Die Schlösserstiftung sperrt wegen der starken Trockenheit einzelne Bereiche ihrer Parks. Foto: Andreas Klaer
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Zu frühe Blüte Der milde Winter schadet Potsdams Bäumen

Ist der Winter zu warm, haben Bäume Stress: Pilze und Milben könnten sie angreifen. Potsdams Baumhüter müssen jetzt tief in die Tasche greifen.

Potsdam - Die zwei trockenen Sommer in Folge haben den Potsdamer Bäumen stark zugesetzt. Viele Obstbauern und Parkbetreiber haben nun auch mit überdurchschnittlichen Temperaturen im Winter zu kämpfen. Wie Daten des privaten Wetterportals Wetterkontor zeigen, war der Januar 4,8 Grad wärmer als der Jahresdurchschnitt zwischen 1961 und 1990. Im Februar waren es bisher sogar 5,6 Grad. Die Gefahr vor allem für Obstbauern: Die Bäume könnten früher ausschlagen und Blüten bekommen, warnt der in Potsdam tätige Baumgutachter Mario Zeidler. „Kommt dann der Frost im Frühling, sterben die Blüten ab.“

Obstbauer Gerhard Neumann von Neumanns Erntegarten kennt dieses Phänomen. 2019 seien durch Frostschäden 90 Prozent seiner Apfelblüten kaputtgegangen. „Bei den Kirschen waren es sogar 98 Prozent“, so Neumann. 2017 sei es sogar noch schlimmer gewesen, „ein Totalschaden“, wie der Obstbauer sagt. Finanziell seien solche Ernteausfälle eine große Belastung für den Betrieb. Ob auch dieses Jahr die Bäume früh blühen, könne man derzeit noch nicht sagen. „Ich hoffe nicht, aber das ist schlichtweg nicht prognostizierbar“, so Neumann. 

Gerhard Neumann. Foto: Stefanie Schuster Vergrößern
Gerhard Neumann. © Stefanie Schuster

Kosten steigen enorm

Auch Lutz Kleinert vom Obstgut Marquardt bereiten die derzeit milden Temperaturen sorgen: „Das ist schlecht für unsere Bäume. Sie brauchen eine Art Winterschlaf und den machen sie nur, wenn es richtig kalt ist.“ Wenn der Winter warm ist, bedeute das für den Baum Stress. Die Folge: Eine geringe Ernte in den warmen Monaten. Auch würden es die milden Temperaturen Pilzen oder Milben leichter machen, die den Bäumen weiter schaden. „Um dem entgegenzuwirken, setzten wir unter anderem kupferhaltige Mittel ein“, sagt Kleinert. Die Kosten für das Spritzen der 15 Hektar großen Plantage würden jährlich mindestens bei 12.000 bis 15.000 Euro liegen. „Die steigen immer weiter“, sagt Kleinert. Biologische Pflanzenschutzmittel, also natürliche Gegenspieler von Krankheitserregern, würden oft nicht mehr reichen.

Gerhard Neumann sieht gerade in dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein Problem. „Die Bevölkerung will, dass wir nicht spritzen, will aber am Ende einen perfekten Apfel. Natürliche Narben, die es in der Natur gibt, darf er nicht haben.“ Das sei ein Widerspruch, den viele Menschen nicht verstehen würden. Neumann selbst spritze, wie er sagt, so wenig es geht, am liebsten gar nicht. Aber so viel, dass er vom Ertrag leben könne. 

Die Hitze im Sommer hat noch mehr geschadet

Viel schlimmer als der milde Winter sei die Trockenheit und die Hitze in den vergangenen beiden Sommern gewesen. „Das hat uns furchtbar zu schaffen gemacht“, sagt Neumann. „Der Schaden für uns betrug etwa 80.000 Euro.“ Darin enthalten seien ausgefallene Erträge, aber auch Ersatz für abgestorbene Pflanzen. „Wenn es in den kommen Jahren so weiter geht, wäre das eine Katastrophe für mich“, sagt Neumann.

Im Jahr 2018 wurden nur 355 Liter Regen pro Quadratmeter registriert, wie Daten der vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) betriebenen Säkularstation zeigen. Normal waren in der Zeit von 1961 bis 1990 im Schnitt rund 600 Liter pro Quadratmeter. Zwar hat es im vergangenen Jahr mit knapp 540 Litern pro Quadratmeter wieder deutlich mehr geregnet. Statistiken zeigen aber, das vor allem die Zeit zwischen April und Juni zu trocken war. 

Einen Vorteil hat der milde Winter

Baumgutachter Mario Zeidler ist überzeugt, dass bei weiterer Trockenheit in den warmen Monaten die Probleme mit Krankheiten und Schädlingen immer größer werden. „Die Bäume sind geschwächt. Da herrscht leichtes Spiel.“ Schädlinge seien auch bei Lutz Kleinert sehr präsent, man habe sie aber im Griff. So seien die Kirschfruchtfliege, Läuse und die Obstbaumspinnmilbe, die vor allem die Blätter und Blüten von Apfelbäumen befällt, für das Obstgut durch Pflanzenschutzmittel ein „handhabbares Problem“, aber mit Kosten verbunden.

Den milden Winter in diesem Jahr bewertet Baumgutachter Zeidler zumindest in Bezug auf den Wasserhaushalt positiv: „Es ist feuchter. Das ist für die Bäume gut.“ Die Lage würde sich verschlimmern, wenn die Winterniederschläge auch noch ausblieben. 

750 Bäume in Potsdams Parks nicht mehr zu retten

Besonders stark betroffen sind die Bäume in den Parks der Schlösserstiftung in Potsdam. Aufgrund der Trockenheit seien alleine im Park Sanssouci um die 750 Bäume, die teils knapp 200 Jahre alt waren, nicht mehr zu retten gewesen, sagt Stiftungssprecher Frank Kallensee. Im Neuen Garten und auf dem Pfingstberg seien an die 220 Bäume abgestorben. Im Park Babelsberg werden wohl rund 200 ausgewachsene Bäume sterben, 50 sind bereits tot. „Erst im Frühling, wenn die Bäume austreiben, werden wir sehen, wie groß das Ausmaß der verlorenen Bäume war“, so Kallensee. 
Derzeit finden im Park Babelsberg noch umfangreiche Baumpflegearbeiten statt. Große Teile des Parks sind deshalb für die Besucher gesperrt. „Wir planen zum 1. April mit den Arbeiten fertig zu sein“, sagt Kallensee. 

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