Die Mieter der Wichgrafstraße 11 in Babelsberg wollen ihr Haus kaufen. Foto: Andreas Klaer
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Wohnen in Potsdam Mieter kämpfen um ihr Haus in der Babelsberger Wichgrafstraße

In Babelsberg kämpfen Bewohner um ihr Haus. Sie fürchten, nach einem Verkauf verdrängt zu werden. Dabei schien die Lösung zunächst noch greifbar.

Potsdam - Ruhig gelegen sind das Vorder- und Hinterhaus in der Babelsberger Wichgrafstraße 11, unweit des Weberplatzes. In den hell gestrichenen Viergeschossern leben derzeit 38 Bewohner in 18 Wohnungen – und sie sind in Sorge. Denn der Eigentümer der 1904 gebauten Häuser hat den Verkauf beschlossen. Eigentlich gab es laut den Mietern bereits eine Lösung: Die Bewohner wollten das Haus selbst als Eigentümergemeinschaft kaufen – mit der Hilfe des Miethäusersyndikats, einem deutschlandweit tätigen, nicht-kommerziellen Netzwerk, das beim Kauf von Immobilien hilft. Doch es gibt einen Haken: Der Eigentümer entschied sich um und will nun an zwei Investoren verkaufen, die 4,2 Millionen Euro für die Immobilie bezahlen wollen – rund eine halbe Million mehr, als mit den Mietern zuerst vereinbart wurde.

Kann Potsdam hier ein Vorkaufsrecht ausüben?

Die schrieben daraufhin Ende Februar einen Hilferuf in einem offenen Brief an die Potsdamer Stadtverordneten. Die Linken stellten in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend einen Dringlichkeitsantrag. Laut diesem soll nun geprüft werden, ob die Stadt „das Vorkaufsrecht ausüben kann, um dadurch der Hausgemeinschaft die Möglichkeit zu geben, das Haus zu erwerben, um langfristig bezahlbare Wohnungen zu sichern“.

Doch dies sei laut Potsdams Baudezernenten Bernd Rubelt (parteilos) derzeit noch „rein hypothetisch“, wie er am Mittwochabend sagte. Denn: Noch ist zwischen Eigentümer und Investoren kein Kaufvertrag geschlossen worden. Erst wenn dieser einem Notar vorliegt, wird die Stadt informiert. Die kann dann prüfen, ob das Haus im Sanierungsgebiet Babelsberg unter Auflagen veräußert werden muss. Noch sei das nicht geschehen, so Stadtsprecherin Christine Homann. Bislang habe die Stadt im Sanierungsgebiet Babelsberg noch kein Mal das sogenannte Vorkaufsrecht ausgeübt, in ganz Potsdam nur in Einzelfällen. „Die Voraussetzungen dafür sind selten gegeben“, so Homann. Denn das Recht gelte nur dann, wenn Flächen oder Häuser für kommunale Infrastruktureinrichtungen benötigt werden – also zum Beispiel Schulen oder Kitas.

Die Häuser sind sanierungsbedürftig

Wird das Haus an die potenziellen Investoren verkauft, befürchten die Bewohner, wegen steigender Mieten aus ihren Wohnungen ausziehen zu müssen. Denn die Häuser sind sanierungsbedürftig: Der Putz bröckelt, die Wohnungen sind nicht gedämmt, die Fenster alt. In einigen der Wohnungen wird mit Gasetagenheizung geheizt, in anderen sogar noch mit Kohle, heißt es in dem Konzept, das die Bewohner der Wichgrafstraße 11 erarbeitet haben. Bei einem Verkauf – so befürchten sie – folge „der übliche Gang aus Luxussanierung und der Verdrängung der bisherigen Mieter“.

Da bisher noch kein Vertrag geschlossen worden sei, hoffe man, dass es sich der Eigentümer vielleicht doch noch anders überlegen könnte, sagte eine Sprecherin der Mieter den PNN. „In jedem Fall sind wir weiterhin offen für Gespräche.“ Denn das Konzept der Hausbewohner für den Ausbau und die Sanierung steht: Umweltfreundlich und nachhaltig soll das Haus instandgesetzt werden, heißt es in dem mehrseitigen Papier. Die Fassade soll gedämmt, die Fenster erneuert und das Dach gedeckt werden. Außerdem sollen Heiz- und Elektrosystem auf den neuesten Stand gebracht werden. Auch das Dach würden die Bewohner ausbauen, um weiteren Wohnraum oder Gemeinschaftsräume zu schaffen.

1600 Unterschriften werden benötigt

Mit dem Kauf des Hauses wolle man die durchmischte soziale Struktur erhalten, heißt es auf der Internetseite der Mieter, die bereits einen Verein gegründet haben. Auch eine Petition gibt es bereits im Netz, die helfen soll, das Haus vom „Spekulationsmarkt“ zu nehmen. Bis gestern hatten 792 Menschen unterschrieben, 1600 werden für ein Quorum benötigt. Man sehe die Hausgemeinschaft als Gegenpol zu der Mietpreisentwicklung in der Stadt und wolle in Babelsberg einen Kiez-Ort erhalten.
Die Petition ist hier zu finden >> 

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