Mehr geförderter Sportunterricht und effektive Inhalte ist das Ziel einer Studie der Uni Potsdam.  Foto: W. Grubitzsch/dpa
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Adipositas und Bewegungsdefizite in Brandenburg Mehr Bewegung als Ziel

Im Laufe der Schulzeit verdoppelt sich in Brandenburg die Zahl adipöser Mädchen und Jungen von rund vier Prozent bei Schulbeginn auf über neun Prozent bei Schulende. Die Universität Potsdam startet nun eine Studie, um den Sportförderunterricht zu verbessern.

Potsdam - „Sehr interessante Ergebnisse“ erwartet Kathleen Golle, akademische Mitarbeiterin der Universität Potsdam. Deren Sport- und Trainingswissenschaftler starten ab kommenden Februar gemeinsam mit dem brandenburgischen Bildungsministerium, dem Landessportbund (LSB) und der AOK Nordost die SMaRTER-Studie: An zwölf Brandenburger Schulen sollen über einen Zeitraum von vier Jahren jeweils sechs Monate die Effekte von Sportförderunterricht auf die motorische und kognitive Entwicklung von Grundschulkindern erforscht werden.

Kinder sollen für eigenes Sporttreiben animiert werden

Zu Beginn der Studie werden die teilnehmenden Schüler aller zwölf Schulen hinsichtlich ihrer körperlichen Aktivitäten, motorischen Entwicklung, körperlichen Konstitution, kognitiven und schulischen Entwicklung sowie ihres psychosozialen Wohlempfindens befragt und getestet. Anschließend bekommen an sechs Schulen – der Interventionsgruppe – Schüler zweimal wöchentlich eine zusätzliche 45-minütige Sportförderunterrichtsstunde am Nachmittag. An sechs weiteren Schulen – der Kontrollgruppe – gibt es keinen zusätzlichen Unterricht.

Sportförderunterricht gibt es in Deutschland seit etwa 30 Jahren. Im Land Brandenburg fehlt dafür jedoch ein einheitlicher Lehrplan. Daher ist es Ziel der Studie, effektive Bewegungs- und Trainingsinhalte zu standardisieren und die kurz-, mittel- und langfristigen Effekte von halbjährigem Sportförderunterricht zu analysieren. Mittelfristig soll nach Plänen des Landes Brandenburg allen märkischen Grundschulen eine zusätzliche Stunde Sportförderunterricht pro Woche zur Verfügung gestellt werden. Weiteres Ziel ist es, die teilnehmenden Kinder mittelfristig für eigenes Sporttreiben zu animieren – möglichst in einem Sportverein. Helfen soll dabei das LSB-Förderprogramm mit Bewegungsangeboten für Kinder mit motorischen Defiziten und Fortbildung, für die extra geschulte Bewegungscoaches ausgebildet werden.

Aus übergewichtigen Kindern werden übergewichtige Erwachsene

Projekt-Mitarbeiterin Golle sieht in Brandenburg durch die SMaRTER-Studie einen sehr vielversprechenden Ansatzpunkt für Sportförderunterricht, „um auch Kinder mit Übergewicht und beginnender Adipositas in ihrer ganzheitlichen Entwicklung zu fördern und vor allem zu mehr Bewegung als Schlüsselfaktor zu animieren“. Gerade weil Politik, Krankenkasse, organisierter Sport und Wissenschaft zusammenarbeiten, könne die sehr repräsentative Studie nachhaltig wirken. Das sei auch dringend notwendig. Denn im Laufe der Schulzeit verdoppelt sich in Brandenburg die Zahl adipöser Mädchen und Jungen von rund vier Prozent bei Schulbeginn auf über neun Prozent bei Schulende. Gleichzeitig nehme in dieser Zeit der Bewegungsmangel und motorische Defizite zu. „Zu 80 Prozent werden aus übergewichtigen oder adipösen Kindern auch übergewichtige oder adipöse Erwachsene“, sagt Golle. Daher sei eine frühe Intervention wichtig.

Jedoch sind die Ursachen für Übergewicht und Adipositas nicht nur in mangelnder Bewegung zu sehen. „Das ist multikausal zu sehen“, sagt Golle, sodass es auch multimodale Interventionen geben müsse. Mit dem landesweiten Projekt „Henriettas bewegte Schule“ werden derzeit an 40 Schulen fachübergreifend Maßnahmen angeboten, um das Bewegungs- und Gesundheitsbewusstsein von Schülern und auch Eltern zu fördern. 

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