Der Viererbob von Pilot Nico Walther fuhr vergangenes Wochenende zu EM-Bronze - Teil der Crew ist der Neu-Potsdamer Eric Franke. Foto: Caroline Seidel/dpa
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In den Startlöchern Feilen an Potsdams nächster Bob-Generation

Potsdam ist Flachland, aber gilt als Hochburg für den Bobsport. Zwei Jahre nach seinem Karriereende formt nun dort der olympische Rekord-Anschieber Kevin Kuske an der Nachfolge und einem eigenen Statement.

Potsdam - Das Potsdam in Klammern, das viele Jahre lang regelmäßig hinter den besten deutschen Bobteams zu lesen war, wird es in diesem Winter nicht allzu häufig geben. Aus der Gilde der Anschieber vom Luftschiffhafen haben in der aktuellen Saison lediglich Eric Franke, Olympia-Silbermedaillengewinner von 2018, und Philip Wobeto das Format, um im Weltcup-Zirkus mitzutouren. Franke, der im vergangenen Mai vom BSC Sachsen Oberbärenburg zum SC Potsdam gewechselt war, holte am Wochenende bei der Europameisterschaft im Viererbob von Pilot Nico Walther immerhin die Bronzemedaille. Wobeto war derweil als EM-Ersatzmann nominiert. Saison-Höhepunkt ist im Anschluss an die Weltcupserie die Weltmeisterschaft in Altenberg Ende Februar.

Mit viermal Gold und zweimal Silber ist Kevin Kuske der bisher erfolgreichste Bobsportler bei Olympia.  Foto: Tobias Hase/dpa Vergrößern
Mit viermal Gold und zweimal Silber ist Kevin Kuske der bisher erfolgreichste Bobsportler bei Olympia.  © Tobias Hase/dpa

Potsdams erfolgreichster Bobsportler Kevin Kuske, sechsfacher Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, ist nach seinem Karriereende nach den Winterspielen von Pyeongchang 2018 nun bereits in der zweiten Saison Zuschauer. Aber dennoch mittendrin. Als Trainer des Bob- und Schlittenverbandes Deutschland und des Olympiastützpunktes Potsdam bildet er gemeinsam mit Jörg Weber in Potsdam eine neue Anschieber-Generation aus. Dabei arbeiten sie eng mit Leichtathletiktrainer Frank Möller vom SCP zusammen, der regelmäßig Athleten von der Tartanbahn für eine mögliche zweite Karrierechance in den Eiskanal vermittelt.

Vor allem im technischen Bereich gibt es viel Arbeit

„Wir haben derzeit 15 Athleten in der Trainingsgruppe mit guten Zubringerwerten“, sagt Kuske. Soll heißen: Das athletische Vermögen für eine Anschubkarriere ist vorhanden, muss aber natürlich spezifisch entwickelt werden. Vor allem aber fokussiert sich der 41-Jährige bei seiner Arbeit darauf, den Anschiebern die richtige Technik beizubringen. „Viele Athleten machen sich ihre Anschubzeiten trotz guter athletischer Werte wegen fehlender Technik kaputt“, weiß Kuske aus langjähriger Erfahrung. Und wo ließe sich die richtige Technik beim Anschieben und beim Einstieg besser trainieren als im Luftschiffhafen, wo seit vergangenem August eine rund 643.000 Euro teure Anschubstrecke zur Verfügung steht. Armhaltung, Fußstellung, Kniewinkel, Umgreifen und der Sprung in den Bob sind die Kriterien, an denen Kuske mit seinen Schützlingen akribisch feilt.

Die Anschubstrecke im Luftschiffhafen kostete rund 643.000 Euro uns sorgt nun für beste beste Trainingsbedingungen. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Die Anschubstrecke im Luftschiffhafen kostete rund 643.000 Euro uns sorgt nun für beste beste Trainingsbedingungen. © Sebastian Gabsch

Neben dem ehemaligen 100-Meter-Sprinter Franke zählen Dominik Strauß und Max Pietza zu den Namen, die Kennern der Potsdamer Sportszene durchaus vertraut sind. Ex-Speerwerfer Strauß wechselte bereits vor zwei Jahren das Metier und ist nach einigen Verletzungssorgen seit vergangenem Sommer wieder im Training. Pietza, einst ein hoffnungsvolles Dreisprung-Talent und Deutscher U20-Meister, sieht inzwischen seine sportliche Perspektive ebenfalls beim Bob. „Ich bin sehr überrascht von seinem Ehrgeiz und Engagement“, sagt Kuske über Pietza, der die Teilnahme an der Junioren-Weltmeisterschaft in diesem Jahr zum Ziel hat und Kuske zufolge in der kommenden Saison den Sprung in einen der deutschen Weltklasse-Bobs schaffen könnte.

Die neue Anlage im Luftschiffhafen hilft vor allem zur Verbesserung der Technik. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Die neue Anlage im Luftschiffhafen hilft vor allem zur Verbesserung der Technik. © Sebastian Gabsch

Kuske möchte sich noch mal als Anschieber präsentieren

Kuske selbst kam nach dem Juniorenalter als Sprinter nach einer Verletzung zum Wintersport, wo er zum erfolgreichsten Bob-Olympioniken aller Zeiten avancierte. Viermal Gold und zweimal Silber gewann der gebürtige Potsdamer bei den Wettkämpfen unter den fünf Ringen. „Ich vermisse es schon ein bisschen“, gesteht der er, dass ihm der Wettkampfrummel fehlt. 20 Jahre lang hatte er sein Leben bestimmt. Und ganz lassen kann es Kuske noch immer nicht. Beim Abtrainieren habe er in gemeinsamen Einheiten mit seiner Potsdamer Trainingsgruppe gemerkt, „dass ich noch immer ein gutes Niveau habe“, sagt er. Seit einiger Zeit bereitet er sich daher auf ein ganz konkretes Ziel vor und kündigt eine Überraschung an. „Kein Comeback, aber ein Statement“, stellt er sofort klar. Bei einem Wettkampf im kommenden Herbst, wenn in Oberhof in einem ersten Ausscheid die besten deutschen Anschieber für die Nationalmannschaft gesucht werden, tritt Kuske mit dem früheren Weltklasse-Anschieber Martin Putze in der Gästeklasse an. „Das ist ein kleines Projekt für mich“, sagt Kuske. Angesichts seines Fitnesszustandes ist er überzeugt, „dass der eine oder andere staunen wird“.

Die Bedingungen in Potsdam mit der neuen Anschubstrecke sind für Kuske nahezu verpflichtend, in naher Zukunft wieder Anschieber von Weltklasse-Format an den Start zu bringen. Mit Paul Hensel und Erec Bruckert fahren dieses Jahr bereits zwei Potsdamer Athleten im Europacup mit. Mit den früheren Leichtathleten Hannes Schenk (ehemals Dreisprung) und Oliver Paech (Stabhochsprung), Jan-Ole Zeine (Werfer) und Ruppert Schenk (Werfer) sowie mehreren einstigen American Footballern der Potsdam Royals sieht Kuske die Anschieber-Gilde gut aufgestellt für die kommenden Jahre.

+++ Buckwitz übt als Pilotin, Power hält sich fit +++

Bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang waren drei Bobsportler des SC Potsdam am Start. Alle schlugen danach neue Wege ein. Kevin Kuske, der seine sechste Olympiamedaille gewonnen hatte, beendete seine Ausnahmekarriere und ist nun Trainer. Sensationssiegerin Lisa-Marie Buckwitz ließ sich nach ihrem Gold-Coup von der Bobanschieberin zur -pilotin umschulen. Aktuell bestreitet sie ihre erste internationale Saison an den Lenkseilen. Im Europacup belegte sie bisher die Plätze acht, neun und zehn. 

Lisa-Marie Buckwitz, Kevin Kuske (r.) und Christian Poser (l.) beim Empfang in Potsdam nach den Olympischen Spielen 2018.  Foto: Nestor Bachmann/dpa Vergrößern
Lisa-Marie Buckwitz, Kevin Kuske (r.) und Christian Poser (l.) beim Empfang in Potsdam nach den Olympischen Spielen 2018.  © Nestor Bachmann/dpa

Und die Anschieberlaufbahn von Christian Poser ruht seitdem. Der Athlet, der bei Olympia 2018 Vierter und Achter wurde, schloss mittlerweile seine Ausbildung zum Brandmeister und Rettungssanitäter ab. Derzeit absolviert er ein Praktikum am Standort Königs Wusterhausen. „Ich halte mich weiterhin fit“, sagt Poser. Und damit hält er sich zugleich die Rückkehr in den Leistungssport offen. „Möglich ist es“, betont er. Seine US-amerikanische Ehefrau Jamie Greubel Poser, die ihre erfolgreiche Karriere als Bobpilotin Ende 2018 beendete, lebt mittlerweile in Potsdam und ist Lehrerin an der Internationalen Grundschule.


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