelle Sieg gegen den früheren Club-Weltmeister Kazan gelungen. „Dass wir ihm so gut Paroli bieten, ihn am Rande einer Niederlage haben, hätte von uns vorher wohl keiner erwartet“, sagte Stautz. „Wir selbst ja kaum.“ Anfangs war das vor 910 Zuschauern auch nicht abzusehen. Gleich die erste Szene der Partie ging völlig daneben. Der Aufschlag von Stautz landete im Netz. Sehr nervös und mit viel Respekt vor dem zweimaligen Europacup-Sieger präsentierte sich der SCP, sodass Satz eins klar verloren wurde. Doch dann wendete sich das Blatt, weil die Gastgeberinnen die Anspannung ablegten, leidenschaftlicher und cleverer spielten. 

Ein Knackpunkt war der Umgang mit dem Unterschied bei der Körperhöhe. Gegen die weitaus größeren Dinamo-Spielerinnen hatte Potsdam im ersten Durchgang noch zu oft auf Kraft bei den Angriffen gesetzt, um am gigantischen gegnerischen Block-Bollwerk vorbeizukommen – mäßig war der Erfolg. Nach dem Seitenwechsel versuchte es der Hernandez-Sechser vermehrt mit gefühlvollen, umsichtigen Offensivaktionen: Heber über den Block oder diesen so angeschlagen, dass der Ball ins Aus sprang. Kazan hatte damit Probleme. „Sie sind zwar groß, aber das bedeutet auch dass sie nicht die schnellsten sind“, erklärte Stautz grinsend. Immer wieder überlistete vor allem die „nur“ 1,79 Meter große Angreiferin den Kontrahenten. Zudem überzeugte die Potsdamer Abwehrarbeit. 

Frauen-Nationaltrainer lobt den SC Potsdam für seine Arbeit

2:1 ging der SCP in Führung, das russische Volkslied „Kalinka“ schepperte unter dem Jubel der Zuschauer aus den Musikboxen, was für die Gäste wie Hohn geklungen haben muss. Doch: „Im vierten Satz haben wir dann den Faden verloren“, so Stautz. Ausgleich. Es ging in den finalen Tie-Break, bei dem es das Brandenburger Team erneut zu sehr mit der Brechstange probierte. Letztlich setzte sich der Favorit durch. Am 18. Dezember folgt im Kampf um den Achtelfinaleinzug das Rückspiel in Kazan. Ein 3:0 oder 3:1 würde den SCP weiterbringen. Im Falle eines Potsdamer 3:2-Sieges, müsste der „Golden Set“ die Entscheidung bringen. „Es wird dort sicher noch schwerer, aber wir dürfen nach dieser Leistung heute auch selbstbewusst da antreten“, meinte SCP-Sportdirektor Toni Rieger.

Dessen Verein bestätigte mit dem starken Eurocup-Debüt den kontinuierlichen Aufwärtstrend der vergangenen Jahre. Jener wird auch anerkennend innerhalb Deutschlands wahrgenommen. Zum Beispiel von Felix Koslowski, dem Trainer des Rekordmeisters Schweriner SC und zugleich Frauen-Nationalcoach. Jüngst bezeichnete er den SCP als „Paradebeispiel“ für die Förderung des Volleyballs in der Bundesrepublik. „Potsdam setzt ein Zeichen an die Bundesliga, dass man auch mit vielen deutschen Spielerinnen im Kader und auf dem Feld erfolgreich sein kann“, sagte Koslowski. „Das gebührt größten Respekt.“ Langfristig werde sich dieser Weg für den märkischen Club „sehr positiv auswirken“, prophezeit er.

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