Aufgrund der Nähe zueinander ist der Turbine-Hallencup für Zuschauer und Spielerinnen gleichermaßen ein besonderes Erlebnis. Foto: Matthias Schütt
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Achte Auflage des internationalen Hallenturniers Der Turbine-Cup ist nahezu einzigartig

Vor einigen Jahren gab es vielerorts in Deutschland noch große Frauenfußball-Hallenturniere. Der Budenzauber in Potsdam ist eines der wenigen verbliebenen. Dieses Jahr ist der Cup Teil einer "Hardcore-Woche" für die Turbinen.

Grüner Rasen in der Halle, knapp 2000 Zuschauer, internationales Vokabular: Das sind einige der Zutaten, die das Sport-Wochenende am 18. und 19. Januar in Potsdam schmackhaft machen. Der 8. Internationale AOK-Hallencup des 1. FFC Turbine Potsdam steht im Kalender. Neben dem Frauenfußball-Bundesligisten als Gastgeber werden sieben europäische Mannschaften in der MBS-Arena im Luftschiffhafen aufdribbeln.

Turnier werte das sportliche Prestige Potsdams auf

„Dieses Turnier hat eine brutale Tradition, ist ein Magnet“, sagt Marcus Gallinat von der AOK Nordost, die von Beginn an Namensgeber und Förderer der Veranstaltung war. Viel mehr an solcher Unterstützung wünscht sich Turbines Co-Trainer Dirk Heinrichs, schließlich werte das Turnier das sportliche Prestige der Brandenburger Landeshauptstadt auf.

Turbine gewann vier der bisher sieben Turnierauflagen - zuletzt 2018.  Foto: Ronny Budweth Vergrößern
Turbine gewann vier der bisher sieben Turnierauflagen - zuletzt 2018.  © Ronny Budweth

Ursprüngliche Idee hinter dem internationalen Budenzauber war, die Gegner, gegen die Turbine in seinen erfolgreichen Jahren in der Champions League spielte, nach Potsdam einzuladen. Nun war der Klub von der Havel in den vergangenen Jahren lediglich Zuschauer des Fußballs auf europäischer Bühne, sodass die Gegnerschaft beim Hallencup zwangsläufig keine Champions-League-Konkurrenz ist. Zum anderen sind es über die Jahre gediehene freundschaftliche Verbindungen zu Vereinen wie Sparta Prag oder SKN St. Pölten aus Österreich.

Heinrichs kritisiert Linie des Deutschen Fußball-Bundes

Neben dem SAP-Turnier in Hoffenheim ist der Turbine-Cup das letzte große Frauenfußballturnier unterm Dach, das in Deutschland verblieben ist. Einst attraktive und populäre Veranstaltungen wie in Kiel, Bielefeld-Jöllenbeck oder das DFB-Masters in Magdeburg sind längst Geschichte. Das der Deutsche Fußball-Bund in der Halle ausschließlich Futsal fördert, ist für Turbine-Co-Trainer Heinrichs schwer zu verstehen. „Das Spiel mit der Bande beim Hallenfußball ist gerade für die Ausbildung und Entwicklung junger Spielerinnen gut und wichtig, weil es dreidimensionales Denken verlangt“, sagt er. Doch es werde auch in Potsdam ohne weitere Unterstützung immer schwieriger, das Turnier am Leben zu halten.

Glück also für die regionale Fangemeinde, übernächstes Wochenende in der MBS-Arena zwei Tage lang Fußball noch hautnah erleben zu können. „Auch für uns Spielerinnen ist es schön, so engen Kontakt zu den Fans zu haben“, sagt Luca Maria Graf. Die 20-jährige Turbine-Spielerin loste am Montag die Zusammensetzung der Gruppen aus und bewies dabei ein gutes Händchen. Denn in der Vorrunde gehen sich die Vorjahresfinalisten Turbine und Sparta Prag aus dem Weg. Die Tschechinnen, die 2019 das Endspiel 4:1 gewannen, treffen in ihrer Gruppe auf die beiden österreichischen Teams St. Pölten und Turnier-Neuling Austria Wien sowie Gintra Universitetas aus Litauen. Turbine wird gefordert von Fortuna Hjörring aus Dänemark, Roter Stern Belgrad aus Serbien und den Polinnen von Czarni Sosnowiec.

Testspiele gegen Fortuna Hjörring und Medyk Konin

Für Turbine Potsdam ist der Hallencup Teil der Vorbereitung auf die Rückrunde der Bundesliga, die am 16. Februar mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln fortgesetzt wird. Am Montag war Trainingsauftakt für den aktuell Tabellenfünften der Bundesliga – Laufeinheiten, Kraft und Technik stehen in diesen Tagen auf dem Programm. Ab dem kommenden Montag stehe den Turbine-Spielerinnen laut Heinrichs eine „Hardcore-Woche“ bevor. Am Mittwoch gibt es ein Testspiel gegen Fortuna Hjörring und am Freitag gegen den vierfachen polnischen Meister Medyk Konin, ehe es tags darauf unters Hallendach geht.

Der Turnier-Kader formiert sich in den nächsten Tagen. Die Spielerinnen können sich in eine Liste eintragen, wenn sie am Hallencup teilnehmen wollen. Wie üblich verzichten einige Akteurinnen, weil sie gerade aus einer Verletzungspause zurückkehren. Oder weil sie angesichts früherer Verletzungen beim rasanten Hallenkick auf dem verhältnismäßig stumpfen Kunstrasen nichts riskieren wollen. Stehen am Ende nicht ausreichend Namen auf der Liste, „werden wir die eine oder andere Spielerin aus dem Nachwuchs fragen“, erklärt Heinrichs. „Und sind es zu viele, werden wir niemanden aussortieren.“

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