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Wohnen in Potsdam Wohnungstausch: Wenn die Kinder aus dem Haus sind

Potsdam will ab Sommer eine Servicestelle einrichten, damit Senioren mit großen Wohnungen mit Familien in kleinen Wohnungen tauschen können. Nur das Internet reicht dafür nicht.

Potsdam- Die eigene, viel zu große Wohnung abgeben, um dafür in eine kleinere, günstigere zu ziehen? Das würden viele ältere Potsdamer gerne tun, nachdem die Kinder ausgezogen sind oder man plötzlich alleine in einer sehr großen Wohnung lebt. Im vergangenen September stellte die Stadtverwaltung Potsdam erstmals Pläne für eine Wohntauschzentrale vor, mit der genau dies ermöglicht werden soll: Potsdamer sollen Wohnungen tauschen können, damit vor allem Familien, die händeringend nach größeren Wohnungen suchen, eine neue Bleibe finden können.

Was ist daraus geworden? Man arbeite derzeit an der Umsetzung, informierte Stadtsprecher Markus Klier auf Nachfrage der PNN: „Nach dem Vorschlag der Arbeitsgruppe Wohntausch soll nun auf Modellbasis eine externe Servicestelle ‚Wohnberatung’ für die Dauer von zwei Jahren eingerichtet werden.“ Starten wird die Servicestelle frühestens im Sommer 2018, derzeit läuft die Ausschreibung.

Komplexe soziale Aufgabe

Die Arbeitsgruppe hatte zuvor in Absprache mit dem Seniorenbeirat, dem kommunalen Immobilienunternehmen Pro Potsdam und den Potsdamer Wohnungsgenossenschaften Erfahrungen über die Organisation, den Aufwand und den Erfolg von Wohnungstäuschen gesammelt und ausgewertet. „Die Auswertungen zeigen, dass sich die Maßnahme nicht einfach als rein technische Lösung, etwa über eine Internet-Tauschbörse, umsetzen lässt“, sagt Klier. Vielmehr handele es sich um eine komplexe soziale Aufgabe, für deren Erfolg zudem entscheidend ist, dass es sowohl Anreize für Mieter als auch für Vermieter gibt.

Mieter der Gewoba, die zur Pro Potsdam gehört, haben die Möglichkeit zum Wohnungstausch schon jetzt: Bereits seit 2011 gibt es neben anderen Bonusprogrammen der Gewoba den sogenannten Wohnflächenbonus, der sich vor allem an Senioren richtet. Wer sich auf den Tausch einlässt, dem bietet das Unternehmen die kleinere Wohnung zehn Prozent unterhalb des Mietspiegels an, so Gewoba-Sprecherin Jessica Beulshausen. Zusätzlich gibt es einen Zuschuss für die Umzugskosten in Höhe von 100 Euro pro Quadratmeter reduzierter Wohnfläche, der maximal 3000 Euro betragen kann. Voraussetzung ist, dass die neue, kleinere Wohnung mindestens ein Zimmer weniger hat oder zehn Quadratmeter weniger Wohnfläche besitzt als die alte Wohnung.

Nur 140 Potsdamer haben das Wohnungstausch bisher genutzt

Dass dies gut funktionieren kann, zeigt das Beispiel der Potsdamerin Britta Peldschus, über die die Pro Potsdam im Dezember in ihrer Mieterzeitung berichtete: Im Herbst 2017 war ihre Tochter nach bestandenem Abitur aus der elterlichen Wohnung ausgezogen. „Unsere alte Wohnung in der Wilhelm-Staab-Straße war mit 90 Quadratmetern nun zu groß für mich“, sagte Peldschus. Per Aushang suchte sie nach Wohnungstausch-Willigen und wurde schnell fündig: Die dreiköpfige Familie Knitter/Rautenberg wollte gerne aus ihrer 60 Quadratmeter großen Wohnung ausziehen, da das zweite Kind bereits unterwegs war. Schnell wurde man einig: „Meine Wünsche, eine Wohnung mit Balkon und in der Innenstadt, wurden erfüllt und Familie Knitter/Rautenberg hat nun endlich genug Platz“, so Peldschus.

Das Beispiel ist eine Erfolgsgeschichte, doch bislang haben nur etwas mehr als 140 Potsdamer das Wohntauschprogramm der Gewoba genutzt – keine hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass die Gewoba mit über 17 000 Wohnungen der größte Wohnungsanbieter in Potsdam ist.

Wohnungen lassen sich eben nur tauschen, wenn beide Parteien das wollen, oder wenn es genügend (kleine) Wohnungen gibt, die noch frei sind. Gerade Letzteres ist in Potsdam ein lange bekanntes Problem, weshalb immer weniger Menschen überhaupt umziehen: Im dritten Quartal 2017 waren 2399 Potsdamer innerhalb der Stadt umgezogen, der niedrigste Wert seit fünf Jahren. 

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