Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD, 2.v.l.), Potsdams designierter Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD, l.), sowie Tobias Exner (r.) und Marie-Luise Glahr von der Bürgerstiftung. Foto: Martin Müller
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Woche der Müllvermeidung Unterstützung für Potspresso-Becher

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Mehrmals benutzen statt einfach wegzuwerfen: Der umweltfreundliche Potspresso-Becher der Potsdamer Bürgerstiftung erhält jetzt politische Unterstützung. Und es gibt noch weitere Pläne.

Potsdam - Trotz des guten Starts des umweltfreundlichen Potspresso-Bechers, der in Potsdam Einweg-Kaffeebecher ersetzen soll, sind deren Erfinder weiterhin auf Spenden und Hilfe angewiesen. Das sagte die Vorstandsvorsitzende der gemeinnützigen Bürgerstiftung, Marie-Luise Glahr, am Montag. Anlass war ein gemeinsamer Termin mit Landesumweltminister Jörg Vogelsänger und dem designierten Oberbürgermeister Mike Schubert (beide SPD) zur Europäischen Woche der Müllvermeidung.

Getränke zum Mitnehmen nicht mehr in Wegwerfbechern

Dabei lobten beide Politiker die Idee des Potspresso-Bechers als besonders nachhaltig. Er soll nach den Vorstellungen der auf ehrenamtlicher Basis agierenden Bürgerstiftung dafür sorgen, dass Getränke zum Mitnehmen nicht mehr in Wegwerfbechern, sondern im klimaschonend hergestellten Potspresso-Gefäß ausgeschenkt werden. Der Becher kann für zwei Euro Pfand erworben und mehrfach verwendet werden. Schubert machte dabei deutlich, dass er sich die kommunalen Stadtwerke und ihre Müllabfuhr Stadtentsorgung als Partner wünsche. „Wir bohren da an den Stadtwerken.“ Der Becher sei als Werbemittel der Stadt geeignet, es handele sich um ein identitätsstiftendes Projekt, sagte Schubert – auch unter Verweis auf das Vorbild Hannover, wo ein Mehrweg-Becher unter dem Namen Hannoccino vom städtischen Abfallentsorger in den Umlauf gebracht wurde, um die Flut an Einwegbechern einzudämmen, die aus wenig umweltfreundlichen Verbundstoffen auf Erdölbasis bestehen.

Mögliche Kooperation mit Potspresso

Auch im Stadtparlament wird aktuell über eine Initiative der Linken zur Kooperation mit Potspresso beraten, um ein Mehrwegbechersystem in Potsdam zu etablieren, auch im Sinne des Klimaschutzes. Dazu sollen auch die Kosten geprüft werden, heißt es in dem Antrag, über den am Donnerstag im Umweltausschuss der Stadtverordneten beraten werden soll.

Glahr wiederum sagte, man freue sich über jeden neuen Partner – man wolle mit dem Projekt aber auch zeigen, wie Bürger selbst ihre Stadt gestalten können. Bisher seien 2500 Becher im Umlauf, die nächsten sind in verschiedenen Farben – nicht nur in Grün – vorgesehen. Dabei sollen speziell Unternehmen zum Mitmachen gebracht werden – auch mit der Aussicht, dass ihre Werbelogos auf den auffällig gestalteten Bechern erscheinen. So hätten die Bahnhofspassagen bereits 1000 Becher geordert, sagte Glahr. Als weitere Kooperationspartner habe man etwa die Bäckereien Fahland und Exner gefunden – in einer Exner-Filiale in Babelsberg fand auch der Pressetermin statt.

20 Cent jedes in Exner-Filialen verkauften Spezialbrots gehen an Potspresso. Foto: Martin Müller
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Das beim von den Stadtwerken und der Pro Potsdam getragenen Wettbewerb „Gemeinsam für Potsdam“ ausgezeichnete Potspresso-Projekt war erst im Sommer gestartet. Zu den prominenten Unterstützern gehört der Potsdamer Schauspieler Jörg Hartmann („Weissensee“, „Tatort“).

60.000 Euro werden benötigt

Glahr rechnete vor, für 20 000 Becher benötige man rund 60 000 Euro. Rund ein Drittel der Summe habe man schon zusammen. Unter anderem sind stadtweit 100 Sparbüchsen in Partnergeschäften verteilt worden, wo Potsdamer und Besucher „Reisegeld aus aller Welt“ spenden sollen – also übriggebliebenes Urlaubsgeld. Zudem ist am Samstag eine Auktion zugunsten der Bürgerstiftung geplant. Die 2010 gegründete Stiftung will die Verantwortung der Potsdamer für die Gestaltung ihres Gemeinwesens stärken und kanalisieren.

Minister Vogelsänger: "Becher spart Müll und Ressourcen"

Aus Sicht von Minister Vogelsänger ist das beim Projekt Potspresso gelungen: „Dieser Becher spart Müll und Ressourcen.“ Daher sei das Modell durchaus auch für andere Kommunen in Brandenburg überlegenswert, machte er deutlich. Deutschland sei im Europavergleich trauriger Spitzenreiter bei der Produktion von Verpackungsmüll, hieß es aus dem Ministerium – es gehe um rund 220 Kilogramm pro Person und Jahr. Dabei wolle die Mehrheit der Verbraucher den Verpackungsmüll einschränken, wie Umfragen belegten, so das Ministerium weiter.

Potsdam scheint dabei, trotz des Wachstums der Stadt, auf einem guten Weg: Denn das von den Potsdamern produzierte Haus- und Geschäftsmüllaufkommen ist in den vergangenen Jahren gesunken – von 39 660 Tonnen im Jahr 2013 auf 34 081 Tonnen im vergangenen Jahr. Das entspricht rund 142 Kilogramm Hausmüll pro Potsdamer und Jahr, heißt es im Statistikjahresbericht der Stadt.

Stadtverwaltung startet Müllvermeidungsaktionen

Zur Müllvermeidung in Potsdam hat auch die Stadtverwaltung bereits Initiativen gestartet – an erster Stelle einen Geben-und-Nehmen-Markt, bei dem nicht mehr benötigte Dinge, statt sie einfach zu entsorgen, getauscht oder verschenkt werden können. Diese Märkte finden zweimal pro Jahr im Frühjahr und Herbst statt. Dazu hat die Stadtverwaltung inzwischen auch eine Online-Version gestartet, bei der Potsdamer im Internet kostenlose Kleinanzeigen ins Internet stellen können.

Nicht mehr benötigte, aber noch brauchbare Möbel, Schuhe, Spielzeuge oder Elektronikgeräte nehmen aber auch soziale Träger entgegen – etwa die 2016 eröffnete Schatztruhe der Arbeiterwohlfahrt am Schlaatzer Erlenhof oder der Umsonstladen in der Charlottenstraße, der sich auch dem nichtkommerziellen Tauschgedanken verschrieben hat. Zudem ist in diesem Jahr Potsdams erster Unverpacktladen „Maßvoll“ am Luisenplatz eröffnet worden – dort werden Lebensmittel und Hygieneartikel ohne Plastikummantelung verkauft. Inzwischen ist dort auch der Potspresso-Becher im Sortiment angekommen. Vor wenigen Wochen erklärte Inhaberin Carolin Schönborn im sozialen Netzwerk Facebook, dank der guten Resonanz habe man „auch schon mehr Interesse und Bereitschaft bei Herstellern und Großhändlern wecken können, was nachhaltige Verpackungsformen angeht“.

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