Petar Lela (l.) und Dominik Picak wechselten im Januar zum SVB.  Fotos: Verein
© Fotos: Verein

Fußballer im Homeoffice Kroatisches Duo des SVB hadert mit der Unsicherheit

Der Spielbetrieb ruht - wie es weitergeht, wissen Petar Lela und Dominik Picak nicht. Für die beiden ausländischen Kicker des SV Babelsberg 03 ist es eine schwierige Situation, denn in der Heimat stehen wichtige Momente des Privatlebens bevor.

Potsdam - Wo immer möglich, wird während der Coronavirus-Pandemie von zuhause aus gearbeitet. Auch Petar Lela und Dominik Picak sind momentan im Homeoffice. Allerdings eher schlecht als recht. Sie sind Fußballprofis des Regionalligisten SV Babelsberg 03 und können derzeit ihrem Job nur sehr eingeschränkt nachgehen.

Der Spielbetrieb ist unterbrochen, Mannschaftstraining findet ebenfalls nicht statt. Deshalb können die beiden Kroaten nur individuell arbeiten. „Wir laufen durch den Park Babelsberg und machen Stabilisationsübungen hier“, sagt Lela. „Und das da.“ Er sitzt im Gemeinschafts- und Essbereich ihrer Wohneinheit nahe des Plantagenplatzes und zeigt zu einer freigeräumten Zimmerecke. In deren Mitte steht ein flacher, weißer TV-Schrank. Diesen nutzen sie als Netz für Fußballtennis. „Wir sind hergekommen, um Fußball zu spielen, um dem SVB beim Kampf um den Klassenerhalt zu helfen“, sagt Picak. „Aber jetzt können wir eigentlich gar nichts machen.“

„Vier Wochen Quarantäne bringen uns gar nichts“

Die Situation ist für die beiden Winter-Neuzugänge jedoch nicht nur aus beruflicher Sicht schwierig. Im privaten Bereich sei sie „eine noch größere Belastung“, erzählt Innenverteidiger Lela. All ihre Teamkollegen seien bei den Familien in Deutschland. Sie hingegen können nur per Videochat Kontakt in die Heimat halten. „Wenn wir nach Kroatien reisen würden, müssten wir da zwei Wochen in Quarantäne, wenn wir zurückkommen, dasselbe nochmal“, erklärt Lela. „Vier Wochen Quarantäne bringen uns gar nichts.“

Petar Lela (r.) etablierte sich in kürzester Zeit als wichtige Stütze in der SVB-Abwehr. Foto: Sebastian Gabsch Vergrößern
Petar Lela (r.) etablierte sich in kürzester Zeit als wichtige Stütze in der SVB-Abwehr. © Sebastian Gabsch

Schließlich bleibt abzuwarten, wann und wie die Saison fortgesetzt wird. Oder ob überhaupt. Babelsberg ist Drittletzter der Tabelle, hat noch zehn Saisonspiele zu absolvieren. Der Nordostdeutsche Fußballverband, der für die hiesigen Regional- und Oberligen zuständig ist, verlängerte am Mittwoch seine Generalabsage bis 19. April. Zuvor galt sie bis 22. März. Am Dienstagabend hatte auch schon der Fußball-Landesverband Brandenburg diese Entscheidung für die darunter liegende Landes- und Kreisebene bekanntgegeben – das schließt das SVB-Halbfinale im Brandenburg-Pokal gegen Grün-Weiß Lübben ein, das am 28. März stattfinden sollte.

Lela will Ende Mai heiraten, Picak wird zum ersten Mal Vater

„Wir brauchen klare Ansagen“, fordert Torhüter Picak. „Gerade leben wir nur von Tag zu Tag. Es wäre besser, wenn eine generelle und einheitliche Entscheidung über den weiteren Umgang mit der Fußballsaison getroffen werden würde.“ Im deutschen Eishockey und Volleyball wurde bereits vorige Woche rigoros die Bundesligasaison vorzeitig beendet – auch um ausländischen Spielern rechtzeitig die Heimreise zu ermöglichen. „Sollte es demnächst dazu kommen, dass die Grenzen komplett geschlossen werden und wir hier immer noch im Unklaren sitzen, wäre das heftig für uns“, sagt Lela. „Keine Ahnung, ob und wie wir dann nach Hause kommen würden.“

In den Testspielen und auch drei Ligapartien kam Torwart Dominik Picak bislang für den SVB zum Einsatz.  Foto: Manfred Thomas Vergrößern
In den Testspielen und auch drei Ligapartien kam Torwart Dominik Picak bislang für den SVB zum Einsatz. ©  Foto: Manfred Thomas

Doch sie möchten demnächst unbedingt dorthin, denn es stehen wichtige Momente des Privatlebens bevor. Lela hat seine kirchliche Trauung mit großer Feier für den 30. Mai geplant - „extra nach dem eigentliche Ende der Saison“. Und Picak erwartet wenige Tage zuvor die Geburt seines ersten Kindes. „Natürlich will ich unbedingt bei meiner Frau sein, wenn es soweit ist“, sagt der 28-Jährige. „Ich hoffe, alles klappt - irgendwie.“

Schritt nach vorne und Schritt aus der Hektik

Dass er womöglich während der Rückrunde zur Geburt nach Hause abreist, hatte Picak bereits im Januar mit dem neuen SVB-Trainer Predrag Uzelac geklärt. Auch er ist Kroate. Picak spielte schon 2016 in Deutschland, beim BV Cloppenburg. In dieser Zeit lernte er Uzelacs Sohn Franko kennen, der 2018/19 für Babelsberg auflief. Zuletzt war Picak in der zweiten kroatischen Liga aktiv und freute sich, als im Winter das Angebot für einen Wechsel zu Nulldrei kam. „Auch wenn es hier nur die vierte Liga ist, ist alles viel professioneller als ich es zuvor kannte“, sagt der Keeper, der nach den Testspielen bisher auch in drei Pflichtpartien eingesetzt wurde. „Für mich ist das hier ein Schritt nach vorne.“

Lela war kurz vor Transferschluss von Rot-Weiß Erfurt in die Filmstadt gewechselt, nachdem die Thüringer aufgrund ihrer Zahlungsunfähigkeit den Spielbetrieb einstellen mussten.

Sofort etablierte sich der Abwehrspieler, der am Dienstag 25 Jahre alt wurde, als wichtige Stütze in der Defensive, erzielte bei fünf Einsätzen im Nulldrei-Dress auch schon ein Tor. „Die letzte Zeit in Erfurt war hektisch und scheiße“, sagt er. „Dann war ich froh, beim SVB zu sein, habe es genossen und dachte, jetzt kann Ruhe einkehren.“ Aber stattdessen zwingt die Coronakrise ins fußballerische Homeoffice und somit zu viel mehr Ruhe, als ihm lieb ist.

Zur Startseite