Freude pur. Die diesjährigen Sieger der Preußischen Meile Carolin Mattern und Netserab Kesete machten nach dem Rennen ein gemeinsames Foto mit Kesetes Fangemeinde. Foto: Peter Könnicke
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Brandenburg läuft: Preußische Meile Richtig angekommen in Potsdam

Netserab Kesete und Carolin Mattern waren die Schnellsten im Rekordfeld der Preußischen Meile. Vor dem 7,5-Kilometer-Hauptevent fanden auch wieder die Schülerläufe statt, bei denen sich einige Eltern am Streckenrand angesichts der hohen Temperaturen fragwürdig verhielten.

Als Netserab Kesete im vergangenen Jahr die Preußische Meile lief, kostete ihn ein Missgeschick den Sprung auf das Siegerpodest. Nach der letzten von vier Laufrunden durch die Potsdamer Innenstadt geht es nicht wie dreimal zuvor geradeaus weiter, sondern scharf ab nach rechts ins Ziel. Kesete verpasste den Abzweig, wurde noch überspurtet und Vierter. Er wütete und schimpfte mit sich selbst über den undankbaren Ausgang des Rennens. Vor anderthalb Jahren kam Kesete als Flüchtling aus Eritrea nach Potsdam. Inzwischen findet sich der 30-Jährige ganz gut zurecht in der Landeshauptstadt – und auf dem 7,5-Kilometer-Kurs der Preußischen Meile. Am vergangenen Freitag bog er rechtzeitig auf die Zielgerade ein und gewann in 26:12 Minuten die 24. Auflage des Internationalen Sparkassenlaufes.

„Es ist schön, hier zu gewinnen“, sagte Kesete, der beim Potsdamer Laufclub (PLC) seine sportliche Heimat gefunden hat und bei regionalen Laufveranstaltungen längst kein Unbekannter mehr ist. Erst vor Wochenfrist gewann er den MBS-Cuplauf in Bestensee.

Mehr als 1600 Schüler sowie 394 Hauptlaufteilnehmer am Start

Streckenkenntnis hat auch Carolin Mattern. Vor zwei Jahren gewann die Berlinerin den Potsdamer Citylauf. Nach einer Babypause ist die 32-Jährige wieder laufend unterwegs – und das in guter Form. Vor einer Woche wurde sie bei der deutschen Meisterschaft Neunte über 5000 Meter in 16:40 Minuten. „Für heute hatte ich jedoch gar kein so gutes Gefühl“, sagte sie nach ihrem überzeugenden Sieg am Freitagabend. Mit gerade mal 43 Sekunden Rückstand auf den Sieger der Männer zeigte sie dann aber die beste Leistung des Abends. Zweite wurde die 18-jährige Jasmin Beer von Kimbia Sports (29:57), die vor wenigen Wochen Zehn-Kilometer-Siegerin beim Potsdamer Schlösserlauf war. Dritte: Diana Lehmann von gotorun (30:23). Die einst erfolgreiche Bergläuferin aus Potsdam, die 2010 bei der Berglauf-WM Zweite mit der Mannschaft wurde, betreibt inzwischen eine Heilpraxis für Sportler in Potsdam. „Irgendwo muss das abgespeichert sein“, wunderte sie sich über ihre Leistung am Freitagabend, „denn mein Trainingspensum in den vergangenen Wochen war sehr überschaubar.“

Trotz der hohen hochsommerlichen Temperaturen vermeldete der PLC als Veranstalter einen Teilnehmerrekord für die Preußische Meile. Mehr als 1600 Schüler waren am Start, für den Hauptlauf hatten sich 394 Läufer gemeldet. Bei 36 Grad am späten Nachmittag wurden die Distanzen für die beiden jüngsten Klassenstufen um 300 Meter auf 1,5 Kilometer verkürzt, um die ohnehin große Anstrengung etwas zu reduzieren. So vorsorglich traten einige Eltern der jüngsten Teilnehmer nicht auf: Wie vehement da so manches Kind trotz sichtbarer Anstrengung von überehrgeizigen Eltern angetrieben wurde, widersprach allen mahnenden Hinweisen des Sprechers, es angesichts der Hitze eher gemächlich angehen zu lassen. Wie man das macht, weiß indes Rigo Gebhardt ganz genau. Der 57-jährige Berliner war bislang – ebenso wie Johannes Matthews – bei jeder Preußischen Meile am Start. So auch bei der 24. Auflage. „Ich kann in aller Ruhe meine Runde drehen. Alle sind nett. Ich mag den Lauf einfach“, meinte der Dauer-Läufer nach seinem Finish. 

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