Sami Al Faiad hat Arbeit, doch eine eigene Wohnung hat er bisher vergeblich gesucht.  Foto: Andreas Klaer
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Wohnen in Potsdam Schwierige Wohnungssuche für Flüchtlinge

Gerade für Flüchtlinge ist es fast unmöglich, eine bezahlbare Wohnung auf dem angespannten Potsdamer Markt zu finden. Das zeigt auch das Beispiel von Sami Al Faiad.

Potsdam - Der Syrer Sami Al Faiad hat schon eine wahre Odyssee der Wohnungssuche hinter sich, seit er 2015 nach Deutschland kam. Der 31-jährige Flüchtling wohnte schon in einer Flüchtlingsunterkunft, in mehreren Wohngemeinschaften und immer wieder auf der Couch. Schon seit März 2018 ist er nun wieder auf der Suche, um endlich eine eigene Bleibe in Potsdam oder Berlin zu finden. Doch auf dem privaten Wohnungsmarkt etwas leistbares zu finden, ist für ihn offenbar unmöglich. Und damit steht er bei Weitem nicht alleine da. Gerade für Flüchtlinge ist es extrem schwer, auf dem umkämpften Wohnungsmarkt etwas zu finden.

Er hat einen Ausbildungsplatz, doch keine feste Bleibe

Dabei ist Sami noch in einer vergleichsweise komfortablen Situation. So kann er zum Beispiel einen Ausbildungsplatz vorweisen: er lernt beim Steigenberger Hotel Potsdam den Beruf des Restaurantfachmanns, hat dort auch eine Übernahmezusage für Ende des Jahres. Außerdem hat er eine deutsche Freundin, eine Kunstlehrerin in Berlin, die ihm bei der Formulierung von E-Mails oder Behördengängen hilft – auch wenn er schon sehr gut Deutsch spricht. Bei ihr ist er zur Zeit auch offiziell gemeldet, doch eigentlich ist die Wohnung zu klein für zwei Bewohner. So schläft Sami ein paar Tage die Woche bei ihr, ein paar Tage die Woche bei seinem Bruder, der ebenfalls eine kleine Wohnung in Berlin hat.

Schon 2011 ist Sami mit seiner Mutter und seinen Geschwistern wegen des Krieges aus der ostsyrischen Stadt Deir ez-Zor in den Libanon geflohen. Dort schlug er sich drei Jahre lang durch, ohne Rechte, ohne Versicherung, als Angehöriger einer unbeliebten Minderheit, wie er erzählt. In Syrien hat er als Sticker gearbeitet, stolz zeigt er die kunstvoll verzierten Kissen, Vorhänge und Überdecken, die er einst fertigte. Im Libanon fand er einen Job in einem Hotel, doch offiziell gemeldet war dieser nicht.

In Berlin abgezockt

Im Sommer 2015 machte sich Sami auf nach Deutschland, wurde zunächst in Berlin-Kaulsdorf untergebracht und zog nach einem Jahr mit seinem Bruder in eine Wohngemeinschaft in Prenzlauer Berg. Doch dort wurden die beiden offensichtlich Opfer eines Ausbeuters: 800 Euro mussten sie für ein kleines Zimmer abtreten, das sie sich teilten. Außerdem gab es immer wieder Ärger mit dem Lebenspartner des Vermieters, der das zweite Zimmer der Wohnung bewohnte. Während sein Bruder, der mittlerweile Psychologie an der Universität Potsdam studiert, durch eine Bekannte an eine kleine Wohnung kam, zog Sami zur Untermiete zu einem Paar nach Schöneberg – doch auch dort lief es nicht gut. Bei dem 72-jährigen Mann und der 65 Jahre alten Frau habe er keinerlei Privatsphäre gehabt, berichtet Sami. Er habe keinen Besuch empfangen dürfen, seine Post wurde geöffnet.

Dann schien sich endlich etwas Längerfristiges zu ergeben: Ein guter Freund bot ihm an, mit in seine Betriebswohnung in der Berliner Beusselstraße zu ziehen. Sami investierte Geld und Arbeit, strich die Wände und kaufte Möbel. Doch schon nach zwei Monaten war klar, dass er auch dort wieder raus muss: Sein Freund hatte die Arbeitsstelle gewechselt und musste deshalb auch die Wohnung verlassen. Seit März weiß Sami davon, der Auszug war zum 1. Juli. Seitdem ist er ohne eigene Wohnung, ohne Rückzugsort.

Ein weiteres Hindernis sei seine Herkunft

Jeden Tag durchforste er die Angebote im Internet, sagt der Syrer. Seine Möglichkeiten sind beschränkt: Das Jobcenter übernimmt zwar wegen seines geringen Ausbildungsgehaltes die Wohnkosten. Diese dürfen jedoch das Limit von 404 Euro nicht überschreiten – auch nicht, wenn Sami sich selbst bereiterklärt, einen Anteil wie etwa die Nebenkosten zu übernehmen. Ein weiteres Hindernis ist seine Herkunft, ist Sami überzeugt. „Bei den Wohnungsbesichtigungen sind teilweise bis zu 100 Leute“, berichtet er und zeigt ein Video mit einer riesigen Menschentraube vor einem Mietshaus. „Die meisten sind Deutsche und haben bessere Chancen als ich.“ Langsam verliert er die Hoffnung, jemals etwas zu finden. In Berlin habe er von Bekannten gehört, dass sie bis zu 3000 Euro an einen illegalen Vermittler gezahlt hätten, um an eine Wohnung zu kommen. „So viel Geld habe ich nicht. Und auch wenn ich es hätte, würde ich das nicht machen.“

Mehr als 1000 Flüchtlinge leben in 14 Unterkünften

Das Problem ist in Potsdam bekannt – und auch die aktuellen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. So leben in den 14 Flüchtlingsunterkünften, die es in der Stadt gibt, derzeit immer noch 1015 Personen, wie es von der Stadt auf PNN-Anfrage heißt. Und das, obwohl die Zahl der Neuankömmlinge derzeit sehr gering ist. So wurden der Stadt im gesamten Jahr 2018 nur 139 Flüchtlinge zugewiesen, gerade mal ein Zehntel so viele wie 2015. Immerhin: Seit 2017 übersteigt die Zahl derjenigen, die aus einer Potsdamer Unterkunft ausziehen, die Zahl der Neuankömmlinge. Im vergangenen Jahr etwa konnten rund 350 Menschen eine eigene Wohnung beziehen.

Doch viele hängen weiterhin in den Sammelunterkünften fest, teilweise seit Jahren, ohne Privatsphäre, ohne Autonomie. Die Potsdamer wissen, wie schwer die Wohnungssuche in der Stadt ist. Und sie haben einen entscheidenden Vorteil: Sie sind Potsdamer.

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