Will zurück auf den Rasen. Jennifer Cramer kämpft um ihr Comeback. Foto: Jan Kuppert
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Jennifer Cramer und Turbine Potsdam Vom Verein „fallen gelassen“

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Die Ex-Europameisterin Jennifer Cramer hat ihre Kritik an Turbine Potsdam erneuert. Der Potsdamer Frauenfußball-Bundesligist möchte diesmal aber nicht öffentlich darauf reagieren. Der Fall wirft Fragen auf.

Potsdam - Dass Turbine Potsdam den im vergangenen Sommer ausgelaufenen Vertrag von Jennifer Cramer nicht verlängert hatte, sorgte für viel Wirbel. Nun hat die Ex-Europameisterin im Gespräch mit der „Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen“ (HNA) das Thema neu befeuert. Dort heißt es, der Potsdamer Frauenfußball-Bundesligist habe sie „vor die Tür gesetzt“. Und die an einem Knieknorpelschaden laborierende Cramer erklärte frustriert: „Man lässt keine Spielerin fallen, die gerade verletzt ist. Das tut man im Sport einfach nicht.“

Diese Positionierung ist insofern brisant, weil der Verein im vergangenen September eine sogenannte Richtigstellung zu einem Bericht der Potsdamer Neuesten Nachrichten veröffentlicht hatte. Darin wurde unter anderem behauptet, die Aussagen von Jennifer Cramer seien nicht korrekt dargelegt worden. Die unlängst in der HNA erschienenen Zitate von Jennifer Cramer decken sich inhaltlich mit denen des PNN-Berichts, den die 25-Jährige bis heute unkommentiert auf ihrer Facebook-Fanseite geteilt hat. So sagte sie der HNA etwa über das Turbine-Angebot, sich nach abgeschlossener Reha der zweiten Mannschaft des Clubs anzuschließen: „Das wäre eine Option für den Wiedereinstieg, aber nicht mein Anspruch auf Dauer.“ Sie spricht im Konjunktiv. In der Richtigstellung hatte Turbine noch betont, Cramer lasse sich nicht die Teilnahme an der zweiten Mannschaft offen. Vielmehr wurde ihre Integration in das Zweitligateam als Fakt verkündet.

Turbine-Führung möchte sich ihrerseits an Vereinbarung mit Cramer und deren Berater halten

Das wirft Fragen zur Kommunikationspolitik von Turbine Potsdam und Jennifer Cramer auf. Der Verein hatte selbst zunächst gar nicht publik gemacht, dass die seit 2008 in Potsdam aktive zweifache Deutsche Meisterin keine Zukunft mehr im Kader von Cheftrainer Matthias Rudolph hat und daher keinen neuen Vertrag erhält. Auf PNN-Anfrage, wie die Clubführung Cramers frische Kritik in der „Hessischen Niedersächsischen Allgemeinen“ bewertet, teilte man mit, dass Turbine keine Veranlassung sehe, das Thema rund um Jennifer Cramer weiter aufzugreifen. Der Verein habe sowohl mit der Spielerin als auch ihrem Berater nach dem Erscheinen des PNN-Artikels „eine Vereinbarung getroffen, an die wir uns bisher gehalten haben und uns auch zukünftig halten werden“. Das Angebot zur Teilnahme an der zweiten Turbinemannschaft bestehe nach wie vor für Cramer, die durch medizinische Kräfte des Vereins bei ihrer derzeitigen Reha unterstützt werde.

Jene Phase des Wieder-Fitmachens absolviert die frühere Nationalkickerin ehrgeizig. Dass sie beim Brandenburger Erstligisten keine Berücksichtigung mehr findet, wolle sie nicht auf sich sitzen lassen, sagte sie der HNA. „Ich weiß, dass ich es kann und das wurde mir auch durch andere bestätigt.“ Anfragen anderer Vereine zu einem Wechsel habe es gegeben. Diese konnte sie bisher aber nicht wahrnehmen, weil sie als Mitglied der Brandenburger Landespolizei-Sportfördergruppe noch an die hiesige Region gebunden ist. Den Abschluss ihres fünfjährigen Studiums, das sie zur Polizeikommissarin macht, plant Cramer für dieses Jahr.

Verletzungsserie: Cramer hat seit fast vier Jahren nur sporadisch Spielpraxis gesammelt

Danach möchte sie wieder fest im Sport Fuß fassen. Eine große Herausforderung. Schließlich hat die Abwehr- und Mittelfeldakteurin seit fast vier Jahren nur sporadisch Spielpraxis gesammelt. Immerzu warfen sie langwierige Verletzungen aus der Bahn. Daher glaubte Turbine-Coach Rudolph nicht daran, dass sie seinem Team nochmal die nötige Qualität liefern kann. Aus „rein sportlichen Gründen“ habe er mit seinem Trainerteam entschieden, Cramers Vertrag nicht zu verlängern. Ein Urteil, dem nicht gerade wenige auch Berechtigung zusprechen.

Ob Jennifer Cramer die zweite Mannschaft als persönliche Aufbauhilfe in Anspruch nehmen wird, bleibt abzuwarten. Präsentieren wird sie sich aber wohl noch einmal als Turbine. Sogar als Turbine-Legende. Für das Treffen verdienter Potsdamer Ex-Fußballerinnen beim Hallencup Ende Januar in der MBS-Arena hat sie laut Verein ihre Zusage gegeben.

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