Vereinsikone Bernd Schröder. Foto: dpa
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50 Jahre Frauen am Ball Turbine Potsdam feiert Jubiläum

Michael Lachmann

Als erster Verein aus der ehemaligen DDR gewann Turbine Potsdam 2004 eine gesamtdeutsche Fußballmeisterschaft im Erwachsenenbereich. Heute feiert der Traditionsverein seinen 50. Geburtstag.

Potsdam - Die Entstehungsgeschichte der Frauenmannschaft von Turbine Potsdam mutet kurios an. Auf einer Versammlung im Jahr 1971 übten auch weibliche Mitglieder Kritik an den schwachen Leistungen der Männermannschaft. Die kickenden Herren des Energiekombinates wiesen diese zurück. Wenige Tage später hing am Schwarzen Brett des Trägerbetriebes der Betriebssportgemeinschaft (BSG) ein anonymer Aushang: „Gründen Frauen-Fußball-Mannschaft. Bitte melden, 3. März, 18 Uhr im Klubhaus.“ Der Urheber des Aushangs wurde nie gefunden.

Bernd Schröder, erster Trainer der Turbinen und später Ikone der Potsdamerinnen, erinnerte sich an die Anfänge. „Zum ersten Termin kamen 40 Spielerinnen“, sagte Ex-Coach Schröder kurz vor dem 50. Jubiläum des Clubs an diesem Mittwoch: „Ich habe den Mädels aber von Anfang an klar gemacht, dass wir Leistungssport betreiben wollen. Drei Tage später waren wir nur noch 20 Spielerinnen.“

2010 gewinnt Turbine die Champions League

Zu DDR-Zeiten gewann der Verein zwischen 1981 und 1989 sechs Meisterschaften. Nach der politischen Wende mussten in erster Linie wirtschaftliche Hürden übersprungen werden, ehe sich weitere Erfolge einstellten. Von 2004 bis 2012 kamen sechs gesamtdeutsche Meisterschaften hinzu. Dazu gewann die Mannschaft drei Mal den DFB-Pokal. Auch international wurde Turbine zur europäischen Größe, gewann 2005 den UEFA-Womens-Cup und 2010 sogar die in jenem Jahr eingeführte Champions League.

Diese Triumphe scheinen im Karl-Liebknecht-Stadion für den Tabellenvierten der Bundesliga derzeit recht weit entfernt. Als reiner Frauenfußball-Verein pocht der Club trotz einer Kooperation mit Hertha BSC auf Eigenständigkeit. „Ohne das Geld von Hertha wäre es für uns verdammt schwer“, sagte Schröder, der heute Ehrenpräsident des Vereins ist. In Potsdam betrachtet man sich deshalb in erster Linie als Ausbildungsverein. „Aber das waren wir ja eigentlich schon immer“, sagte Schröder, „bis auf wenige Ausnahmen haben wir junge Spielerinnen geformt, die uns nach nur wenigen Jahren wieder verlassen haben.“

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Anschluss halten

In der Regel zur zahlungskräftigen Konkurrenz. Turbine ist derzeit dennoch bemüht, Anschluss an Clubs wie Bayern München, den VfL Wolfsburg oder die TSG Hoffenheim zu halten. „Ich glaube, Turbine ist ein Verein mit sehr viel Tradition und es wäre schade, wenn das irgendwann nicht mehr ist“, sagte der aktuelle Cheftrainer Sofian Chahed und fügte an: „Aber ich denke, wenn man sich weiter halten kann und den einen oder anderen Sponsor dazugewinnen kann, dann könnte Turbine als reiner Frauenfußballverein sich als Aushängeschild etablieren.“ Auch in den nächsten 50 Jahren. (dpa)

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