Im Visier. Beim Discgolf müssen Frisbees in Metallkörbe geworfen werden. Foto: Verein
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Deutsche Discgolf-Meisterschaft in Potsdam In der Welt der fliegenden Scheiben

Der Potsdamer Verein Hyzernauts richtet an zwei Orten die Deutsche Meisterschaft im Discgolfen aus. Er stellt dabei vier Titelverteidiger, betreibt für die Turnierdurchführung großen Aufwand und lobt eine ganz besondere Prämie aus.

Discgolf ist Sport und zugleich Wissenschaft. „Das hat viel mit Physik zu tun“, sagt Daniel Blank. Wer am Startpunkt mit seiner Scheibe in der Hand steht, schmeißt zunächst das innere Kino an, stellt sich vor, wie geworfen werden muss, um den besten Weg zu finden. „Die Beschaffenheit des Parcours und Windeinflüsse müssen mit bedacht werden. Es lassen sich die verrücktesten Lösungen finden, wie genau die Scheibe durch die Luft Richtung Ziel fliegen soll“, erklärt der Vorsitzende der Hyzernauts. Jener Potsdamer Verein ist von Freitag bis Sonntag Ausrichter der 33. Deutschen Meisterschaft im Discgolfen.

Entwickelt hat sich diese Sportart in den USA der 1970-er Jahre. Angelehnt ist sie an das klassische Ballgolf. Statt mit Schläger eine kleine Kugel in ein Loch zu befördern, werden hierbei Frisbeescheiben in Fangkörbe aus Metall geworfen. Und das mit möglichst wenigen Versuchen. Deutschlands Discgolf-Elite versammelt sich nun erstmalig in Potsdam für die Titeljagd. Die Szene ist zu Gast bei den Besten des vergangenen Jahres. 2017 stellten die Hyzernauts vier von sechs Siegern des nationalen Championats. „Wir hoffen natürlich, dass wir zu Hause wieder erfolgreich abschneiden“, sagt Daniel Blank. In den Wertungskategorien – U18-Junioren, Open, Women, Ü40-Master, Ü50-Grandmaster sowie Ü60-Seniorgrandmaster – werden 24 Hyzernauts antreten. Insgesamt nehmen 128 Aktive teil.

Veranstaltungsbudget von 25.000 Euro

Um dieser hohen Anzahl und den Ansprüchen gerecht zu werden, betreibt der Potsdamer Club großen Aufwand. Er richtet gleich zwei Wettkampfanlagen mit je 16 Bahnen her. Eine komplett neue mobile Stätte entsteht im Park von Schloss Marquardt. Der bereits bestehende Parcours im Volkspark wird modifiziert – 2006 hatten die Hyzernauts ihn mit 15.000 Euro aus Lottomitteln gebaut. „Der ist für Einsteiger konzipiert“, erklärt Blank. „Da müssen wir für die Meisterschaft natürlich aufrüsten.“ Von den 15 bestehenden Bahnen werden einige umgestaltet, schwieriger und länger gemacht. Dazu gibt es mobile Bahnen, die exklusiv neue Herausforderungen bieten. Die Längen vom Abwurf bis zum Fangkorb liegen zwischen 51 und 248 Metern. Kostspielig ist die Durchführung der Meisterschaft, doch konnten die Hyzernauts zahlreiche Förderer akquirieren. „Wir haben ein Veranstaltungsbudget von etwa 25.000 Euro erreicht“, berichtet der 35 Jahre alte Vereinschef. Zudem wird eine ganz besondere Prämie ausgelobt. Schafft ein Teilnehmer an einer bestimmten Bahn das sogenannte Hole-in-one, also das Versenken mit nur einem Wurf, gewinnt er ein Auto im Wert von 10.000 Euro.

Die Meister werden über fünf Runden ermittelt. Am Freitag und Samstag muss jeder Starter beide Parcours zweimal absolvieren (Beginn: 9 und 14 Uhr) – die Stärksten messen sich dann am Sonntag ab 8 Uhr beim Finaldurchlauf im Volkspark. An der dortigen Viereckremise möchten die Hyzernauts den Besuchern ihren Sport näher vorstellen und Einführungen in die Welt der fliegenden Scheiben geben.

Mit seinen mehr als 70 Mitgliedern sei der zur Jahrtausendwende gegründete Potsdamer Verein der drittgrößte seiner Art in Deutschland, sagt Blank. Durch vielfältige Aktionen wie Workshops für Firmen und Schulklassen sowie Camps mit Geflüchteten oder viele Turniere versuchen die Hyzernauts, weitere Mitstreiter zu finden. „Unsere Gemeinschaft wächst“, betont der Vorsitzende. Damit steht die Entwicklung jedoch im Gegensatz zu den infrastrukturellen Gegebenheiten. Unter der Verkleinerung des Volksparks leidet auch der viel genutzte öffentliche Hyzernauts-Parcours. Weitere Einschnitte drohen. Daher hegt der Club zwei Wünsche: den ordentlichen Erhalt der aktuellen Anlage und die Möglichkeit, auf einem städtischen Gelände eine zweite zu bauen. So ließe sich langfristig ein Status von Potsdam wahren, meint Blank. Der einer Discgolf-Hochburg.

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